24// Gebrochene Arme & gebrochene Herzen.

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"Mach dir keine Sorgen. Mir geht es gut." Ich schnaubte. "Wirklich. Immerhin bin ich die Erwachsene." Wieder schnaubte ich. Ich war über Dreißig und doch schaffte es Gran mir immer noch einzureden, dass ich kaum fünfzehn war. 
Der Anruf, dass sie im Krankenhaus war, hatte mich kalt erwischt. Sie war von der Leiter gefallen und hatte sich den Arm gebrochen. Weil sie unbedingt die Glühbirne hatte wechseln wollen. Dabei hatte ich ihr gesagt, sie solle jemanden dafür kommen lassen. 
Auch wenn sie ziemlich fit für ihr alter war, so war Marylin Thomas kein junger Hüpfer mehr. Egal wie sehr sie es versuchte. Es machte mich einfach nur wütend und es zeigte mir auf, dass sie nicht ewig leben würde. 
Und auch wenn ich wütend war. War ich eben auch ein paar hundert Meilen entfernt. Ich hatte in den letzten zwei Jahren oft daran gedacht wieder nach LA zu ziehen. Ich würde mich besser um sie kümmern können. Ich würde näher bei ihr sein. Doch ich war egoistisch genug, diesen Gedanken immer wieder von mir zu schieben. Aber jetzt wurde mir klar, dass ich das nicht ewig tun konnte. Irgendwann musste ich mich entscheiden. Ich musste eine Wahl treffen, die eigentlich keine war. Denn Marylin Thomas hatte mich aufgenommen, großgezogen und mich zu dem Mann gemacht, der ich heute war. Ich würde mich ebenso um sie kümmern, wie sie es für mich getan hatte. Ich würde sie pflegen und behüten, wie sie es getan hatte. Denn ohne sie wäre ich vermutlich nicht mehr hier. 
Kurz schloss ich die Augen. Lucys lächelndes Gesicht schoss durch meine Gedanken und ich seufzte. Mir war klar, dass ich mich bei einer Entscheidung gegen sie entscheiden würde. Denn Lucy brauchte mich nicht. Sie würde ohne mich klar kommen. Anders als meine Gran. Doch ich war mir nicht sicher, ob ich auch ohne Lucy klarkommen würde. 
Ich hatte Dreißig Jahre ohne sie überlebt, doch erst sein ein paar Wochen fühlte ich mich, als wäre ich endlich ich. Als wäre sie genau das was mir fehlte und ich wollte mich nicht gegen sie entscheiden. Aber würde sie mitkommen? Würde sie mich vielleicht begleiten?
Ohne auch nur eine Sekunde darüber nachzudenken, hatte ich beschlossen, das Lucy die Mutter meiner Kinder werden würde. Sie würde die Frau werden, die ich heiraten wollte. Sie oder keine. Doch was für eine Zukunft konnte ich ihr bieten, wenn ich nicht bei ihr sein konnte und sie nicht bei mir sein konnte. Immerhin lebte ihre Familie hier. Und wenn es eine Familie gab, die zusammenhielt, war es die Davis-Familie. Denn sie taten alles für die, die sie liebten. Doch würde Lucy auch alles für mich tun? Und war ich in der Lage es sie tun zu lassen? Würde ich sie vor die Wahl stellen wollen? Wie sollte ich sie von ihrer Familie trennen? Würde ich riskieren sie unglücklich zu machen? Würde ich mich von ihr trennen wenn es soweit wäre? Würde ich ihr und mir vielleicht das Herz brechen?
"Das wäre nicht passiert, wenn du jemanden angerufen hättest." Erklärte ich und kannte ihre Antwort darauf schon. "Wegen einer Birne?" Sie lachte auf. "Ich bin alt genug um eine Glühbirne zu wechseln, Dean." Sagte sie, als hätte ich das vergessen. Sie tat so als wäre das albern. Doch beim nächsten Mal brach sie sich vielleicht nicht nur den Arm, sondern gleich den Hals.
"Nein. Du bist zu alt um eine Glühbirne zu wechseln." Sie schnaubte. Ich wusste meine Worte waren schroff. "Werde bitte nicht frech." Sagte sie und ich erkannte ihren Tonfall. So hatte sie mich mein ganzes Leben gemaßregelt. "Ich bin nur ehrlich. Ich bin kein Kind mehr. Ich bin über Dreißig und du bist meine einzige Familie. Und wenn du zu stolz bist, jemanden anzurufen und dir deswegen den Hals zu brechen, kann ich ja wohl sauer sein. Und das hat nichts mit frech werden zu tun." Sagte ich und klang mehr als wütend. Ich klang kalt und distanziert. 
"Du musst dir keine Sorgen machen, Schätzchen." Wieder schnaubte ich. "Nur weil du mir das immer wieder sagst, heißt das nicht, dass alle meine Sorgen einfach so verschwinden, Gran." Gab ich zurück. "Du sollst mich doch nicht so nennen." Ihre Stimme war sanft geworden. Sie nahm mir nicht übel, dass ich sauer war. 
"Erzähl mir lieber von deiner Freundin." Belustigt verdrehte ich die Augen. Sie versuchte das Thema zu wechseln. "Wie wäre es, wenn du ein paar Tage herkommen würdest? Ich kann aus Cleveland gerade nicht weg und mein nächstes Auswärtsspiel ist in zwei Wochen." Schlug ich vor, doch nur Schweigen antwortete mir. "Lerne ich deine neue Freundin dann kennen?" Fragte sie. Diese Frau war einfach unverschämt neugierig. "Sie ist nicht meine Freundin. Noch nicht." Erklärte ich und lächelte über meine Worte. Denn ich wollte keinen Zweifel aufkommen lassen, dass es nur eine Frage der Zeit war. Lucy war schon Mal in mich verliebt gewesen und da hatte ich mich nicht Mal angestrengt. Und sie würde es wieder sein. Diesmal aber würde ich mich richtig ins Zeug legen. 
"Vielleicht sollte ich wirklich mal nach dem Rechten sehen. Und dann sehe ich auch endlich Maggie mal wieder. Und ich möchte deine Freundin kennenlernen!" Erklärte sie fest. "Nur ich habe Morgen noch ein paar Termine. Wie wäre es mit dem Wochenende?" Ich lächelte. "Das Wochenende klingt perfekt. Maggie wird sich sehr freuen." Gab ich aus und sie lachte. "Nun ich hoffe du wirst dich auch freuen deine uralte Großmutter wiederzusehen." Sie lachte und ich schnaubte nur. "So habe ich das nicht gesagt." Sie lachte wieder. "Stimmt. Uralt hast du nicht gesagt." 
Diese Frau war unmöglich. Ein Wunder, dass ich so umgänglich geworden war. Na vielleicht auch gerade deswegen. Lachend schüttelte ich den Kopf. "Ich muss jetzt los. Melde dich wegen der Einzelheiten oder soll ich ein Ticket buchen?" Fragte ich sie und sie lachte nur wieder. "Nein. Das bekomme ich gerade noch so hin. Weißt du man kann die Schriftgröße am Computer einstellen." Sie lachte wieder. Diese Frau war wirklich sowas von unmöglich. 

Ein Cavalier hin und wegGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt