"Sei nicht immer so eine Miesmuschel!" Ich schnaubte. "Ich bin keine Miesmuschel." Verteidigte ich mich und blickte auf den Display meines Laptops.
Ich hatte schon eine ganze Weile nicht mehr bei Gran angerufen. Und sie hatte mir sechs Mails geschrieben, alle heute, um sich darüber zu beschweren. Also hatte ich gleich beschlossen, sie anzurufen.
"Erzähl mir von der Arbeit. Von Maggie." Bat sie mich und ich lächelte leicht. Sie war vernarrt in Maggie. Vor einigen Jahren hatte Maggie mal einen Sommer in LA verbracht und ich hatte ihr die Stadt gezeigt in der ich aufgewachsen war. Natürlich hatte ich ihr auch Marylin Thomas vorstellen müssen und es war wie Liebe auf den ersten Blick. Ich wusste, dass sie insgeheim hoffte, das Maggie und ich zusammenkommen würden.
"Das erste Spiel ist nicht ganz so optimal gelaufen, aber das wusstest du bestimmt schon." Sie nickte. "Hab gehört das Daniel Davis euer neuer Trainer ist?" Diesmal nickte ich. "Maggie hat echt Überredungskünste zeigen müssen. Aber nachdem das Arschloch Callahan abgezogen war, war es nicht einfach einen Trainer zu finden." Erklärte ich ihr. "Ja. So kurz vor der Saison. Kann ich mir gut vorstellen."
Ich wusste das sie jeden Schritt der Cleveland Cavaliers verfolgte. Auch wenn sie es gerne sehen würde, dass ich mich auf einen Trade mit den Lakers oder den Clippers einging. Sie wollte das ich wieder zurück nach LA kam und an manchen Tagen wünschte ich mir das auch. Doch Cleveland war so lange schon mein Zuhause und ich hatte zu viele Leute hier, die ich nicht verlassen wollte. Auch wenn ich Gran vermisste.
"Maggie hat jetzt einen Freund. Sie und Anton sind wie eines dieser verheirateten Paare, die sich dauernd streiten, aber du siehst wie gern sie sich haben." Erklärte ich ihr mit einem Lächeln und sofort runzelte sie die Stirn. "Das freut mich für sie wirklich. Wie geht es dir damit?" Ich lachte auf. "Mir geht es gut. Maggie und ich sind wie Geschwister. Anton macht sie glücklich." Sie nickte. "Irgendwas bedrückt dich doch aber und wenn es nicht Maggie ist, was ist es dann?" Ich hasste es, das sie mich so schnell durchschaute. Es hatte mir schon oft Gespräche aufgebürdet, die ich nie hatte führen wollen. Doch sie hatte mir oft mit Ratschlägen geholfen und egal was ich ihr erzählte, sie verurteilte mich nie.
"Es ist nichts." Sagte ich, doch ohne in ihr Gesicht zu sehen, wusste ich, dass sie mir das nicht glaubte. Kein Stück.
"Dean Theodor Thomas..." Sagte sie streng. "...ich kenne dich besser, als du dich selbst. Und ich kenne dich auch länger. Also wenn du nicht darüber reden willst, dann werde ich warten, bis du soweit bist. Aber lüg mich bitte nicht an." Ihre Stimme war ernst, doch in ihr lag dieser liebevolle Ton, den sie immer anschlug, wenn sie etwas zu sagen hatte.
"Tut mir Leid, Gran." Brachte ich raus und lächelte dankbar. "Du sollst mich doch nicht so nennen." Brachte sie mit verzogener Miene heraus. Ich lachte leise. Ich hatte sie wirklich vermisst. Wenn die Saison nicht schon begonnen hätte, würde ich mich direkt nach LA aufmachen.
"Da ist eine Frau. Aber ich weiß noch nicht was das ist. Und..." Ich brach ab. Ich wusste nicht mal was ich sagen sollte. "Du magst sie." Ich nickte. Dabei hatte sie keine Frage gestellt. Sie hörte es an meinen Worten. "Ich mag sie sehr. Aber ich weiß nicht, ob sie mich auch mag. Es ist kompliziert." Sie lächelte mich an. Ich wünschte sie wäre gerade wirklich vor mir. "Es ist niemals kompliziert. Wir machen es nur dazu." Das war typisch. "Selbst wenn sie was mit mir anfangen würde, was sie irgendwie nicht will oder vielleicht auch schon..." Ich runzelte die Stirn. Das war eben doch kompliziert. "Weißt du, mein Schatz, viele Frauen sagen eigentlich nie das was sie meinen, aus tausenden verschiedenen Gründen." Erklärte sie. "Hör auf deinen Bauch." Fügte sie hinzu. "Schon als Kind hast du immer nur auf deinen Bauch gehört."
Ich holte tief Luft. "Wenn sie aber nicht das gleiche will? Ich will es lieber gar nicht wissen." Brachte ich ehrlich raus.
Ich wollte lieber nicht wissen, ob sie mich mochte und konnte mir so einreden, dass sie mich mochte, als es ihr zu sagen und von ihr zu hören, dass sie mich eben nicht mochte. Das ich nur der beste Freund ihrer Schwester war. Das ich der große Bruder war, den sie nie hatte. Ich wollte alles sein. Aber ich wollte nicht ihr Bruder sein.
"Ach Dean." Sie seufzte und riss mich aus einen Gedanken. "Was aber wenn sie das gleiche für dich empfindet und du es ihr nicht sagst?"
Das brachte meine Gedanken für einen Moment zum stillstehen. Was wenn es so war? Wenn sie mich mochte und ich es ihr nicht sagte, weil ich zu feige war? Ich war nicht feige. War es früher nicht. Erst recht nicht wenn es um Frauen ging. Doch bei Lucy war ich es plötzlich?
"Das wäre doch echt tragisch, findest du nicht?" Fragte Gran mich nach einer Weile. "Also reiß dich zusammen und küss die Frau. Einem Mann in deiner Familie konnte noch keine Frau widerstehen." Sagte sie dann mit einem breiten Grinsen und ich lachte auf. "Da sprichst du aus Erfahrung, vermute ich." Sie schüttelte den Kopf. "Oh nein. Rob musste mich regelrecht einfangen. Aber als er es geschafft hatte, ist er mich nicht mehr losgeworden." Wieder lachte ich. Sie und mein Granpa Robert hatten sich geliebt. Und ich wäre froh auch nur eine halb so liebevolle Beziehung führen zu können wie die beiden es getan hatten.
"Und das er ein guter Küsser war, war jedenfalls kein Grund ihm davonzulaufen" Laut lachte sie auf, dann wurde sie still. "Jede Frau kann sich glücklich schätzen, dich um den Finger zu wickeln." Sie liebte mich und hielt mich noch immer für den besten Mann auf der Welt. Sie war es immer und würde es wohl immer sein. Mein persönlicher Cheerleader.
"Danke, G..." Sie hob eine Braue. Ich lächelte. "Danke, Marylin." Nickend wandte sie sich zur Tür. "Ich muss los. Wenn wir das nächste Mal sprechen, dann erzählst du mir mehr von ihr. Vielleicht stellst du sie mir ja auch mal vor?"
Ich schnaubte. Nun ich meldete mich selten bei ihr, doch so schnell würde ich Lucy nicht um den Finger wickeln. Viellicht sollte ich sie nach einem Tipp fragen, denn immerhin hatte sie mich in nur einer Sekunde umgehauen.
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Ein Cavalier hin und weg
RomanceDer zweite Teil der Cavalier- Reihe. (Teil 1: Ein Cavalier zum Frühstück) "Ich sollte gehen. Tut mir leid." Erklärte sie mit gesenktem Blick und steuerte die Tür an. Sie sollte nicht gehen. Nicht so. Ruckartig griff ich nach ihrem Arm. Ich hatte n...
