Eine unerwartete Wendung

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Hallo zusammen und willkommen zur Auflösung von Cats leiblichen Eltern. Ich bin wirklich sehr gespannt (und ein bisschen nervös) wie es euch gefallen wird! Also bitte lasst mir doch nach dem Lesen eure Meinung da. Gefällt euch diese Wendung? Habt ihr etwas Anderes erwartet? :) Viel Spaß beim Lesen!


Als die Blonde den Blick hob, stand sie vor einem dunklen Haus inmitten einer leeren Straße. Das Gatter, das normalerweise den Weg zur Haustür versperrte, stand offen, ebenso wie die Tür selbst. Licht drang von dort auf den Rasen im Vorgarten und ein Geräusch, das klang wie Musik aus einem eingeschalteten Radio war gedämpft zu hören.

Plötzlich stand jemand neben ihr, eine dunkle Gestalt, den Umhang über den Kopf gezogen, das Gesicht dahinter verborgen, und rührte sich nicht. Cat riss die Augen auf und wollte die Hand um ihren Zauberstab legen, doch als sie in die Tasche ihres Umhangs griff, war dort nichts zu finden. Für einen Moment breitete sich panische Angst in ihrem Körper aus, sie verkrampfte sich. War das Voldemort?

Als die Gestalt die Kapuze vom Kopf nahm, kam der schwarze, ungepflegte Haarschopf ihres Lehrers zum Vorschein und die Gryffindor atmete erleichtert aus, wobei sie sich im nächsten Moment blöd vorkam, da sie eigentlich wissen müsste, dass dies nur eine Erinnerung war und man ihr ohnehin nichts tun könnte.

Severus Snapes Gesicht war eine eiskalte Maske, keine Emotion lag in seinen Augen, doch sein Körper sprach eine andere Sprache. Er zitterte leicht, seine Faust umschloss seinen Zauberstab, wobei die Knöchel schon weiß hervortraten und seine Haltung war ungewohnt schlaff. Er atmete tief ein und lief dann schnellen Schrittes auf das Haus zu, durchquerte die Eingangstür und sah sich um. Cat, die diesen schnellen Wechsel nicht erwartet hatte, spurtete ihm hinterher. Als sie das Haus neben ihrem Lehrer betrat, folgte sie seinem Blick, der starr auf eine Gestalt gerichtet war, die auf der Treppe lag. Die Blonde ging ein paar Schritte näher heran und erkannte, dass die Person tot war. Es waren keine Spuren von Gewalteinwirkung zu erkennen, was sie sofort darauf schließen ließ, dass jemand den Todesfluch angewandt hatte. Und dann blickte sie der Leiche direkt ins Gesicht und ihr Herz blieb stehen. Eine Sekunde lang wollte sie panisch Harrys Namen schreien, doch ihr Kopf begriff schneller, wen sie sah. James Potter.

Sie sah Snape direkt an und erkannte zum ersten Mal eine Regung in seinem Gesicht. Sein Mund stand offen vom Schock, seine Augen waren eingefallen und er war ebenso blass wie die Leiche von James Potter. Plötzlich ertönte aus dem Obergeschoss das Geschrei eines Babys und die Köpfe beider Anwesenden schwangen die Treppe hinauf.

„Lily." Es war ein trauriges Krächzen, beinahe ein Hauchen, das den Mund des Lehrers verließ. Er hob seinen Zauberstab und stieg äußerst langsam und leise nach oben. In der oberen Etage folgten die Beiden dem Weinen des Kindes und betraten einen Raum, der wohl als Kinderzimmer dienen sollte. Eine Lampe mit Sternen und Monden hing von der Decke und beleuchtete den Raum nur sehr schummrig. Dann fiel Cats Blick auf den schwarzhaarigen Jungen in einem Gitterbettchen in der Ecke des Zimmers. Am liebsten wäre sie auf den kleinen Harry zugelaufen und hätte ihn aus seinem Bettchen gehoben, um ihn zu beruhigen. Doch es ging nicht. Es war nur eine Erinnerung.

„Nein!" Neben ihr ertönte ein dumpfer Schlag und sie sah ruckartig auf den Mann, der vor ihr das Zimmer betreten hatte. Severus Snape war auf die Knie gesunken und hatte den Zauberstab fallen lassen. „Bei Merlin, nein!" Die Gryffindor folgte seinem Blick. Schock breitete sich in ihr aus. Etwas abseits vom Kinderbett lag ein regloser Frauenkörper. Das flammend rote Haar verdeckte ihr Gesicht, doch Cat wusste, dass es Harrys Mutter war. Die Frau lag bäuchlings dort, die Arme von sich gestreckt und machte keinen Mucks.

Vollkommen hilflos krabbelte ihr Lehrer plötzlich auf allen Vieren tiefer in das Zimmer hinein, während die Blonde stocksteif am Türrahmen stehen blieb. Der Mann schien nicht einen Gedanken an das arme Kind neben sich zu verschwenden. Stattdessen kam er auf den Leichnam von Lily Potter zu und hievte sie schwerfällig in seine Arme. Ihr Körper war schlaff und entglitt ihm zweimal, ehe er sie wirklich festhalten konnte. Ihr Arm hing unnatürlich geknickt von ihr weg.

„Lily. Bitte nicht Lily!" Snapes Wimmern ging Cat durch Mark und Bein, sie war unfähig, etwas zu tun, konnte nur dort stehen und beobachten. Eine Träne kullerte über ihre Wange, als auch ihr Lehrer jämmerlich zu weinen begann und sein Gesicht in den Haaren seiner toten Freundin vergrub. Die Blonde wandte sich von der Szene ab. Das konnte sie nicht mitansehen. Es brach ihr das Herz, riss es in tausend Stücke. Sie begann zu schluchzen, ihr Atem kam nur noch stoßweise und sie drückte sich die zitternde Hand auf den Mund.

„Bei Merlin! Was...?" Snapes verwunderte Stimme ließ das Mädchen wieder herumfahren. Er hatte die Frau in seinen Armen herumgedreht, sodass nun zum ersten Mal ihr kugelrunder Bauch sichtbar war. Cat traf der Schlag. Lily Potter war schwanger gewesen? Sie trat ein paar Schritte weiter in den Raum und kniete sich hin. Doch etwas stimmte nicht. Das Shirt, das den Bauch bedeckte, war am oberen Teil mit Blut getränkt. Verwundert griff Snape nach dem Bund des Shirts und zog es langsam und vorsichtig hinauf, bis die klaffende Wunde zum Vorschein kam. Sein Blick schnellte hoch, als er begriff und sofort fiel ihm das blutverschmierte Messer auf, das noch an der Stelle lag, an der Lily Potter zu Boden gegangen war. Der Lehrer legte seine zitternde Hand auf den Bauch von Harrys Mutter und verzog das Gesicht zu einer verzweifelten Grimasse. „Es tut mir leid, Lily! Ich wusste es nicht. Ich wusste nicht...hätte ich doch nur..." Seine Stimme verlor sich zwischen dem Schluchzen und klang ungewohnt hoch und krächzend.

Doch dann war plötzlich alles still. Ein geschockter Ausdruck machte sich auf Snapes Gesicht breit und er zog ruckartig die Hand von Lilys Bauch. „Aber das ist nicht möglich." Cat horchte auf. Was? Was war unmöglich? Was war geschehen, dass ihr Professor nun so reagierte?

Hastig sprang der Schwarzhaarige auf, legte die Frau dabei sanft auf dem Boden ab und holte seinen Zauberstab, der in seiner Hand unruhig zitterte, während er sich beinahe in Zeitlupe wieder herumdrehte und Lily mit offenem Mund musterte. Seine Wangen waren noch feucht von den Tränen, doch sein Verstand schien wieder vollkommen klar. Er ging neben ihr auf die Knie und richtete seinen Zauberstab auf den Bauch der Frau. „Diffindo."

Die Haut am unteren Ende des gewölbten Bauches riss auf, Blut und andere Flüssigkeiten tropften aus der Wunde heraus und bildeten eine Pfütze unter Lily, die sich langsam ausbreitete und Snapes Umhang durchnässte. Doch es kümmerte ihn nicht. Geistesabwesend legte er den Zauberstab neben sich und beugte sich über den offenen Bauch. Er schien einen Moment zu zweifeln, doch dann griff er schnell hinein. Cat schrie auf und fasste sich erschrocken ans Herz, das wild gegen ihre Brust klopfte. Snapes zweite Hand folgte und verschwand nur für einen Moment in der Bauchhöhle der toten Frau. Dann, ganz langsam und vorsichtig, zog er beide wieder heraus. Die Blonde hielt die Luft an, zum Teil vor Aufregung, aber auch, weil ihr der unangenehme Geruch von Blut Übelkeit bereitete. Ganz zu Schweigen von dem Anblick von Snapes Armen, die dunkelrot getränkt waren.

Und dann gesellte sich zu Harrys traurigen Schreien eine weitere Stimme dazu, während Snape das Baby aus dem Mutterleib zog. Es war völlig befleckt mit Blut, wedelte mit Armen und Beinen und schrie wie am Spieß. Doch es lebte. Dann tupfte er vorsichtig mit seinem Umhang die Flüssigkeit vom Körper des Kindes und betrachtete es einen Augenblick. Es war ein Mädchen. Ein kleiner, roter Flaum Haare hatte sich bereits auf ihrem Kopf gebildet. Unwillkürlich musste Cat lächeln, als sie den glücklichen Ausdruck auf Snapes Gesicht sah, dann stand sie auf und sah über seine Schulter hinweg auf das Kind. „Willkommen auf der Welt, Kleine." Seine Stimme war noch immer rau, doch sie klang deutlich kräftiger als zuvor.

Das Baby verstummte, windete sich nicht mehr und öffnete die Augen. Strahlendes Grün kam den beiden entgegen und schien sie zu durchleuchten. Ein Schnauben, das Schmerz und Freude gleichzeitig ausdrückte, verließ Snapes Mund. „Du hast die Augen deiner Mutter."

„Catherine." Dumbledores Stimme hallte von weit weg zu ihr. „Catherine, komm zurück." Doch sie wollte noch nicht gehen. Sie wollte hierbleiben, bei Snape und dem Kind. Und bei Harry, der immer noch traurig schrie. Sie musste begreifen, doch ihr Gehirn war noch zu benebelt von der Aufregung und dem Glück, das sie gerade erlebt hatte. Dieses Kind, das war...


Die Landung in der Realität war schwer, beinahe erdrückend. Das Glücksgefühl, das sie gerade noch verspürt hatte, verblasste augenblicklich und machte einer kühlen Ernüchterung Platz. Sie hatte sich gefragt, wieso sie sich diese Erinnerung ansehen musste, was das mit ihr zu tun hatte. Doch dann begriff sie.

„Das bedeutet ich bin..." Weiter kam die Blonde nicht. Ihre Stimme zitterte zu sehr und brach bei dem Gedankengewirr in ihrem Kopf einfach mitten im Satz ab, während Harrys Schreie noch immer in ihren Ohren widerhallten. Wie in Trance ging sie wieder herüber zu ihrem Stuhl und setzte sich vorsichtig hin, während ihr ausdrucksloser Blick im Büro herumschweifte. „Ich bin..."

„Catherine Lily Potter, Tochter von James und Lily Potter und damit auch..."

„Harrys Schwester", ergänzte das Mädchen. Es war mehr ein Hauchen als alles andere. „Aber wie ist das möglich? Ich meine, Lily...sie war tot. Und ich war..." Ihre Stimme brach ab. Sie wagte es nicht, es auszusprechen, es schien ihr so fern, so surreal, doch sie wusste, dass es die Wahrheit war.

„Nun, Catherine, da bewegen wir uns in purer Spekulation. Harry hat dir sicherlich von dem magischen Schutz erzählt, den seine Mutter heraufbeschworen hatte, als sie sich für ihn geopfert hatte?"

Die Blonde nickte knapp.

Die Geschichte von Catherine O'NeillGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt