42// Agent 00

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Ich kam gerade aus der Halle, als ich Maggie sah, wie sie das Gebäude verließ. "Maggie!" Rief ich sie und erkannte, als sie sich zu mir umdrehte, dass sie gehofft hatte schnell und unauffällig abzuhauen. Mit besorgtem Gesicht blickte sie über meine Schulter.
"Was gibt es? Ich hab es eilig, also wenn das nicht dringend ist..." Begann sie und sah sich weiter um. "Von wem genau willst du nicht gesehen werden?" Fragte ich sie mit gerunzelter Stirn. Sie schnaubte, wollte gerade etwas sagen, dass mir versicherte, das es nicht so war wie ich glaubte. Doch sie erkannte noch vor mir, dass es kein Sinn hatte. Also packte sie meine Hand und zog mich aus dem Gebäude zu ihrem Auto. "Steig ein." Bat sie und mit einem kurzen Zögern folgte ich ihrer Bitte. Doch bevor ich fragen konnte was los war, hatte sie den Motor gestartet und war vom Gelände gefahren.
"Ich habe einen Arzttermin." Erklärte sie und blickte in den Rückspiegel, als hätte sie Angst verfolgt zu werden. "Und deswegen sind wir gerade im verdeckten Modus?" Fragte ich sie skeptisch und sie nickte. Doch sie schien nicht darüber reden zu wollen.
"Was wolltest du mit mir bereden?" Fragte sie also und wechselte das Thema. Wieder zögerte ich, denn sie war eigenartig. Und zwar mehr als normal.
"Ich wollte mit dir über Lucy reden." Begann ich und sie nickte lächelnd. "Es wird ja auch Zeit." Maggie wechselte die Spur und bog Richtung Innenstadt ab. "Lucy und ich sind..." Begann ich brach aber ab. "Was genau wird ja auch Zeit?" Fragte ich. Ich hatte ihre Worte nicht wirklich wahrgenommen und erst jetzt sackten sie zu mir durch. "Das du und Lucy das hinbekommt. Ich meine sie ist in dich verliebt seit sie fünfzehn ist." Erklärte sie und lachte. Ich schnaubte. "Und das hast du mir nie erzählt, weil?" Wollte ich wissen, doch Maggie lachte wieder nur auf. "Was hättest du, Mr.Obercool, denn gesagt, wenn ich dir gesagt hätte, das meine kleine Schwester auf dich steht?" Fragte sie mich und ich schnaubte. Sie hatte wahrscheinlich recht. "Ich habe ihr gesagt, dass wir jetzt zusammen sind." Gab ich zu und Maggie blickte mich an. "Du hast es ihr gesagt? Einfach so?" Wieder lachte sie ich nickte. "Sie hat mir eine Menge Scheiß davon erzählt, dass sie nicht mit mir Zusammensein will, weil sie ja bald stirbt." Erklärte ich und konnte die Wut in meinen Worten hören. Nicht nur auf Lucy, sondern auch, weil sie vielleicht recht hatte. Vielleicht würde sie irgendwann an dieser Krankheit sterben, vielleicht aber auch nicht. 
"Der Krebs meiner Mom wurde in einem späteren Stadium entdeckt, wie bei Lucy und sie hat sich fast ein Jahr nicht für eine Therapie entschieden und hatte trotzdem noch zehn Jahre." Erklärte sie. "Lucy hat Angst, das verstehen wir alle. Aber es ist unwahrscheinlich, dass sie in nächster Zeit daran sterben wird. Vor allem, weil die Zellen entfernt werden konnten und die Behandlung mehr als gut anschlägt." Ihre Worte waren neutral und geschäftsmäßig und ich war ihr dafür dankbar. Sie gab allem einen eigenartig objektiven Charakter und hatte mir immer dabei geholfen Dinge klarer zu sehen. 
"Also wenn es nach mir geht: Willkommen in der Familie." Brachte sie raus und bog auf einen Parkplatz. "Manchmal muss man die Menschen zu ihrem Glück zwingen." Fügte sie hinzu, parkte Rückwärts in eine Lücke ein und öffnete die Tür. Ich folgte ihr.
"Das nächste Mal aber kannst du ruhig früher mit mir darüber reden. Ich musste mir alle Informationen aus Anton herausholen." Sie verdrehte die Augen, lächelte aber.
Zusammen schlenderten wir zu einem großen gläsernen Gebäude. Mein Blick fiel auf die Tafel neben der Tür, doch anscheinend gab es hier so ziemlich jede Fachrichtung. 
"Zu was für einem Arzt gehen wir genau?" Fragte ich sie, gerade als die Aufzugtüren hinter uns zugingen.  Nervös knabberte sie auf ihrer Unterlippe und ich runzelte die Stirn. Sie war wirklich eigenartig. Maggie war nie so offensichtlich nervös. "Maggie?" Fragte ich also energischer und riss sie aus ihren Gedanken, doch die Aufzugtüren öffneten sich und sie ging an mir vorbei hinaus. Zielstrebig ging sie den Gang entlang und öffnete dann die gläserne Tür rechts von uns. Hier konnte ich ein Blick auf die kleine Tafel werfen. Gynäkologie? 
Innerlich stöhnte ich auf, doch noch immer beschäftigte mich ihr eigenartiges Verhalten. Langsam ging sie zum Tresen, packte mich am Unterarm und wandte sich erst mir zu, bevor sie sich der jungen Frau hinter dem Tresen zuwandte. "Das was hier gleich passiert, bleibt unser Geheimnis, klar?" Fragte sie, doch eigentlich klang es eher wie ein Befehl. Ich hob die Hände und nickte. "Okeeey." Sagte ich langgezogen und musterte Maggie lange. Doch sie wandte sich ab, blickte die Dame vor mir am Tresen an und lächelte. 
"Ich hatte angerufen, wegen des Schwangerschaftstests." Erstarrte schluckte ich. Was zum Henker? Ich erinnerte mich an den Test, den wir bei mir gemacht hatten. Vielleicht hätte ich ihn mir doch ansehen sollen?  Und warum sollte das ein Geheimnis bleiben? War sie nicht extra abgehauen um mit Anton darüber zu sprechen? Am liebsten hätte ich sie gepackt und gefragt, ob sie das ernst meinte, doch wir standen immerhin an diesem Tresen, bei diesem Arzt. Sie meinte es ernst. Jetzt verstand ich ihr komisches verhalten. Aber nicht warum sie Anton aus dem Weg gehen wollte. Anton. Sie wollte Anton aus dem Weg gehen. Aber sollte nicht gerade er hier sein? Immerhin war er ja an der ganzen Situation nicht unschuldig.
Ich verstand nur Bahnhof. Was war passiert, als sie letztens gegangen war? War ich wirklich so sehr mit meinem eigenen Hickhack beschäftigt gewesen, dass ich das nicht mitbekommen hatte?
"Davis." Erklärte Maggie der kleinen Brünetten, die sofort begann auf ihrer Tastatur zu tippen. Keine zehn Minuten später saß ich im Wartezimmer und Maggie war in einem der Behandlungsräume.
Schwanger. Schwanger. Schwanger. Wir waren viel zu jung um schwanger zu sein. Also jedenfalls irgendwie. Und dieser Selbsttest war irgendwie so abstrakt. Aber das hier war fürchterlich konkret. Ich wollte Kinder und wenn Lucy mir sagen würde, lass uns anfangen, wäre ich dabei. Doch irgendwie fühlte ich mich nicht bereit. Und ich wusste nicht Mal ob Maggie überhaupt Kinder wollte. Und wie Anton das sah, wusste ich noch weniger. Aber ich wusste, das Maggie eine gute Mom werden würde. Und dieses Kind hatte ne Menge cooler Tanten. Und einen ziemlich krassen Onkel. Dem kleinen Scheißer würde es in der Familie echt gut gehen. Da war ich mir absolut sicher. 
Ungeduldig starrte ich auf die Uhr. Doch die Zeit verging so langsam, das ich beinahe durchdrehte. Ich wollte es wissen. Ich wollte es jetzt wissen. Ich hasste es zu warten. Und Maggie schaffte es echt einen Spannungsbogen zu ziehen. Und vor allem wollte ich wissen, warum zum Teufel sie noch nicht mit Anton gesprochen hatte.

Ein Cavalier hin und wegGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt