Nervös zupfte ich an meinem Hemd herum. Ich war seit Jahren nicht mehr so nervös. Ich hatte ein Date. Mit Lucy. Ein Date mit Lucy. Ich hatte über zwei Stunden vor dem Spiegel gestanden. Am Ende trug ich eine dunkelblaue Jeans und ein weißes Hemd. Ich sah gemacht aus. Für meine Verhältnisse jedenfalls.
Ich hatte Angst zu bemüht auszusehen. Aber andererseits wollte ich auch das sie wusste, wie wichtig mir das war. Ich ging hier All-in. Das hatte ich ihr gesagt. Auch wenn mir die bescheuerten Bedingungen nicht aus dem Kopf gingen. Sie würde mich Daten ohne das es jemand wusste. Zusätzlich schloss sie kategorisch eine Zukunft aus. Sie wollte nicht mit mir Mutter-Vater-Kind spielen. Und für den Moment war das in Ordnung. Doch ich würde ihre Meinung ändern müssen.
Ich hatte lange über dieses erste Date nachgedacht. In meiner Tasche hatte ich den kleinen Zettel auf den ich alle zehn Punkt geschrieben hatte. Ihre zehn Punkte.
Die Zehn Punkte, die sie getan haben wollte, bevor sie starb. Und ich wollte diese Zehn Punkte mit ihr erleben. Ihr möglich machen. Nicht in chronologischer Reihenfolge. Und wenn ich damit fertig war würde sie in mich verliebt sein. Genau wie ich es jetzt schon war. Denn dann konnte ich ihr meine Zehn Punkte aufzwingen. Und danach unsere zehn Punkte. Ich würde mir immer weitere Punkte einfallen lassen und immer mehr Listen schreiben.
Gespannt wartete ich auf Lucy. Sie hatte darauf bestanden zu mir zu kommen und obwohl ich versucht hatte mich zu wehren, hatte ich es aufgegeben. Immerhin war ich froh, dass sie zugestimmt hatte.
Seit einer Viertelstunde stand ich also ungeduldig vor meinem Haus und blickte auf den Parkplatz. Ging hin und her, scrollte auf meinem Handy, steckte es weg und wiederholte diese Vorgänge. Ungeduldig blickte ich die Straße hinunter. Ich hatte Angst sie hätte es sich anders überlegt.
Als das laute Knattern des alten Rollers, den sie seit Ewigkeiten fuhr, über den Parkplatz schallte lächelte ich. Denn für ein paar Minuten hatte ich echt gedacht, sie würde vielleicht nicht kommen. Doch sie blieb neben den Fahrradständern stehen, stieg ab, schaltete den Motor aus und nahm den Helm ab. Mir blieb beinahe das Herz stehen, als sie ihre Haare herumwirbelte und mich mit einem breiten Lächeln ansah.
Mit leichten, eleganten Schritten kam sie auf mich zu. Langsam musterte ich sie. Sie trug eine enge Bluejeans und ein grünes, schulterfreies Oberteil mit langen Ärmeln. Sie trug eine schlichte Kette, die in der Sonne blitzte und eine braune Handtasche. Ihre offenen Haare fielen ihr weich ums Gesicht und ließen ihre Augen strahlen. Sie war eine Erscheinung.
Als sie bei mir ankam lächelte sie. Ein ehrliches, breites Lächeln. Auch sie begutachtete mein Outfit und wurde rot. "Jetzt fühle ich mich schrecklich underdressed." Sagte sie mit einem Stirnrunzeln. Ich lachte auf. "Selbst nackt wärst du niemals underdressed." Ich klopfte mir für den lässigen Spruch selbst auf die Schulter. Ich musste alle Register ziehen. Ich würde sowas von alle Register ziehen.
Ein helles Lachen entkam ihrer Kehle. "Das..." Sie grinste breit. "...war ziemlich smooth." Erklärte sie noch immer Lächelnd und nickte anerkennend. Sie hatte gute Laune und ich wollte mir einbilden, dass es meinetwegen war. Ich hoffte wirklich, das es vielleicht etwas mit mir zu tun haben könnte.
"Also Chief, was ist heute geplant?" Ich schmunzelte. "Chief?" Fragte ich sie skeptisch und sie nickte nachdenklich. "Ich weiß nicht genau wie ich dich nennen soll. Du hast auch einen Spitznamen für mich." Gab sie zu und legte ihren Kopf schief, während sie mich musterte. "Du könntest mich Baby nennen?" Scherzte ich. "Oder Schatz." Fügte ich hinzu. "Darling, Honey, Mausebär?" Erweiterte ich die Liste und wieder lachte sie. "Naja oder einfach Dean."
Lucy nickte. "Mausebär gefällt mir." Erklärte sie und diesmal lachte ich über ihren Witz. "Also was machen wir, Mausebär?" Da hatte ich mir ja was eingebrockt. Doch ich grinste. Ich würde sie mich so ziemlich alles nennen lassen.
"Eine Überraschung." Sagte ich und hielt ihr meine Hand hin. Skeptisch sah sie mich an, blickte dann zu meiner Hand, bevor sie zögernd danach griff und sich von mir zu meinem Wagen geführt wurde. Ich öffnete die Tür und verfrachtete sie auf den Beifahrersitz. Hinter ihr schloss ich die Tür und ging um den Wagen herum. Mit einem breiten Grinsen öffnete ich die Tür und ließ mich auf den Fahrersitz fallen.
Dann drehte ich den Zündschlüssel, legte den Gang ein und fuhr rückwärts aus der Lücke. "Willst du mir echt nicht sagen, was wir machen werden?" Fragte Lucy, als ich gerade vom Parkplatz fuhr. "Nope. Das ist eine Überraschung. Hab ich doch gesagt." Erklärte ich ihr und lächelte, als sie die Augen verengte. "Ich bin kein großer Fan von Überraschungen." Gab sie zu und ich lächelte. Ich hoffte das sie diese Überraschung mochte. Ich hoffte es wirklich sehr. "Ich denke diese Überraschung wirst du mögen."
Für eine ganze Weile blickte Lucy auf die Straße. Schien zu überlegen, was sie sagen sollte. "Was wenn ich sie nicht mag?" Fragte sie zögernd, noch immer mit verengten Augen. Ich lachte auf. Ich wollte nicht arrogant sein, aber sie hatte mir mit ihrer Liste eine ziemlich gute Vorarbeit geleistet. Aber was wenn sie meine Überraschung wirklich nicht mochte?
"Dann werde ich dich einfach so lange küssen bis du ohnmächtig wirst." Sagte ich ernst und blickte sie kurz an. Sie stutzte. Sie straffte ihre Schultern etwas und sah mich an. Dann starrte sie wieder auf die Straße. Es dauerte eine Weile, bis sie wieder etwas sagte. Doch es gefiel mir, dass ich sie so leicht hatte aus der Ruhe bringen können.
"Und wenn ich die Überraschung mag, dann wirst du das nicht tun?" Wollte sie wissen, sah mich aber nicht an. Sie senkte ihren Blick auf ihre Finger. Wie ein Vorhang fielen ihre Haare vor ihr Gesicht und wenn ich nicht gefahren wäre, hätte ich ihr die Haare über die Schultern gestrichen. Ich lächelte sanft. Es bestand kein Zweifel, dass ich sie küssen wollte.
"Wenn du willst das ich dich küsse, musst du es mir nur sagen. Denn dein Wunsch ist mir Befehl!"
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Ein Cavalier hin und weg
RomanceDer zweite Teil der Cavalier- Reihe. (Teil 1: Ein Cavalier zum Frühstück) "Ich sollte gehen. Tut mir leid." Erklärte sie mit gesenktem Blick und steuerte die Tür an. Sie sollte nicht gehen. Nicht so. Ruckartig griff ich nach ihrem Arm. Ich hatte n...
