18// Es ist nicht alles Gold was glänzt.

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Völlig außer Puste stemmte ich die Gewichte ein letztes Mal und legte sie dann ab. Die neuen, verbesserten Trainingspläne waren hart. Sie umfassten mehr Training, strengere Überwachung der Nahrungszunahme und öfters Check-up. Hinzukam das Alkoholverbot, das Dan eingeführt hatte. Er hielt es für notwendig uns alle wieder auf den Boden der Tatsachen zu holen. Was immer das auch heißen mochte. Ich beschwerte mich nicht.
"Eine Überraschungsparty?" Ich wandte mich um und blickte Anton an, der mit einem Lächeln auf mich zukam. Ich nickte geschlagen. 
"War es das was ihr zwei besprochen habt?" Hakte er nach und ich schloss die Augen. Wir wussten beide, dass wir das nicht besprochen hatten. Anton lachte.
"Pippa kam rein und wollte wissen was mir machen." Erklärte ich genervt. "Lucy ist die Idee mit der Party gekommen." Fügte ich mit einem frustrierten seufzen hinzu. "Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte ich ihr einfach gesagt, dass wir rumgemacht haben." Ich klang verbittert. Doch es war die Wahrheit. Ich hatte das satt. Ich wollte einfach ungestört mit Lucy sein. Ich wollte mit ihr reden. Ohne jemanden der hineingestürmt kam.
"Das hätte Pippa bestimmt überrascht." Lachte Anton und ich nickte. "Pippa hält sich für so gewieft, dabei bemerkt sie nicht, was vor ihrer Nase abgeht." Begann ich und schnaubte. "Auch wenn es nur ein Vorwand war, hat sie Lucy die Organisation quasi entrissen, mit den Worten: Dienstag ist deine OP. Du hast andere Dinge auf die du dich konzentrieren musst." Äffte ich sie überspitzt nach.
"Lucy macht sich in die Hose und das alle in dieser Familie das böse K-Wort..." Ich setzte Anführungszeichen in die Luft. "...umschiffen ist nicht gesund." Sagte ich mit einem Kopfschütteln. Anton nickte zustimmend.
"Stimmt. Maggie redet über alles, aber wenn das Thema auf Lucy oder die Operation fällt, schweigt sie. Ich verstehe es nicht ganz." Er runzelte die Stirn. "Sie haben alle Angst, dass es wie bei Helena, Mikes Frau, wird. Aber nicht darüber zu sprechen macht es ja nicht weniger real." Das war es was mich so störte. Es schon längst real. Die Diagnose stand. Also warum wurde es so umschifft?
"Nun Maggie redet eigentlich nie über ihre Mom. Jetzt erst recht nicht mehr. Ich glaube sie ist irgendwie sauer auf sie und deswegen hat sie ein schlechtes Gewissen, weil sie tot ist. Verstehst du?" Fragte er und ich nickte. Das klang nach Maggie. Ich konnte sie verstehen.
"Naja das mit ihrem Dad..." Ich sah mich um, doch wir waren alleine. "...und Dan nimmt sie mit. Sie kann wütend auf Mike sein, sie kann wütend auf Dan sein. Aber sie kann nicht wütend auf Helena sein." Anton nickte wieder.
"Man, ich dachte meine Familie sei verkorkst aber ihre Familie ist echt..." Er brach ab, suchte nach Worten. "Es ist eben nicht alles Gold was glänzt." Warf ich ein und er nickte geschlagen. "Da sagst du was." 
Wir verließen den Kraftraum und betraten die Kabine. Ross und David kamen uns gerade entgegen und verabschiedeten sich von uns. "Wir sehen uns Morgen." Rief David und dann fiel die Tür zu.
"Morgen ist Dienstag." Sagte ich, als wäre das nicht offensichtlich. Anton setzte sich vor seinen Spinnt und nickte. "Ja. Morgen ist Dienstag." Wiederholte er zustimmend. "Weißt du wann es losgehen soll?" Fragte ich ihn. Wir wusste beide worüber ich sprach, doch er schüttelte den Kopf. "Am Vormittag soll sie da sein. Aber wann es los gehen soll, weiß ich nicht." Erklärte er ausführlicher. 
Obwohl mir die Logik sagte, das es ein einfacher Eingriff war. Etwas was am Tag wohl öfter gemacht wurde, was der Spezialist, bei dem Lucy in Behandlung war, auch schon einige Male gemacht haben würde, hatte ich ein komisches Gefühl im Magen. 
Nicht das ich glaubte, es würde etwas schlimmes passieren. Es war eher so, dass mir die Möglichkeit, dass etwas passieren könnte, eine Heidenangst einjagte. 
"Es wird alles glattlaufen!" Sagte Anton überzeugt. "Sie wird am Mittwoch nach Hause kommen und alles wird wieder gut sein." Erklärte er. Anton schien ihm anzusehen, was er dachte. Das er sich Sorgen machte.
"Ist ganz schön Scheiße, was?" Fragte er dann, nach einer Weile des Schweigens. Ich hatte nicht auf seine Worte reagiert. Meine Gedanken kreisten sich um Lucy. Wie eigentlich immer.
"Hme?" Fragte ich und sah ihn an. Ich konnte ihm nicht ganz folgen. Er lachte auf, erhob sich und steuerte den Waschraum an.
"Eine Davis zu lieben." Sagte er ernst. "Das ist ziemlich scheiße." Fügte er hinzu, bevor er aus meinem Blickfeld verschwand. 
Ich dachte über seine Worte nach. Und ich gab es ungern zu, doch er hatte recht. Im Moment fand ich es scheiße. Doch mir war auch sowas von klar, dass es das Wert sein würde. Das Lucy es Wert sein würde. 
Mit einem tiefen Seufzen erhob ich mich, zog mir das Shirt über den Kopf und folgte ihm in den Waschraum. Ich wollte was Essen und dann wollte ich ins Bett. Denn ich würde Morgen einen langen Tag haben. Ich würde ins Krankenhaus fahren. 
Vielleicht schaffte ich es ja Lucy abzulenken. Irgendwie. Vielleicht aber würde ich einfach mit ihr sprechen. Oder ich würde einfach nur bei ihr sitzen. Es war mir egal. Ich wollte einfach nur für sie da sein. 
Denn seit dem Kuss am Wochenende war mir klar, dass ich für sie mehr war als nur ein Freund. Und ich musste herausfinden was dieses Mehr war. Denn für mich war das absolut klar. Ich war in sie verliebt und ich wollte mit ihr zusammen sein. Komme was wolle. 
Nur musste ich nur bereit sein ihr das auch zu sagen und tatsächlich meinen Mund aufzumachen. Nicht nur herumstammeln und unzusammenhängende Sätze rauswürgen. Dafür war ich sowieso schon genervt von mir selbst.
Und auch wenn ich das wusste. Wollte ich Lucy nicht überrollen. Ich wollte ihr nicht, wenn sie aufwachte direkt den Ring unter die Nase halten. Nein ich würde da für sie sein und sie würde sich in mich verlieben und dann, würde ich den Ring rausholen. 
Wenn das nicht half, musste ich sie eben über meine Schulter werfen. Bei Anton hatte das ja auch geklappt. Ich schloss die Augen. Unglaublich, dass ich echt Antons Masche versuchen wollte.

Ein Cavalier hin und wegGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt