3// Familie.

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Ich parkte meinen Wagen in der Einfahrt und stieg aus. Versuchte meinen Herzschlag zu beruhigen. Ich war echt albern. Doch seitdem Maggie mich angerufen hatte und mir gesagt hatte, dass wir heute mit ihrem Plan Lucy abzulenken, anfingen, war ich ganz aus dem Häuschen. 
Ich hatte mich bevor ich losgefahren war dreimal umgezogen. Nur um jetzt eine Jeans und einen dunkelroten Hoddie zu tragen. Ich wollte gut aussehen, doch ich durfte nicht so aussehen, als hätte ich mit Gedanken über mein Outfit gemacht. 
Diese ganze Situation war echt vertrackt. Doch ich riss mich zusammen. Schlenderte lässig zur Tür und drückte auf die Klingel. Tief holte ich Luft. 
Das hier war kein Date und doch schwitzten meine Hände wie damals beim Abschlussball. Mein Herz raste und in meinem Bauch rumorte es gewaltig. 
Maggie hatte Lucy erzählt, das Anton die coolen Seiten von Cleveland sehen wollte und Lucy war direkt darauf angesprungen. Sie hatte ganze Listen gemacht von Orten, die Anton sich dringend ansehen musste. Nun hatte sie eine Aufgabe. Der Nachteil aber war, das nun Anton immer dabei sein musste. Für den ersten Ausflug hatte sich Lucy die Cleveland Rock and Roll Hall of Fame ausgesucht. Eine gute Wahl wie ich fand. 
Das erste mal hatte mich Maggie mitgenommen. Sie hatte mir vor einigen Jahren ihre liebsten Orte in der Stadt gezeigt. Die Hall of Fame hatte dazugehört. Und ich war gespannt darauf Lucys liebste Plätze zu sehen. 
Gerade als ich mich fragte, ob wir uns bei Maggie treffen wollten, wurde die Tür geöffnet. Lucy stand vor mir, lächelte gehetzt und winkte mich herein, währen sie davonstürmte. 
"Ich habe noch was im Ofen." Rief sie mir über ihre Schulter hinweg zu. Mit einem Schlucken betrat ich das Haus, holte tief Luft und schloss die Tür hinter mir. 
Sie trug eine enge Jeans und ein schulterfreies, senfgelbes Oberteil. Ihre Haare hatte sie in einem Pferdeschwanz zurückgebunden, doch einige ihrer Haare hatten sich frei gekämpft und umrahmten sanft ihr Gesicht. Sie sah unglaublich aus. Leger und trotzdem gestylt. Ich konnte es kaum Beschreiben, doch ich fühlte mich wie neugeboren. Als hätte ich in einer Sekunde all den verpassten Schlaf der letzten Wochen aufgeholt. 
Mit langen Schritten folgte ich ihr in die Küche und sah ihr dabei zu, wie sie sich die hellblauen Ofenhandschuhe überstülpte und einen Pie aus dem Rohr holte. Es roch nach Apfel und Zimt. Genüsslich schnupperte ich. Es roch irgendwie nach Weihnachten.
"Ich habe einen Apfelkuchen gemacht." Erklärte sie, hob den Kuchen an ihr Gesicht und atmete ein. Genüsslich schloss sie die Augen. "Ich liebe Kuchen. Er ist wie Liebe die man essen kann." Erklärte sie und ich lächelte. 
Ihre moosgrünen Augen glitzerten, als sie mich ansahen. Dann lächelte sie breit. Sie war so schön. Es war als würde die Sonne aufgehen. "Du siehst gut aus. Die Farbe steht dir." Irritiert blickte ich an mir herunter. Hatte fast vergessen, was ich anhatte. "Äh. Danke." Brachte ich nur verwirrt heraus. "Das Rot bringt deine Augen zur Geltung." 
Lucy beugte sich etwas über den Tresen und sah mir tief in die Augen. "Wie flüssiges Karamell." Mein Herz raste, meine Lunge brannte und meine Handflächen waren schweißnass. "Ich liebe Karamell." Spätestens jetzt war ich mir sicher, dass Lucy sich einen Scherz mit mir erlaubte. Sie wusste doch genau was in mir abging. Sie wollte mich testen. Und ich war mir sicher, dass ich diesen Test nicht bestand. 
"Ich hätte gerne solche Augen wie du." Erklärte sie, währen sie zwei Teller aus dem Schrank holte, den gefüllten Pie anschnitt und zwei Portionen auf die Teller verfrachtet. Dann stellte sie mir einen davon vor die Nase und reichte mir eine Gabel. 
Noch immer starrte ich Lucy an. Ich konnte mich an ihrem Strahlen nicht satt sehen. Ihre Wangen waren leicht gerötet. Mir fielen jetzt erst die süßen Sommersprossen auf. Wie hatte ich sie nicht sofort bemerken können?
"Sieh mich nicht so an. Iss!" Sagte sie lachend. "Er schmeckt am besten wenn er noch ganz warm ist." Fügte sie hinzu und nahm selbst einen bissen von ihrem Teller. Ich schluckte wieder. Dann teilte ich mit der Gabel ein Stück ab und lud es mir in den Mund. Sofort explodierte der süße, köstliche Geschmack auf meiner Zunge. Der Apfel, der Zimt, die buttrige Kruste. Wenn ich nicht schon völlig in Lucy vernarrt gewesen wäre, wäre es spätestens jetzt passiert.
Stöhnend nahm ich noch einen Bissen. "Gut. Nicht wahr?" Fragte sie und ich nickte. Er war mehr als gut. Er war köstlich. Jetzt verstand ich warum Anton dafür Überstunden im Kraftraum verbrachte.
"Wo hast du das gelernt?" Wollte ich wissen, als mein Teller leer war und ich die Gabel ableckte, um wirklich nichts zu verschwenden. Sie lachte. "Dem World Wide Web." Dann lachte sie wieder dieses losgelöste, glückliche Lachen, dass mir direkt in die Lendengegend zog. Wie konnte es sein, dass mich dieses Lachen so scharf machte? War das normal?
"Ich hatte schon Angst du sprichst nicht mit mir." Sagte sie nachdem auch sie ihr Stück gänzlich vernichtet hatte. "Warum?" Wollte ich wissen und sie lachte wieder. "Nun weil du noch kein Ton gesagt hast. Ich wusste immer das du der schweigsame Typ bist, Dean Thomas. Aber nicht mal ein Hallo." Sie zuckte mit den Achseln und lächelte ihn an. Sie nahm es mir nicht übel, dass ich es nicht mal geschafft hatte sie zu begrüßen. Doch ich war von ihr so abgelenkt gewesen, dass ich es kaum gemerkt hatte. Bevor ich aber noch etwas zu meiner Entschuldigung sagen konnte, klappte die Terrassentür und kurz darauf kam Anton in die Küche. 
"Es riecht unglaublich." Erklärte er feierlich und Lucy lächelte ihn breit an. Ein besitzergreifendes Gefühl rauschte durch mich hindurch. Ich wollte das sie mich anlächelte. Nur mich. 
Doch sie sah Anton an, stellte auch ihm ein Stück vor die Nase und reichte ihm ihre Gabel. Die Gabel die sie eben noch in ihrem Mund hatte. Das hier musste einfach ein Test sein.
"Du bist definitiv meine Lieblingsschwester." Sagte er mit vollem Mund und lächelte. "Lass das ja nicht Pippa hören." Mischte sich Maggie ein, die sich gerade neben mir auf einem der Hocker am Tresen niederließ. 
Diese Szene wirkte seltsam vertraut. Und wieder durchzuckte mich dieses eifersüchtige Gefühl. Ich wollte zu dieser Familie gehören. Auch wenn das hieße Anton wäre dann sowas wie mein Schwager. Maggie machte keine halben Sachen. Und ich war mir nicht sicher ob er es schon wusste, aber Anton hatte Maggie an der Backe. Ob zwei Monate oder Jahrzehnte. Er würde sie nicht mehr loswerden. Und im Moment schien ihn das wenig zu stören.
Denn Anton gehörte nun zu dieser Familie und darum beneidete ich ihn. Denn ich wollte es auch. Wollte auch zu dieser verrückten, verdrehten und liebenden Familie gehören. Ich wollte es fast genau so sehr, wie ich zu dieser Wahnsinnsfrau gehören wollte. Aber nur fast.


Ein Cavalier hin und wegGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt