13// Blut ist dicker als Wasser.

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Die Sonne weckte mich. Stöhnend wandte ich mich ab. Eigentlich hätte ich gedacht, dass ich gar nicht mehr aufwachen würde, so wie mein Kopf sich gerade anfühlte. 
"Guten Morgen." Hauchte eine weiche Stimme neben mir. Finger schoben sich auf meine nackte Brust. Ich spannte mich an. 
Langsam wandte ich mich um und blickte in hellblaue Augen, umrahmt von einem hübschen Gesicht und blonden Locken. "Äh. Hey." Sagte ich vorsichtig. Doch in meinem Kopf herrschte gähnende Leere. Was zum Teufel war passiert?
Krampfhaft versuchte ich mich daran zu erinnern was gestern nach der Party passiert war. Geschlagen schloss ich meine Augen. Ich erinnerte mich daran, wie eklig ich zu Maggie war. Ich musste mich dringend bei ihr entschuldigen. Doch danach war alles weg. Ich bin raus gegangen und... Nichts. Absolute Schwärze. Scheiße!
"Also ich äh..." Begann ich und sie lächelte mich sanft an. "Du erinnerst dich nicht an mich, oder?" Fragte sie sanft und kicherte leise. Sie setzte sich auf, streifte sich eine Jeans über, die auf dem Boden lag und offensichtlich ihr gehörte und erhob sich.
"Dann ist es ja nicht so wichtig, dass ich mich vorstelle." Sie kicherte wieder. Sie war wirklich niedlich. Auf eine natürliche Art, doch gleichzeitig sah sie aus wie eins dieser Instagram-Models. Sie war wirklich schön und für eine Sekunde war ich sogar enttäuscht mich nicht an die letzte Nacht erinnern zu können.
Die Fremde in meinem Schlafzimmer aber band sich ihre Haare aus dem Gesicht, zog sich das Shirt, mein Shirt, über den Kopf und schnappte sich ein Stück Stoff vom Boden. Dann lächelte sie mich wieder an.
"Du kennst mich ja eigentlich gar nicht aber wenn ich dir einen Typ geben darf?" Fragte sie und sah mich abwartend an. Was? Ich nickte. 
"Du solltest nicht mit irgendwelchen Frauen im Bett landen." Ich nickte, doch verstand eigentlich nicht, was genau sie mir sagen wollte. "Benimm dich nicht wie ein kleiner, frustrierter Junge." Fügte sie mit einem Schulterzucken hinzu. "Hör auf die zu besaufen und schnapp dir die Frau die du willst. Hol dir Lucy." Ich schnappte nach Luft, setzte mich auf und starrte sie fassungslos an.
"So wie ich die Sache sehe hat deine Lucy die Hosen voll. Aber du wirst sie nicht überzeugen, dass du der Richtige bist, wenn du mit anderen Frauen vögelst. Nicht das ich mich beschweren will. Aber geh zu ihr, mach ihr klar das du sie willst. Egal was." Ihre Worte waren scharf und gleichzeitig ehrlich. "Wir wissen oft selbst nicht was wir wollen." Sie zuckte mit den Achseln, zog sich an und verschwand durch die Tür.
Bitte was? Verwirrt starrte ich ihr hinterher. Hatte ich ihr von Lucy erzählt? Nun ich musste ihr von Lucy erzählt haben. Immerhin war sie in der Position mir einen Rat zu geben. Wobei sie im Endeffekt nur sagte, ich solle kein weinerliches Riesenbaby sein. Das kam mir äußerst bekannt vor. Ich sollte aufhören mich selbst zu bemitleiden? 
Ich hatte keinen Tag Zeit mich mit der Abfuhr abzufinden. Aber sie hatte Recht. Ich war frustriert und weinerlich gewesen. Und vor allem war ich gemein zu Maggie gewesen, die dafür ja mal gar nichts konnte. Mit einem tiefen Seufzen erhob ich mich vom Bett. Ich musste das als erstes hinkriegen. Ich musste dringend mit Maggie sprechen. 
Und wenn wir schon bei unangenehmen Dingen waren, konnte ich gleich mit Lucy sprechen und sie fragen, was zum Teufel das gestern nach dem Spiel war.  Denn selbst die letzte Nacht hatte mich den Kuss und ihre Reaktion darauf nicht vergessen lassen. 
Bevor ich mich davor drücken konnte, ging ich ins Bad, duschte, zog mich an und verließ meine Wohnung um mich bei Maggie zu entschuldigen. Es war schon fast halb sechs und ich hoffte sehr, dass Maggie es mir nicht allzu schwer machte. 
Überrascht stellte ich fest, dass nicht nur Antons Wagen, sondern auch Pippas Auto in der Auffahrt standen. Nun das hieß die gesamte Familie Davis war anwesend. 
Ich kam gerade zum Innenhof, als Maggies Tür aufging und sie lachend herauskam. Anton direkt hinter ihr. Er sah mich als erster, weil sie auf ihn konzentriert war und zurückblickte. "Chief?" Begrüßte er mich fragend und Maggie blieb abrupt stehen. Sie wandte sich um und blickte mich überrascht an. "Dean?" Fragte sie nun, als gäbe es die Möglichkeit, dass sie sich mich nur einbildete. "Ich lass euch dann mal allein." Erklärte Anton, küsste Maggie auf die Wange und warf mir einen langen Blick zu. Er machte sich Sorgen, dass ich ein Arschloch war. Aber ich wollte kein Arschloch sein. Heute nicht.
"Hey Maggie." Sagte ich leise und fuhr mir durch die Haare. Das Gespräch machte mich jetzt schon fertig, dabei hatte ich kaum ein Wort gesagt. "Was machst du hier?" Wollte sie skeptisch wissen. Sie hatte jedes Recht sauer zu sein, doch sie wirkte eher neugierig, als sauer.
"Ich bin hier um mich zu entschuldigen." Es war das Beste ich würde direkt zum Punkt kommen. Es hatte keinen Sinn mich hinter Ausreden und Floskeln zu verstecken. Ich hatte mich daneben benommen und ich hatte Maggie möglicherweise verletzt. Ich war nicht zu stolz um zuzugeben, dass ich ein Idiot war. Und es tat mir leid. Nur konnte Maggie keine Gedanken lesen, weshalb es meine Aufgabe war, es ihr zu sagen. Das war das Richtige. Und ich war Dean Thomas, bekanntermaßen tat ich immer das Richtige. Nun außer ich war betrunken. 
"Ich war ein Idiot. Ich war frustriert und hab meine Laune an dir ausgelassen." Führte ich weiter aus. "Und ich habe Dinge gesagt, die echt nicht cool waren. Dafür möchte ich mich entschuldigen. Es tut mir Leid, Maggie." 
Für eine Gefühlte Ewigkeit starrte sie mich aus ihren tiefen, grünen Augen nur an. Sie bewegte keinen Muskel, schien in mich hineinsehen zu wollen. Ich konnte nichts anderes tun, als darauf zu warten, wie sie reagierte. Doch ich fühlte mich seltsam entblößt.
"Ich weiß nicht was in deinem hübschen Kopf so vor sich geht, Dean Thomas." Erklärte sie ernst. "Aber ich vertraue darauf, dass du mit mir darüber reden wirst, wenn du soweit bist." Führte sie weiter aus. "Bis dahin lass uns rein gehen. Ich hab nämlich einen mörderischen Hunger." Ich liebte Maggie Davis wirklich. Und ich war froh, dass sie zu meiner Familie gehörte. Denn manchmal war Blut eben nicht dicker als Wasser.

Ein Cavalier hin und wegGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt