49// Traumfrau oder Traumjob.

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Meine Laune war bombig. Ich war wie ausgewechselt. Die kompletten letzten Wochen war ich so nervig und weinerlich gewesen, dass ich mich die meiste Zeit selbst nicht hatte leiden können und das sollte schon was heißen. 
Dieses Hin und her hatte mich völlig fertig gemacht und mir kostbare Energie geraubt, die ich gut in meinem Spiel hätte gebrauchen können. Zumal ich wohl alles brauchen konnte, was ich kriegen konnte. 
Mir war klar, dass ich nicht ewig spielen konnte. Das ich nicht ewig ein Cavalier sein würde. Und mir war klar, dass auch wenn Mike mich nicht rausschmeißen wollte, es vielleicht irgendwann tun musste. Dan hatte damit schon recht. Aber eigenartiger Weise störte mich das wenig. 
Ich hatte meiner Agentur eine kurze Nachricht geschrieben. Allen in der Liga musste klar sein, dass jeder Sportler irgendwann etwas anderes tun musste und jetzt war das wohl die Zeit für mich. Nur leider war der Plan, den ich die letzten Jahre gehabt hatte, dass ich nach LA gehen würde und dort etwas für mich finden würde, irgendwie nicht mehr ganz so attraktiv wie noch vor ein paar Wochen. Der Grund dafür lag schlummernd in meinem Bett. 
Aber das änderte nichts an der Tatsache, dass ich mich umschauen sollte. Es wäre naiv gewesen zu glauben, dass sich nie etwas ändern würde. Und doch zögerte ich, als mein Handy klingelte und Avery anrief. Avery Connors war eine der besten Agentinnen die ich kannte. In meiner Karriere hatte ich schon einige, doch Avery war die beste. Denn sie hielt alles von mir fern. Schrieb mir eine Nachricht, wenn doch mal etwas war und klärte den Rest mit Pippa und ihrer Abteilung. Wenn es gut lief hatte ich Monatelang keinen Kontakt zu Avery und keinen Kontakt zu dem ganzen Bürokratischen Müll. Sie respektierte meinen Wunsch im Hintergrund zu bleiben. Ich mochte diesen ganzen Rummel eh nicht. Ich hasste die ganzen Veranstaltungen und war froh, dass andere im Team das für mich übernahmen. Und da sie und Pippa ziemlich eng zusammenarbeiteten, war ich mir immer sicher, dass egal was passierte, sie mir den Rücken stärken würde. 
"Hey, Avery." Begrüßte ich sie also und nahm mir den Kaffee der gerade aus der Maschine gekommen war. Mit ihm ging ich zum Sofa und ließ mich nieder. "Hallo, Dean. Hab fast vergessen, dass es dich noch gibt. Und dann lese ich von einer Schlägerei mitten auf dem Feld." Sie lachte auf. "Das habe ich nicht erwartet." Erklärte sie und ich lächelte verlegen. Denn das war definitiv keine meiner Sternstunden gewesen. Zu meiner Verteidigung, war das ja auch eigentlich nicht meine Schuld. Und Anton hatte einen ziemlich heftigen rechten Haken.
"Und ich hab auch nicht erwartet von dir zu hören." Wieder lachte sie leise. "Ich meine du meldest dich nie. Du sträubst dich ja regelrecht dagegen." Erklärte sie und ich schmunzelte. Damit hatte sie zwar recht, aber das lag ja nicht an ihr. "Ich bin eigentlich ziemlich nett." Sagte sie noch, bevor ihre Stimmlage sich veränderte. 
"Ich habe mich umgehört. Es gibt da ein Angebot, das ich dir wärmstens ans Herz legen würde." Sagte sie ernst und ich nickte. Mir war klar, das Averys Interesse meine Interessen vertrat. Sie würde mir nur zu etwas raten, dass mich weiterbringen würde. "Aber bevor ich dir davon erzähle..." Sie brach ab. "Pippa hat noch nichts davon gehört?" Hakte sie nach und ich schluckte. Ich wollte meine Optionen abwägen, bevor ich es offiziell machte. Oder halb-offiziell. Irgendwie fühlte es sich seltsam endgültig an, wenn ich es laut sagte. "Ich wollte erstmal ein bisschen Horchen, womit ich rechnen kann." Gab ich zu. "Hast du es Pippa erzählt?" Wollte ich wissen und hoffte nur, dass sie es verneinen würde. Denn Maggie würde mich umbringen, wenn ich nicht mit ihr darüber sprach. Aber wenn Pippa es wusste, dann würde Maggie vermutlich keine Stunde später auf der Matte stehen. 
"Nein, natürlich nicht. Nur hätte sie diese Information, vermutlich erwähnt." Erklärte sie mit einem skeptischen Unterton. "Was ist das also für ein Angebot?" Wollte ich wissen, ich wollte nicht über den Stress nachdenken, der zweifelsohne folgen würde, sobald ich mich entschied. "Ich hab mich umgehört, wie du mich gebeten hast. Diskret." Ich nickte angespannt. "Und ich habe einen Anruf bekommen. Einen äußerst hypothetischen Anruf von Ridley Meyers." Ich schluckte. Ich kannte Ridley. Er war für die Lakers tätig. Hatte selbst mal gespielt und war dann als Trainer im Nachwuchs ziemlich erfolgreich gewesen. Einige seiner Spieler hatten in der Nationalmannschaft einen Stammplatzt ergattern können. Ohne ihn hätte der Nachwuchs-Sport nicht das Potential, dass es heute hatte. 
"Jedenfalls hätte er einen Trainerposten für dich." Ich nickte. Ich als Trainer bei den Lakers. In LA. Ich lächelte leicht. Das war genau das, was ich wollte. Das war genau das, was ich mir vorgestellt hatte. Vorher. Vor Lucy. 
"Und Dean..." Redete sie weiter. "Diese Stelle schafft er nur für dich. Er will dich und glaub mir dein Verdienst ist gut. Nicht so gut, wie jetzt, aber es kommt sehr nah ran. Du würdest in LA leben und hättest genau das was du wolltest. Alle Sozialversicherungen inklusive, man stellt dir ein Haus, einen Dienstwagen und bezahlt dir die Spesen." Erklärte sie weiter und ich nickte. Sie brauchte mir den Job nicht schmackhafter machen, als er schon war. Denn es würde nicht am Job liegen, wenn ich mich dagegen entscheiden würde. "Viele der Trainer die im Nachwuchs in LA angefangen haben sind nun in der ersten Liga." Auch das wusste ich. "Bis wann muss ich mich entscheiden?" Wollte ich wissen und blickte zur Tür. Denn nur ein paar Meter entfernt lag Lucy. Endlich hatten wir das irgendwie hinbekommen, auch wenn wir noch nicht darüber gesprochen hatten. Aber was wenn ich diesen Job annehmen würde. Würde Lucy mich begleiten? 
Ich hatte lange genug gebraucht, um ihr klar zu machen, das ich sie nicht verlassen wollte nur um sie dann zu verlassen? Noch immer war sie skeptisch und ich brach mir einen ab, ihr zu verklickern, dass sie das nicht sein musste. Das war keine leichte Entscheidung. 
"Die Saison geht noch ein paar Wochen. Er hätte gerne so schnell wie möglich bescheid. Aber am Ende der Saison wird er sich umsehen müssen." Erklärte Avery. Wieder nickte ich. "Danke, Avery." Sagte ich und fuhr mir übers Gesicht. Nun musste ich mich entscheiden. Traumfrau oder Traumjob. Eigentlich keine wirkliche Wahl. Was für ein Mist! 

Ein Cavalier hin und wegGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt