Eine alte Freundin

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Catherine hatte sich mit ihrer Entscheidung einige Tage Zeit gelassen. Trotz der Empfehlungen und ermutigenden Worte von Newt Scamander, war die Entscheidung, einen Unbeteiligten in den Krieg gegen Voldemort hineinzuziehen, nicht leichtfertig zu treffen. Sie hatte versucht, Harry über das Tattoo aufzuspüren. Vielleicht gab es ja die Möglichkeit, über den Lebenszweig eine Idee seines Aufenthaltsortes zu erhalten. Oder vielleicht konnte sie über eine verdrehte Geschwister-Telepathie seine Position herausfinden. Doch für nichts davon konnte sie tatsächliche, handfeste Beweise finden. Letztendlich hatte sie sich doch dafür entschieden, ihre alte Freundin Céline und ihren Vater um Hilfe zu bitten.

Also stand die Blonde nun mit fest klopfendem Herzen und rasenden Gedanken vor der Tür der Duponts in einem ruhigen, aber noblen Vorort von Paris. In den Bäumen, die die Vorgärten zierten, hingen bunte Lichterketten, die die Straße in ein wohliges, weihnachtliches Licht tauchten. Aus einem der benachbarten Häuser drang die Melodie von Jingle Bells in Dauerschleife. Die dünne Schneeschicht, die auf jeder Mauer, jeder Pflanze und jedem Ziegel lag, tat sein Übriges, um das kleine Winterwunderland perfekt zu machen. Nach einer Weile des Zögerns, schien Cat zu beschließen, dass ein Umkehren nicht länger als Option zur Verfügung stand. Also hob sie schnell die Hand und drücke auf die Klingel, bevor sie es sich anders überlegen konnte. Sie wartete nur wenige Augenblicke, die sich jedoch wie eine halbe Ewigkeit anfühlten. Als die Tür aufschwang, trat ein hübsches Mädchen in Cats Alter mit braunem Haar und dazu passenden Augen heraus. Die Sommersprossen in ihrem Gesicht waren wie üblich über den Winter etwas verblasst, doch man konnte sie noch immer sehen.

Célines Augen öffneten sich überrascht bei dem Anblick ihrer alten Freundin, doch schnell hatte sie sich wieder gefasst. Die Überraschung wich aus ihrem Blick und ihre Gesichtszüge verhärteten sich. „Cathérine", stellte die Brünette tonlos fest. Ihre Augen zuckten zur Seite, wobei sie mit den Händen krampfhaft Halt an der Tür suchte. Sie war offenbar wütend, das konnte Cat nur zu gut verstehen. Immerhin hatten sie eine halbe Ewigkeit keinen Kontakt mehr.

Die Gryffindor zwang sich zu einem Lächeln. „Salut Céline!", begrüßte sie ihre ehemals beste Freundin. Sie wusste nicht einmal so recht, wieso ihr Herz derart heftig gegen ihre Brust schlug, doch sie kämpfte die aufkommende Nervosität mit einem tiefen Einatmen nieder. „Ich weiß, das kommt vermutlich unerwartet, aber ich brauche deine Hilfe."

„Hilfe?", zischte Céline. Eilig blickte sie über die Schulter in die Wohnung hinein. Dann trat sie einen Schritt aus der Tür heraus und zog sie bis auf einen Spaltbreit hinter sich zu. „Drei Jahre ist es her, dass ich etwas von dir gehört, geschweige denn dich gesehen hätte! Und ganz plötzlich stehst du vor meiner Tür und forderst einen Gefallen ein?", erkundigte die Brünette sich ungläubig und schüttelte verständnislos den Kopf. Ein trockenes Lachen verließ ihre Kehle. „Such dir jemand anderen, der dir den Deppen spielt, Cathérine. Ich werde es nicht sein!"

Céline drehte sich auf dem Absatz herum und wollte die Tür wieder öffnen. Doch Cat kam ihr zuvor. Mit einer wischenden Handbewegung rief sie einen kurzen, aber kräftigen Windstoß herbei und ließ die Tür ins Schloss fallen. Als ihre Freundin nach dem Knauf griff, spürte sie sofort die gleißende Hitze und zog eilig die Finger wieder zurück. „Au!", rief sie aus und drehte sich irritiert zu Cat um. In ihrer Miene spiegelten sich die Fragen wider, die in ihrem Kopf kreisen mussten. „Wie hast du ...?"

„Es ist einiges passiert, seit wir zum letzten Mal miteinander gesprochen haben", wich sie vorsichtig aus. „Aber alles zu seiner Zeit. Jetzt, da du ausgesperrt bist, haben wir wohl ein paar Minuten zum Reden, n'est-ce pas?"

Der Blick ihrer Freundin streifte die Tür und sie presste die Lippen aufeinander, als hätte sie darin eine todkranke Katze, die ohne ihre sofortige Hilfe sterben würde. Doch schließlich atmete sie tief ein, wandte sich Catherine zu und nickte ihr auffordernd zu.

Diese hatte wiederum nicht wirklich daran geglaubt, dass die Französin ihr tatsächlich zuhören würde. Deshalb stand sie einige Sekunden etwas überrumpelt da und starrte die Brünette an. „Es tut mir leid, ich hätte mich bei dir melden sollen", gab die Blonde schließlich kleinlaut zu und senkte den Blick gen Boden.

Céline schnaubte verächtlich und verschränkte die Arme vor der Brust. „Verdammt richtig, das hättest du!"

Die abweisende Reaktion ihrer ältesten Freundin brachte ebenso plötzlich auch ihr Blut in Wallungen. Sie sah zu ihr auf und warf die Stirn in Falten. „Und was ist mit dir? Gibt es in Frankreich neuerdings keine Eulen mehr? Du hättest mir genauso schreiben können, wenn du den Kontakt hättest aufrechterhalten wollen!"

Céline öffnete den Mund, als wollte sie etwas erwidern, schien dann aber zu beschließen, dass es besser war, erst einen klaren Kopf zu bekommen. „Ich...", begann sie stotternd und stampfte wütend mit dem rechten Fuß auf den Boden. „Zut alors! Ich weiß es doch auch nicht. Ich wollte dir erst etwas Zeit geben, um dich einzugewöhnen. Und als nach ein paar Wochen immer noch kein Brief von dir kam, da dachte ich...nun ja...ich dachte, dir gefällt es dort drüben so gut, dass du mich vergessen hast."

Cat machte einige Schritte auf sie zu. „Ich habe dich niemals vergessen, Céline. Es ist nur so unheimlich viel passiert. Es ist immer noch so viel los. Ich wüsste gar nicht, wo ich anfangen sollte", meinte sie und schüttelte den Kopf. „Es entschuldigt aber nicht, dass ich mich nie gemeldet habe. Ich wünschte, ich hätte es getan. Ich merke erst jetzt, wie sehr du mir gefehlt hast."

Célines Gesichtszüge entspannten sich etwas. Sie öffnete den Mund, als wollte sie etwas erwidern, doch es kam kein Ton heraus. Zögerlich wiegte sie ihren Körper von der einen auf die andere Seite. Dann biss sie sich auf die Lippe – eine Angewohnheit, die sie in all den Jahren wohl nie abgelegt hatte. Sie rang mit sich, doch schließlich ergab die Brünette sich. Ein leises Seufzen verließ ihren Mund, während sie mit dem Kopf schüttelte und die Arme nach ihrer Freundin ausstreckte und sie in eine Umarmung zog. „Ich habe dich auch vermisst, Cathérine."

Als sie sich von ihrer ältesten Freundin löste, lächelte Cat zufrieden und bemühte sich dabei, die Tränen in ihren Augenwinkeln wegzublinzeln. „Also? Darf ich jetzt hereinkommen oder wollen wir das Alles zwischen Tür und Angel besprechen?"

Da war es schon wieder. Célines Blick zuckte zu ihrer Wohnung herüber, wobei sie sich auf der Unterlippe herumkaute. „Ehrlich gesagt, passt es gerade wirklich schlecht, Cathérine. Meine Eltern sind nicht zuhause und ich ..."

Sie kam nicht weiter als das. Die Wohnungstür wurde von innen aufgerissen, knallte gegen die Wand und wurde fast aus den Angeln gerissen, während zwei Männer in Zauberer-Roben heraustraten. Der eine war sehr groß, doch sein bulliger Körperbau und das runde Gesicht erinnerten Cat sofort an Vincent Crabbe. Der andere war bereits deutlich älter, seine Haare waren vollständig ergraut und durch sein Gesicht zogen sich zahlreiche Falten. Doch seine Reaktionsfähigkeit schien durch sein Alter nicht eingeschränkt zu sein. Blitzschnell zückten sie ihre Zauberstäbe und feuerten Flüche auf Catherine ab. Die Blonde reagierte ohne zu Zögern. Sie stieß ihre Freundin außer Reichweite und sprang selbst in die entgegengesetzte Richtung. Eilig versteckte sie sich hinter einem alten Audi 100 aus den Siebzigern, der auf der gegenüberliegenden Straßenseite stand und dessen Lack im Schein der untergehenden Sonne glamourös schimmerte. Der erste Fluch traf den hinteren Reifen und ließ ihn sofort platzen. Der zweite zielte auf die Scheibe, die unter ohrenbetäubendem Kreischen zerbarst.

Cat zuckte zusammen und verzog das Gesicht. Eine Schande für das Auto. Der Besitzer schien sich wirklich Mühe mit der Werterhaltung gegeben zu haben. Nach diesem Angriff dürfte der Wagen einem Totalschaden gleichen. Doch das konnte nicht ihre primäre Sorge sein. Die Blonde begriff einfach nicht, wie es sein konnte, dass die Todesser ihr plötzlich auf die Schliche gekommen waren. Über Monate hinweg hatte sie sich bei den Flamels versteckt, war in Paris unterwegs gewesen. Niemand hatte sie angegriffen. Es hatte nicht einmal Anzeichen gegeben, dass jemand auf der Suche nach ihr war. Und ausgerechnet jetzt, da sie mit der Hilfe ihrer Freundin aus Frankreich verschwinden wollte, fand man sie?

Cat sah zu der Brünetten herüber, die ebenfalls hinter einer alten Eiche kauerte und sich panisch umsah. Beim Blick in Célines Augen traf die Gryffindor die Erkenntnis härter als sie es erwartet hätte. Die Schuld war geradezu erdrückend, definitiv unübersehbar. Sie hatte gewusst, dass die Todesser sie suchten. Das Ganze war ein Hinterhalt und Céline war der Köder. Doch sie konnte auch erkennen, wie Panik in ihrem Blick mitschwang. Das war nicht der Ausdruck einer Verräterin. Das war der Ausdruck einer Besiegten, die mit dem Rücken zur Wand stand. Was hatten sie gegen Céline in der Hand?

Meine Eltern sind nicht zuhause...

Natürlich hatten sie Célines Eltern entführt. Sie war immer ein Familienmensch gewesen. Im Gegensatz zu den anderen Mädchen in Beauxbatons hatte sie sich immer darauf gefreut, die Ferien ganz für ihre Eltern zu haben. Sie waren dann an die Küste gefahren und hatten ihre Tanten und Onkel und Cousins und Cousinen besucht. Céline würde alles für sie tun – sogar ihre ehemals beste Freundin an Voldemort verraten.

Und Catherine konnte es ihr nicht einmal übelnehmen. Sie konnte sich nicht vorstellen, was sie tun würde, um ihre Eltern zu beschützen. Töten, vermutlich. Aber auch Harry verraten? Doch das konnte man nicht vergleichen. Harry war der Schlüssel für den Sieg gegen Voldemort. Catherine war nur ein Mädchen mit besonderen Fähigkeiten. Fähigkeiten, von denen Céline nichts wusste. Ebenso wenig wie von der Freundschaft geschweige denn der Verwandtschaft zu Harry.

„Es tut mir leid", hauchte Céline ihr entgegen und schüttelte den Kopf. Tränen rannen ihr über die Wange, ihre Hände zitterten. Sie hatte eine Panikattacke.

Catherine schüttelte den Kopf und sah ihrer Freundin mit Mitleid entgegen. Sie versuchte in ihren Blick all das zu legen, für das sie keine Zeit hatte, es auszusprechen. Wie leid es ihr tat, dass sie sich nie gemeldet hatte. Dass Céline keine Schuld an dieser Situation traf und dass sie alles richtig gemacht hatte. Dass allein Cat schuld am Verschwinden ihrer Eltern hatte und dass sie es sich niemand verzeihen würde, wenn ihnen oder Céline etwas geschehen würde.

Cat wurde es eiskalt in der Brust. Zum zweiten Mal in kürzester Zeit trug sie die Schuld daran, dass ihre Freunde und deren Familie ins Schützenfeuer von Voldemort geraten waren. Zuerst Blaise und jetzt Céline. Sie konnte das nicht zulassen. Sie musste sich endlich wehren. Sie musste Céline retten. Und dann würden sie gemeinsam ihre Eltern retten.

Endlich erwachte die Blonde aus ihrer Schockstarre. Ein Körperklammerfluch zuckte knapp über ihrem Kopf vorbei durch die Seitenscheibe des Audis und sie zuckte zusammen. Die mikroskopische Feuerpause nutzte die Blonde, um sich aus ihrem Versteck aufzurappeln und ihren eigenen Zauberstab zu zücken. Sie nutzte einen Schutzzauber, schickte direkt einen Entwaffnungszauber und einen Körperklammerfluch hinterher. Dabei rannte sie so weit es ging von ihrer Freundin weg, um diese aus der Gefahrenzone zu bekommen. Flüche zuckten über ihrem Kopf vorbei. Einer Mischung aus einer Prise Verteidigungskünste und einer großen Portion Glück verdankte sie es, dass sie von keinem getroffen wurde. Schließlich duckte sie sich hinter einer Mülltonne am Ende der kleinen Straße und sah herüber zu Céline.

Doch ihre französische Freundin war nirgendwo zu finden. Sofort war Catherine in Alarmbereitschaft. Sie reckte den Kopf ein wenig höher, um sich einen besseren Überblick zu verschaffen. Sie versuchte, um die Ecke in die nächste Straße hineinzuspähen. War Céline geflohen? War sie bereits außer Gefahr? Oder hatte sie einfach nur nicht bemerkt, wie die Todesser sie getroffen und versteckt hatten?

Sie bemerkte ihren Fehler zu spät. Während Catherine nach ihrer Freundin Ausschau gehalten hatte, hatten sich die Todesser aus dem Schutz der Straße vorgearbeitet und standen nun in direkter Schussbahn zu ihr. Crabbe holte aus. Noch ehe der Fluch den Zauberstab ganz verlassen hatte, wusste die Blonde, dass sie nicht schnell genug sein würde, um zu reagieren.

"Achtung, Cathérine!"

Céline sprang in ihr Sichtfeld. Der grüne Lichtstrahl traf sie mitten in die Brust. Der erschrockene Ausdruck fror in ihrem Gesicht ein, ihre Augen blinzelten nicht länger und die letzte Wolke aus warmem Atem verflüchtigte sich bereits in der Luft. Dann fiel ihr Körper in sich zusammen. Mit einem lauten Poltern ging das tote Mädchen zu Boden.

Sofort war Catherine zur Stelle. Ihr Herz blieb für einen Augenblick stehen und sie hielt die Luft an, wie bei einem Film, bei dem man darauf wartete, dass die Spannung sich auflöste, dass der Held wieder aufstand und kämpfte. Doch das tat Céline nicht. Das Mädchen lag reglos am Boden, die Augen noch immer weit aufgerissen, doch ohne Reaktion. „Nein!", schrie die Blonde. Ihre Stimme schrillte in die Höhe und brach zitternd in sich zusammen. Sie schnappte nach Luft, nur um noch viel lauter zu schreien.

Plötzlich begann die Erde unter ihnen zu beben. Ein Grollen tief aus der Hölle drang zu ihnen herauf. Die Erschütterung war so stark, dass in der Straße bei mindestens drei Fahrzeugen die Alarmanlage losging. Catherine sah sich nicht danach um. Die Todesser verloren das Gleichgewicht und mussten an der Mauer hinter sich Halt suchen.

Das Beben verschaffte der Gryffindor genug Zeit, um das Schützenfeuer für eine Weile auszusetzen. Mit ein paar schnellen Schritten stand sie neben ihrer Freundin und fiel ungebremst auf die Knie. Sie griff nach ihrem Handgelenk, suchte nach einem Puls, auch wenn sie wusste, dass sie nichts finden würde. Vorsichtig legte sie ihren Arm auf Célines Brust ab und zog ihren schlaffen Körper in ihre Arme. Ihre Haut war bereits kalt, ihre Lippen wurden blau. Doch ihre Augen starrten sie so lebhaft wie noch vor wenigen Minuten an. „Ihr Monster!", schrie Catherine, ohne die Todesser wirklich anzusehen. „Sie hatte damit nichts zu tun! Sie war unschuldig! Eine Unschuldige!" Die Blonde wiederholte ihre Worte immer und immer wieder, als könnte sie den Todesfluch damit irgendwie ungeschehen machen, während sie Céline in ihren Armen wiegte und die Tränen ihr unkontrolliert über die Wangen rannen. Doch es half nichts.

Die beiden Todessern standen einige Sekunden vollkommen still da und tauschten besorgte Blicke aus. Cat kam zitternd auf die Füße, wobei sie behutsam darauf achtete, Céline sanft am Boden zu platzieren. Ihr gesamter Körper bebte im Takt der Erde. Wut kochte in ihrem Magen und brannte sich durch jede Pore an die Oberfläche. Beim nächsten Blinzeln verdampften die Tränen auf ihren Wangen und ihre Augen verwandelten sich in rote Scheiben.

Catherine schrie aus vollem Hals und schloss die Augen. Die Luft schien zu vibrieren, Druckwellen breiteten sich von ihrem Körper aus und ließen die Knochen ihrer Angreifer beben und den Putz an den Wänden der Nachbarhäuser bröckeln. Ihre Zauberstäbe fielen klirrend zu Boden und sie pressten sich die Hände über die Ohren, um sich zu schützen. Vergeblich.

Mit der rechten Hand machte Catherine eine kreisende Bewegung über ihrem Kopf und um sie herum bildete sich ein lodernder Feuerkreis. Eilig wichen die beiden Todessern zurück und versuchten verzweifelt, gleichzeitig ihre Ohren und Augen zu bedecken.

Ein starker Wind bäumte sich in der Straße auf. Herumliegende Zeitungen und liegengebliebene Laubblätter wurden vom Boden hochgerissen und wirbelten im Schein des Feuers herum. Einige fingen Feuer und legten eine graue Rußschicht über den ehemals reinweißen Schnee. Die Weihnachtsdekoration in den Bäumen und an den Wänden klimperte, als würde sie einen drohenden Schneesturm ankündigen. Doch der Schnee im Umkreis von gut fünf Metern war bereits vollständig geschmolzen. Die Hitze des Feuerkreises versengte die oberste Schicht der Umhänge, die die Todesser um ihren Körper trugen.

Catherine machte einen Schritt vorwärts, bereit für einen vernichtenden Angriff. Célines Tod sollte nicht ungesühnt bleiben. Die Widerlinge, die ihn verschuldeten, sollten dafür büßen. Feuer loderte in ihren Augen auf. Wilde Wut kochte in ihrem Magen. Weitere, schnellte Schritte folgten, die Todessern versuchten panisch zurückzuweichen, doch hinter ihnen war nur noch die steinerne Mauer, die die schönen französischen Vorgärten von dem Chaos auf der Straße trennte. Cat holte mit der rechten Hand aus.

Doch plötzlich fuhr ein stechender Schmerz in ihre Schläfen und sie zog scharf die Luft ein, während sie sich an die Stirn griff und die Augen zusammenpresste. Der Schmerz lähmte ihre Konzentration und die Elemente spielten verrückt. Das Feuer wuchs höher, wurde heißer. Der Wind riss an den kargen Ästen und fegte so einige Lichterketten hinfort. Die Todesser suchten an den Mauern Halt.

Catherine schrie. Der Schmerz zwang sie in die Knie. Sie drückte ihre Hände auf die Schläfen, doch es konnte das Pochen nicht vertreiben, das ihr von innen heraus den Schädel zum Bersten bringen wollte. Bilder flackerte vor ihrem inneren Auge auf. Ein schwarzer Rauchfetzen, der sich durch die dunkle Nacht bewegte. Zwei stechendrote Augen starrten daraus hervor. Ein Mann mit schütterem Haar und eine kleine Frau, die disapparierten. Sie spürte eine unbändige Wut in sich aufsteigen, die nicht ihre eigene war. Und sie schrie. Schrie mit dem Wesen, dem die Bilder gehörten, im Einklang.

Um sie herum begann sich alles zu drehen. Die Bilder änderten sich in schneller Reihenfolge hintereinander und Catherine hatte Mühe, ihnen zu folgen. Sie sah Szenen, die sie auch bereits aus Snapes Erinnerungen kannte. Harrys Vater – ihren Vater – tot am Boden liegend, sah Harry bitterlich weinen. Sie sah ein Schloss, groß und erhaben. Sie sah die Landschaft der schottischen Highlands und wusste, dass es sich um Hogwarts handelte.

Ihre Umgebung begann sich schneller zu drehen, doch alles wirkte schrecklich verzerrt und unnatürlich. Auf der Leuchtreklame im Fenster von Célines Nachbarn konnte sie immer wieder die Worte „You To Christmas Merry" erkennen. Und von irgendwoher drang eine Melodie an ihr Ohr, die wie ein schrecklicher Katzenjammer mit Glockenspiel klang. Es war fast, als liefe die Zeit rückwärts ab. Panik übermannte die Gryffindor. Etwas geschah mit ihrer Magie, doch die Schmerzen machten es ihr unmöglich, etwas zu unternehmen. Sie hob die Hand, doch sie zitterte zu sehr, als dass sie die Elemente irgendwie unter Kontrolle hätte bringen können. Das Bild einer schönen, jungen Frau mit langen, braunen Haaren tauchte in ihrem Kopf auf. Der Ravenclaw-Adler war auf ihrem Seidenkleid aufgestickt. Doch sie war blass. Zu blass, um noch lebendig zu sein.

Schließlich war der Schmerz so groß, alles drehte sich so schnell, dass Catherine sich zu einem Ball zusammenkauerte, die Hände über dem Kopf, die Augen zusammengepresst, und zu Gott oder Merlin oder jeder anderen übernatürlichen Kreatur betete, sie möge verschont bleiben – oder es möge einfach nur enden.

Der Schrei verklang allmählich. Endlich klang auch der Sturm wieder ab, die Papiere und Laubblätter fielen langsam auf den Boden, das Klirren von ächzenden Glasspielen und klappernden Ketten verstummte. Die Hitze des Feuers klang ab. Als sie endlich die Hände von den Augen nehmen konnten, war das Mädchen, das die beiden Todesser dem Dunklen Lord als Trophäe bringen wollten, verschwunden.

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⏰ Letzte Aktualisierung: Mar 17, 2023 ⏰

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Die Geschichte von Catherine O'NeillGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt