43// Offizielles.

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"Und nun?" Fragte ich Maggie, die schon ihren zweiten Kaffee intus hatte. "Keine Ahnung." Erklärte sie und ich konnte ihre Gefühlslage nicht einschätzen. 
Der Test war eine schnelle Sache gewesen, doch seit sie das Ergebnis hatte wusste ich nicht so recht, ob es gut oder schlecht war. Und Maggie sagte auch nichts. Erst als wir aus dem Gebäude gekommen sind, sie den ersten Coffeeshop angesteuert hatte und uns beiden den größten Kaffee der Geschichte bestellt hatte, hatte sie mich angesehen.
Immer wieder öffnete sie den Mund und jedes mal dachte ich, jetzt würde sie mich endlich erlösen, doch sie schloss ihn wieder, wie ein Fisch auf dem Trockenen. 
Noch immer trug ich meine Trainingssachen. Ich hatte keine Papiere, kein Geld und kein Telefon bei mir. Ohne Maggie wäre das eine ziemlich lange Heimreise. Doch wir konnten auch nicht ewig hier rumsitzen. Irgendwas musste passieren. Vielleicht sollte ich einfach anfangen.
"Also ich habe Lucy gesagt, das wir jetzt zusammen sin. Offiziell." Maggie hob den Blick. Ich hatte ihr das im Auto schon erzählt, doch ich wollte ihre Meinung hören. Auch wenn sie froh war das wir das endlich hinbekamen, was auch immer das heißen sollte.
"Du hast es ihr gesagt? Und was hat sie gesagt?" Fragte sie skeptisch und ich lächelte. "Nichts. Absolut gar nichts." Maggie schnaubte belustigt. "Ihr Handy hat geklingelt und sie ist rangegangen." Sie lachte auf. 
"Nun sie hat dir nicht die Pest an den Hals gewünscht." Ich nickte. Damit hatte sie immerhin recht. "Aber was heißt das jetzt? Ich würde das Anton fragen, aber er sagt immer nur das was ich hören will. Oder was total bescheuertes. Es gibt kein Dazwischen." Gab ich mit einem verzweifelten Stöhnen aus. Sie lachte wieder. "Manche seine Ideen sind gar nicht so bescheuert. Ich meine am Anfang ist das totaler Bullshit. Aber danach..." Sie machte ein eigenartiges und doch zustimmendes Geräusch. 
"Ist doch auch egal. Aber was mache ich jetzt? Ich habe das Gefühl, dass egal was ich tue sie davon rennt. Ich meine sollte das nicht einfacher sein. Ich mag sie, sie mag mich. Wo also liegt das Problem?" Wollte ich von ihr wissen. Immerhin war sie die Person von uns, die durchdacht und logisch war. Jemand der mit seinem Kopf entschied. Anders als ich, der am liebsten gar nicht entschied. 
"Ich werde ganz ehrlich mit dir sein..." Begann sie und ich nickte energisch. Ein wenig Tacheles würde mir sicherlich helfen. Hoffte ich jedenfalls.
"Ich denke das Lucy dich mag. Wirklich mag und das schon seit zehn Jahren. Aber das Leben ist nicht einfach und... manchmal grätscht es einem direkt in die Beine." Sagte sie also und sah mich eindringlich an. "Aber sie mag dich wirklich. Bisher war das aber nur eine Fantasie und du unerreichbar." Ich nickte. "Jetzt, wo du wirklich Interesse zeigst und das nicht zu knapp..." Maggie unterbrach sich selbst und lehnte sich etwas vor. "Was ein wenig verzweifelt und gruselig wirkt. Jedenfalls wenn ich das berücksichtige, das Anton mir gesagt hat." Sie zuckte mit den Schultern und schüttelte leicht den Kopf, dann lehnte sie sich wieder etwas zurück. "Sie hat Angst." Wieder nickte ich. "Sie hat mir von eurer Mom erzählt. Von der Diagnose und..." Maggie schüttelte den Kopf. "Und ich wette, dass sie nur erzählt hat, wie alle gelitten haben." Sie verdrehte die Augen und ich nickte leicht. Irgendwie hatte sie es schon in diese Richtung gedrängt. Immerhin hatte sie mir Weißmachern wollen, dass sie niemandem das antun wollte, was mit ihrem Dad passiert ist. 
"Wenn Mom auch so gewesen wäre, wie Lucy, dann hätte es weder Pippa noch Lucy gegeben." Sie schluckte und ich wusste, dass es daran lag, dass sie ihren Namen nicht nennen wollte. Doch auch sie hätte es dann nicht gegeben. Nicht so wie sie heute vor mir saß und ich war verdammt stolz auf Maggie, wie sie jetzt war. 
"Mom und Dad hätten sich trotzdem so entschieden." Erklärte Maggie ernst. "Und sie hatten mehr als zehn Jahre nach der Diagnose noch zusammen. Also ich finde das Zehn Jahre weitaus besser sind, als kein einziges." Ich nickte wieder. Denn ich sah es genau so wie Maggie. Ich hätte mich für ein Jahr mit ihr entschieden. Und auch wenn das romantisch und naiv klang, weil ich an die große Liebe, an Liebe übersteht alles und den ganzen Mist glaubte, so tat ich es. Ich glaubte an die Liebe. Ich glaubte an Lucy und mich. Ich glaubte an uns und eine Zukunft die besser werden konnte, als alles vorher erlebte. 
"Aber wie kann ich ihr das erklären?" Maggie lächelte mich sanft an und nahm meine Hand. "Du machst alles richtig." Erklärte sie mir zärtlich. "Manchmal muss man zu seinem Glück gezwungen werden." Fügte sie hinzu. "Sie will sich selbst, ihr Herz beschützen und schiebt es darauf, dich beschützen zu wollen." Redete sie weiter. "Und sie glaubt, dass du sie verlassen würdest, sobald sich die Gelegenheit ergibt." 
Dachte Lucy wirklich so von mir? Glaubte sie ich wollte sie nur ins Bett bekommen und dann wieder abhauen? Aber ich hatte ihr so oft schon gesagt, was ich von ihr wollte und trotzdem...
"Zeig ihr das du nicht abhaust." Erklärte sie, ließ meine Hand los und nahm einen Schluck von ihrem Kaffee. "Und wie soll ich das bitte anstellen?" Fragte ich sie frustriert. Mehr als sagen, konnte ich es ihr ja nicht. "Das hast du gerade getan." Erklärte sie und ich runzelte die Stirn. "Jedenfalls den Anfang." Fügte sie hinzu, doch noch immer verstand ich nicht, was sie sagen wollte. Genervt verdrehte sie wieder die Augen. 
"Mach es offiziell. Du hast es mir gesagt, sag es meinem..." Kurz räusperte sie sich. "...Dad. Mach es offiziell. Mach es real. Mach es exklusiv." Erklärte sie und ich starrte sie an. "Was ist mit dem Vetternwirtschafts-Ding?" Wollte ich wissen und konnte schon Pippa hören, wie sie mir einen Vortrag über Außenwirkung hielt. "Lucy ist kein aktiver Teil der Firma." Sagte Maggie, als wären meine Bedenken total abwegig. "Außerdem ist das niemals schlimmer als Anton und ich. Mach dir deswegen keine Sorgen." Bat sie mit einem Lächeln. "In einer Woche ist das Viertelfinale. Danach gehen die Interviews erst richtig los. Und du kennst die Idioten von der Klatschpresse." Ich nickte. Ja die kannte ich zur genüge. Laut denen war ich schon mit jedem weiblichen Model des Landes aus gewesen. Dabei hatte ich in den letzten zehn Jahren vielleicht zwei Freundinnen und fünf Dates. 
"Du willst, dass ich ihnen sage, dass ich vergeben bin?" Maggie lachte auf, dann nickte sie. "Wenn die ganze Welt glaubt, ihr seit zusammen, wärst du ein Arsch, wenn du sie verlässt." Ich nickte, doch mir erschien dieser Plan zu viele Lücken zu haben. 
"Und das wichtigste ist, dass Lucy dann endlich versteht, dass du das absolut, zu 100 Prozent ernst meinst." Damit konnte ich leben. Sehr gut sogar. 
"Außerdem gehörst du doch eh schon zur Familie. Warum es nicht auch gleich offiziell machen?" Nun Teil dieser Familie zu sein... Damit konnte ich auch leben. 




Ein Cavalier hin und wegGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt