Genervt nahm ich den letzten Schluck aus der Bierflasche und stellte sie auf den Tisch neben mir. Mit einem letzten Blick über die Party wandte ich mich zur Terassentür und betrat das Haus. Schnurstracks marschierte ich zur Haustür. Ich hatte genug Friede, Freude, Eierkuchen für einen Tag.
Ich dachte die ganze Zeit über an Mikes Worte. Er hatte recht. Ich sollte Lucy sagen was ich fühlte, es hinter mich bringen. Das Problem aber war, dass ich es doch schon getan hatte. Ich hatte mehr als nur klar gestellt, was ich von ihr wollte. Wie hätte ich noch klarer werden sollen? Ein Bild malen? Ich war davon überzeugt, dass Lucy ziemlich genau wusste was ich fühlte. Nur fühlte sie eben nicht so.
Warum aber hatte sie meine Einladung angenommen? Warum war sie mit mir ausgegangen? Warum hatte sie meine Küsse erwidert? Heftig?
"Gehst du schon?" Ich blieb stehen und holte Luft. "Ich bin nicht wirklich in Feierlaune." Erklärte ich kühl. "Wir haben noch gar nicht die Gelegenheit gehabt miteinander zu reden." Am liebsten hätte ich gelacht. Doch es war kein Belustigtes Lachen. Nur ein Verbittertes.
"Findest du nicht wir haben in letzter Zeit genug geredet?" Fragte ich genervt. Dieses ständige hin und her war ermüdend. Mir war klar was ich wollte. Ich hatte es Mike gesagt, doch Lucy schien das nicht zu wollen.
"Bist du wütend?" Fragte sie und ich schnaubte. "Ob ich wütend bin? Nein. Ganz sicher nicht." Erklärte ich gereizt. Ich war nicht wütend. Wirklich nicht. Doch ich hatte die Schnauze voll.
"Nun es klingt aber so als ob du..." Schnell unterbrach ich sie, ging ein paar Schritte auf sie zu und sah ihr direkt in die Augen.
"Ich bin nicht wütend. Aber ich bin es leid. Ich hab dir gesagt was ich will." Begann ich. "Ich habe dir gesagt, dass ich keine schnelle Nummer auf dem Autositz haben will. Ich will dich nicht nur einmal, oder auch nur einmal die Woche. Ich will das volle Programm. Ich will eine Zukunft. Das weißt du." Führte ich weiter aus und mit jedem Wort konnte ich die Angst in ihr wachsen sehen.
"Und es nervt mich das immer und immer wieder sagen zu müssen. Mich immer und immer vor dir auszuziehen. Mich komplett blank zu machen um dann absolut gar nichts zu bekommen." Wieder schnaubte ich. "Du bist an der Reihe. Denn mehr als sagen das ich dich will, kann ich nicht."
Meine Stimme wurde kühler. Eigenartig. Es fühlte sich falsch an und gleichzeitig irgendwie richtig.
"Also ja. Ich werde schon gehen." Ohne ein weiteres Wort wandte ich mich ab und fuhr mir durch meine Haare. Der Drang mich umzudrehen wurde mit jedem Schritt größer, doch ich tat es nicht. Sie war an der Reihe. Sie war am Zug.
"Was willst du denn von mir hören?" Rief sie plötzlich und ihre Stimme brach. Ruckartig hielt ich inne, doch ich wandte mich nicht zu ihr herum. "Nichts." Erklärte ich leise. "Und alles." Fügte ich hinzu als würden meine Worte irgendeinen Sinn ergeben.
"Du schmetterst mir immer dies großen, tollen Worte um die Ohren und erwartest dass ich direkt mit großen, tollen Worten antworte. Aber ich bin vielleicht einfach nicht gut mit Worten." Erklärte sie und ich schnaubte. Dann drehte ich mich zu ihr herum.
"Lucy, ich will keine großen, tollen Worte hören. Ich will keine epischen Reden oder sonst was hören." Sagte ich und spürte wie ich anfing wütend zu werden.
"Weißt du, obwohl ich dir schon ungefähr tausend Mal erzählt habe was ich will, hast du noch nicht einmal, kein einziges Mal, gesagt was du willst." Erklärte ich ihr und zuckte mit den Schultern. "Ich will keine großen, tollen Worte. Ich will einfach nur ehrliche Worte." Damit wandte ich mich wieder von ihr ab. Ließ sie stehen und ignorierte, dass sie weinte. Denn am liebsten hätte ich sie in den Arm genommen und sie an mich gedrückt. Und doch konnte ich das nicht tun. Denn Lucy musste endlich klar werden was sie wollte. Ich war nicht ihr Spielzeug. Und wenn sie soweit war, konnte sie sich melden.
Mit schnellen Schritten marschierte ich die Einfahrt hinunter zu meinem Wagen und dankte Gott, oder wem auch immer dafür, dass ich nur ein Bier getrunken hatte. Ohne einen Blick zurück stieg ich ein, startete den Motor und legte den ersten Gang ein. Doch etwas hielt mich davon ab auch loszufahren. Es war eine Sache so zu tun, als würde man die Karten auf den Tisch legen, als würde man auf den Gegenzug warten. Eine andere Sache war es, darauf zu warten. Nichts, absolut nichts reizte mich in meine dunkle, leere Wohnung zurückzufahren. Ich würde eh nur den ganzen Tag darüber nachdenken, was ich getan hatte und was ich gesagt hatte und warum Lucy geweint hatte.
Warum hatte sie geweint? Weil ich gemein war? War ich das? Ich fand nicht. Noch nicht. In ein paar Stunden vermutlich würde ich mich als absolut gemeinsten Menschen der Welt sehen.
Oder hatte sie geweint, weil sie mir etwas sagen wollte und es nicht konnte? Wollte sie mich abservieren? Warum sollte sie dann weinen? Warum sollte sie überhaupt mit mir ausgehen, wenn sie mich abservieren wollte? Und warum sollte es sie interessieren, wenn sie es wollte? Und wenn sie es wollte, warum reagierte sie dann so auf meine Berührungen? Und auf meine Worte? Und auf meine Küsse?
Diese Frau war mir ein Rätsel und auch wenn ich dieses Rätselt so unbedingt lösen wollte, schien ich es nicht zu schaffen. Das war frustrierend.
Ich schnaubte genervt.
Wie groß und toll konnten meine Worte schon sein, wenn sie nicht das erbrachten, was ich mir ersehnte?
Wie groß und Toll konnten meine Worte schon sein, wenn sie nicht das erreichten was ich beabsichtigten?
Wütend schlug ich auf das Lenkrad. Tolle große Worte. Paah! Ich wollte antworten. Ehrliche Antworten. Aber mit meinen großen, tollen Worten kam ich nicht weiter. Vielleicht war es einfach an der Zeit für etwas anderes. Scheiß auf große Worte. Scheiß auf tolle Worte. Her mit den ehrlichen Worten.
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Ein Cavalier hin und weg
RomanceDer zweite Teil der Cavalier- Reihe. (Teil 1: Ein Cavalier zum Frühstück) "Ich sollte gehen. Tut mir leid." Erklärte sie mit gesenktem Blick und steuerte die Tür an. Sie sollte nicht gehen. Nicht so. Ruckartig griff ich nach ihrem Arm. Ich hatte n...
