Ich hasste Krankenhäuser. Nicht das ich schlechte Erfahrungen gemacht hätte. Es war nur dieses Gefühl, das mir die weißen Wände und das hastige Treiben gab. Es war unangenehm. Ein Ort an dem man sich nicht wohlfühlen konnte. Man wusste was hinter den Wänden passierte. Oder man vermutete es jedenfalls.
Schon als ich die erste elektronische Tür hinter mir gelassen hatte und an den Tresen getreten war, wäre ich am liebsten wieder gegangen. Und doch war das nie eine wirkliche Option. Denn hier ging es nicht um mich.
Die niedliche Schwester hinter dem Empfangstresen lächelte mir aufmunternd zu. Sie schien mein Unbehagen zu spüren. "Wie kann ich Ihnen helfen?" Fragte sie freundlich und gab mir sofort das Gefühl willkommen zu sein. Dabei konnte ich sehen, wie die anderen Angestellten hastig hin und her gingen.
"Ich bin auf der Suche nach einer Patientin. Sie wurde heute Operiert." Sie nickte. "Würden Sie mir den Namen nennen?" Fragte sie wieder und ich nickte. "Lucille Davis." Erklärte ich und sofort senkte sich ihr warmer Blick auf den Display vor sich. Nach keiner Minute hob sie wieder den Blick. Er glitt mit einem Lächeln über die Blumen in meiner Hand.
Ein Gebinde aus wilden, weißen Rosen und Wiesenblumen. Die Rosen erinnerten mich an die Rosen, die auch um das gesamte Haus wild wuchsen. Doch es waren die wilden Blumen, die Wiesenblumen, die mich an Lucy erinnerten. Sie war so natürlich und so schön. Genau wie diese kleinen Blüten.
"Sie ist in der Onkologie. Im zweiten Stock. Folgen sie diesem Gang einfach nach links und benutzen sie die roten Aufzüge in den zweiten Stock. Dort wird eine Kollegin ihnen sicher weiterhelfen können." Erklärte sie sanft und ich nickte dankend. "Dankschön. Haben Sie einen schönen Tag." Wünschte ich ihr noch, als ich schon losgegangen war, um mich zu den roten Aufzügen aufzumachen.
Am Ende des Ganges war ein großer Raum, der geradezu durch geschlossene Türen abgegrenzt waren. Links von mir waren drei Aufzüge, die blau lackiert waren. Rechts von mir waren drei rote Aufzüge.
Ich betätigte den Rufknopf und wartete darauf, dass der Aufzug sich öffnete. Es fühlte sich an wie eine Ewigkeit, bis ich endlich eingestiegen war und auf der anderen Seite in einen weiteren Gang heraustrat.
Auch hier saß eine Schwester an einem Tresen und blickte auf, als ich zu ihr trat. Sie war etwas älter, doch auch sie lächelte mich freundlich an. "Guten Tag." Begrüßte ich sie freundlich. "Wie kann ich Ihnen helfen?" Wollte sie wissen und auch sie fragte ich nach Lucy. Sie nickte und zeigte mir die Richtung, nachdem sie mir die Zimmernummer genannt hatte.
Mit jedem Schritt näher zu dem Zimmer in dem Lucy lag, wurden meine Knie weicher und mein Magen grummelte lauter. Was wenn sie mich gar nicht sehen wollte? Immerhin war sie gerade operiert worden.
Als ich gerade ihr Zimmer erreichte, verließ eine Schwester den Raum. Sie hob den Blick und lächelte. "Sie schläft noch." Flüsterte sie und schloss die Tür hinter sich. "Kann ich trotzdem..." Fragte ich und sie nickte. "Alles ist gut verlaufen. Der Arzt wird in ein paar Stunden, wenn sie wach ist, kommen und alles weitere besprechen." Ich nickte mit einem Lächeln. Sie verabschiedete sich freundlich und ließ mich vor der Tür stehen.
Kurz zögerte ich, doch dann holte ich tief Luft und drückte die Klinke herunter. Ich machte ein paar Schritte in den Raum, schloss die Tür leise hinter mir und machte ein paar weitere Schritte bis ich in der Mitte des Raumes war.
Langsam hob ich den Blick. Ich wusste auch nicht, warum ich mich so davor sträubte sie anzusehen, denn ihr schönes Gesicht war noch immer ihr schönes Gesicht. Auch wenn es nun etwas fahl war. Ihre Lippen waren leicht geöffnet, doch ansonsten ausdruckslos. Sie lag auf dem Rücken, die Arme über der Decke neben dem Körper. Ihre Haare waren auf eine Seite gelegt, als hätte jemand darauf Wert gelegt, sie nicht zu verknoten.
"Hey, Luce." Flüsterte ich leise, zog mir einen der beiden Stühle heran und legte sie Blumen auf den Tisch neben ihr.
Ihre Atmung war tief und gleichmäßig. Ich lauschte jedem Atemzug. Genoss das Geräusch das sie machte. Ich war insgeheim erleichtert. Sanft griff ich nach ihrer Hand, verschränkte meine Finger mit ihren.
Die Schwester hatte angedeutete, dass sie noch eine Weile schlafen würde und es war mir recht. Denn ich wollte das sie sich erholte. Sie sollte so viel Schlaf bekommen, wie sie brauchte. Ich senkte meinen Kopf und presste ihr einen Kuss auf die Finger. "Ich liebe dich, weißt du." Flüsterte ich leise und lächelte traurig. "Ich muss nur den Mut finden es dir zu sagen, wenn du tatsächlich wach bist." Fügte ich hinzu und blickte in ihr Gesicht.
Ich hätte liebend gern ihre wunderschönen Augen gesehen. Wie sie mich ansahen, funkelten wie kleine Edelsteine. Sie sollte sie aufschlagen und mich einfach nur ansehen. Vielleicht ein kleines Lächeln?
Ich holte tief Luft. Ich war froh, dass die Operation zu ende war. Doch mir war klar, dass das nicht hieß, dass das böse K-Wort auch für immer Geschichte war. Ich hatte mich belesen und ich hatte es mehr als einmal bereut. Aber ich wollte einfach wissen, womit ich es zu tun hatte. Also hatte ich alles in mich eingesogen und versucht die Panik zu unterdrücken, die immer wieder aufgewallt war.
"Ich hab dir Blumen mitgebracht." Sagte ich leise und fuhr mit meiner Hand über ihre Wange. "Ich weiß total langweilig. Aber ich wusste nicht, was ich mitbringen sollte." Erklärte ich ihr entschuldigend. "Hab gelesen, dass Zucker..." Ich brach ab und senkte den Blick. "...im Moment nicht so gut für dich ist." Weichte ich aus. "Ich habe eine ganze Menge gelesen, über das alles." Fügte ich hinzu.
"Das Internet ist ein dunkler Ort." Scherzte ich leise und senkte meinen Blick auf ihre schmalen Finger in meinen. "Andererseits kann die Welt auch ziemlich dunkel sein. Jedenfalls wenn man ganz allein ist." Wieder küsste ich ihre Hand. "Aber du bist nicht allein. Und wenn du mich lässt, werde ich dich auch nie alleine lassen."
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Ein Cavalier hin und weg
RomanceDer zweite Teil der Cavalier- Reihe. (Teil 1: Ein Cavalier zum Frühstück) "Ich sollte gehen. Tut mir leid." Erklärte sie mit gesenktem Blick und steuerte die Tür an. Sie sollte nicht gehen. Nicht so. Ruckartig griff ich nach ihrem Arm. Ich hatte n...
