Die erste Stunde bei Slughorn

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Hallo zusammen! Welchen Eindruck wird Cat wohl bei Slughorn hinterlassen? Und wie geht es zwischen ihr und Draco weiter? Das erfahrt ihr hier! Viel Spaß beim Lesen!


Ehe Cat sich versah, war der erste Schultag auch schon halb vorbei. Tatsächlich hatte es beim Abendessen am gestrigen Tag ein offensives Getuschel gegeben, doch als die Blonde den Schlafsaal erreicht hatte, war ihre Stimmung weniger gedrückt. Zwar redeten Hermine und Ginny kein Wort mit ihr, die stille Ignoranz war ihr aber zehnmal lieber als die wütenden Blicken, die Harry und Ron ihr während des gesamten Festmahls immer wieder zugeworfen hatten.

Am Morgen hatte sie ebenso wie Hermine Alte Runen besucht. Der Unterricht war noch anspruchsvoller als in den Jahren zuvor und der Berg an Hausaufgaben kündigte bereits ein anstrengendes Jahr an. Die Stunde Verteidigung bei Snape war für alle UTZ-Schüler eine große Umstellung. Durch den ständigen Lehrerwechsel und die theoriebelasteten Stunden von Umbridge im letzten Jahr hatten viele ihre Probleme, den hohen Anforderungen von Snape gerecht zu werden. Ungesagte Flüche waren dabei nur die Spitze des Eisbergs.

Am Nachmittag stand dann endlich Cats Lieblingsfach an, weshalb sie sich frühzeitig auf den Weg in die Kerker machte, wo bereits eine Gruppe Slytherins auf den Unterrichtsbeginn wartete. Neben Draco hatte auch Blaise Zaubertränke weiterhin belegt und Cat lächelte den Dunkelhäutigen erleichtert an, als er die Hand zum Gruß hob und sie zu sich winkte. „Hey Kitty, wie war die erste Nacht im feindlichen Lager?" Sein Grinsen kannte keine Grenzen und er stupste sie leicht an der Schulter an, um sie zu necken.

Die Blonde rollte mit den Augen, konnte sich ein Schmunzeln aber nicht verkneifen. Dabei ignorierte sie gekonnt Dracos Blicke, die in Sekundenschnelle zwischen Wut und Verwirrung zu wechseln schienen. „Es ist immer noch mein Haus, Blaise", antwortete sie und klang dabei etwas zu verletzlich.

Der Slytherin lächelte milde und nickte ihr zu, dann schwang sein Blick über ihre Schulter hinweg und seine Augen verengten sich zu Schlitzen, während sich seine Stirn in Falten legte. „Was machen die denn hier? Ich dachte, Potter und das Wiesel haben nicht die nötigen ZAG-Ergebnisse für diesen Kurs."

Verwirrt drehte Cat sich um und spürte augenblicklich ein angenehmes Ziehen in ihrer Magengegend, als neben Hermine auch Ron und Harry an die Gruppe herantrat, die vor dem Klassenzimmer wartete. Als das Trio die Gryffindor bei ihren Erzfeinden stehen sah, verfinsterten sich ihre Blicke und es sah aus, als würde jeden Augenblick Qualm aus ihren Ohren dringen.

„Das dachte ich auch", brummte Cat und wandte sich wieder an die Slytherins. „Offenbar geht mit Slughorn auch der Anspruch und das Niveau in diesem Fach verloren."

Ihr Freund schnaubte belustigt und senkte den Blick, damit sie nicht sah, wie er sich über ihre gehässige Aussage freute. Er wusste, dass ihr die Situation mit dem Trio im Inneren sehr zu schaffen machte, und auch, wenn es ihm für sie persönlich leid tat, konnte er eine gewisse Genugtuung nicht aus seinen Emotionen fern halten.

Kurz darauf schwang die Tür zum Lehrsaal auf und die Schüler verteilten sich an den drei runden Tischen, auf denen je ein Kessel mit einem kochenden Zaubertrank stand. Cat ließ sich bei Blaise und den anderen Slytherins nieder und war dabei sehr bedacht darauf, den Blick unter keinen Umständen mit Harry oder Ron zu kreuzen. Sie sah nicht einmal von ihren Unterlagen auf, als Slughorn die beiden anwies, sich die Utensilien aus dem Vorratsschrank zu leihen.

„Nun denn", wandte Slughorn sich wieder der Klasse zu. „Ich habe hier einige Tränke vorbereitet, die Sie sich anschauen können. Nach Ihren UTZ sollten Sie in der Lage sein, diese anzufertigen. Auch wenn Sie es bis jetzt noch nicht können, so haben Sie bestimmt schon von einigen gehört. Kann mir jemand sagen, was das hier ist?"

Cats Blick folgte der Andeutung von Slughorns Finger zu dem Kessel direkt vor ihrer Nase und lugte interessiert hinein. Eine klare Flüssigkeit blubberte darin. „Veritaserum", flüsterte sie zu sich selbst.

Der Dunkelhaarige neben ihr musterte sie kurz, war dann aber schnell wieder abgelenkt, da der Lehrer Hermine antworten ließ: „Veritaserum. Ein farbloser, geruchloser Trank, der den Trinkenden dazu zwingt, die Wahrheit zu sagen."

Anerkennend nickte der Dicke seiner Schülerin zu und lächelte hochzufrieden, dann deutete er auf einen Kessel, der bei den Ravenclaws auf dem Tisch stand. Es war eine zähflüssige, schlammartige Masse, die jedes Mal ein ekliges Ploppen von sich gab, wenn eine Blase platzte. „Vielsafttrank", nuschelte die Blonde gelangweilt.

„Es ist Vielsafttrank, Sir!", erklärte Hermine eifrig, noch ehe Slughorn die Frage zu Ende gestellt hatte.

„Ausgezeichnet, ausgezeichnet. Nun, dieser hier..." Der Professor hatte noch nicht einmal richtig auf den letzten Trank gezeigt, da schoss die Hand der Gryffindor erneut in die Luft. „Ja, meine Liebe?"

„Es ist Amortentia!"

„Vollkommen korrekt!", rief er begeistert aus. „Ich nehme an, Sie haben Ihn an seinem Perlmuttschimmer erkannt?"

„Und wegen des Dampfes, der ganz typisch in Spiralen aufsteigt", ergänzten die Brünette und ihre ehemals beste Freundin unisono, allerdings war Cat dabei so leise, dass nur Blaise neben ihr es mitbekam.

Dieser wandte ihr den Blick zu, runzelte die Stirn und lehnte sich leicht herüber, sodass er leise mit ihr reden konnte: „Wenn du doch alle Antworten kennst, wieso meldest du dich nicht?"

Ja, wieso meldete sie sich eigentlich nicht? Lag es daran, dass ihr heute die Motivation fehlte, sich am Unterricht zu beteiligen? Oder war es Slughorns Art, Menschen in Schubladen zu stecken und nur die Außergewöhnlichen zu sammeln wie Trophäen? Das war es nicht. Ohne ihren Sitznachbar anzusehen, antwortete sie mit betont gleichgültiger Stimme, obwohl sich in ihrem Magen ein unangenehmes Ziehen breit machte. „Du hast vorhin gesehen, wie Harry und Ron mich mit ihren Blicken töten wollten? Ich habe keine Lust, ihre Aufmerksamkeit noch weiter auf mich zu ziehen. Und außerdem habe ich meine Sternstunde spätestens, wenn Slughorn meinen perfekten Trank sieht."

Der Dunkelhaarige neben ihr grinste breit. „Wenn du so weiter machst, könntest du mit deinen Aussagen glatt nach Slytherin gesteckt werden."

„Angeblich riecht Amortentia für jeden von uns anders. Je nach dem, was wir anziehend finden", erklärte Hermine schließlich weiter, wobei ihr Blick träumerisch auf die Oberfläche der Flüssigkeit gerichtet war und sie wie benebelt zu sein schien.

Die Mädchen im Raum hoben nun alle interessiert den Kopf und atmeten eine Nase voll des Dampfes ein, um den einzigartigen Geruch zu identifizieren. Cat sah wie Hermine rosa anlief und ihre Beschreibung des Dufts nicht weiter ausführte. Sie wusste genau, was ihre Freundin jetzt dachte, und es brachte sie zum Schmunzeln. Es roch nach Ron.

Der Dampf wehte nun auch bis zum Tisch der Slytherins und strömte der Blonden bei jedem Atemzug in die Lunge. Der prägnante Geruch von Benzin benebelte sie und sie schloss die Augen. Sie erinnerte sich an den Ausflug zum Circuit de Monaco, dem berühmten Stadtrundkurs der Formel 1. Ihr Vater hatte sie vor ein paar Jahren dorthin mitgenommen, wo sie unmittelbar an der Rennstrecke saßen. Der Gestank von Abgasen, Benzin und abgeriebenen Reifen hatte in der Luft gelegen, doch das kleine Mädchen war so voll Adrenalin gepumpt gewesen, dass es sie nicht im Mindesten gestört hatte, vielmehr war sie voller Begeisterung und verband die Gerüche seither mit dieser positiven Erinnerung. Jetzt, da sie die Augen geschlossen hielt, konnte sie beinahe die Motorengeräusche vernehmen.

Doch zwischen diesen Düften lag noch etwas anderes, sehr dezent und kaum aufdringlich, aber es war da. Cat bemühte sich, die anderen Aromen auszublenden und sich zu konzentrieren. Sie kannte diesen Geruch, er war vertraut, fast schon beängstigend beruhigend. Dann fiel es ihr wie Schuppen von den Augen. Es war der Geruch von Besenreiniger, der Geruch, der Draco beinahe dauerhaft anhaftete, weil er seinen Besen pflegte wie andere ein Haustier.

Unauffällig blickte sie an Blaise vorbei zu ihrem Freund und musste feststellen, dass auch er zu ihr herüber lugte. Automatisch wusste sie, dass auch er einen bekannten Duft ausmachen konnte – den angenehmen Geruch eines Lagerfeuers an einem warmen Sommerabend, der von Cat ausging. Bei dem Gedanken, dass er offenbar noch immer an ihr hing und sie liebte, machte ihr Herz einen Hüpfer und sie lächelte Draco zum ersten Mal in diesem Schuljahr an.

Der Blonde erwiderte das Lächeln sehr verhalten, es war nur für den Bruchteil einer Sekunde zu sehen und doch war es da. Er spürte regelrecht wie die Endorphine in seinem Körper ausgeschüttet wurden und die Temperatur in seiner Magengegend auf ein angenehmes Niveau stieg. Sein Mund war plötzlich ganz trocken und er verspürte den Drang, sich über den Tisch zu Cat herüber zu beugen und sie zu küssen, an sich zu drücken und nie wieder loszulassen.

Macmillans Stimme riss die Verliebten wieder aus ihren Gedanken. „Sir, Sie haben uns noch nicht gesagt, was in dem dort drin ist."

Der Trank in dem schwarzen Kessel, auf dem der Hufflepuff zeigte, sah aus wie geschmolzenes Gold, in dem immer wieder große Tropfen herum hüpften und dabei scheinbar dank glücklicher Fügungen noch nicht ein bisschen verschüttet worden war.

„Oho!" Slughorns stolzer Tonfall machte deutlich, dass er den Kessel keineswegs vergessen hatte, sondern vielmehr auf den dramatischen Moment gewartet hatte. „Nun, dieser hier ist etwas ganz Besonderes. Felix Felicis, besser bekannt als flüssiges Glück. Ein furchtbar eigentümlicher und komplizierter Trank. Doch wenn er gelingt, werden Sie feststellen, dass all ihre Unternehmungen scheinbar auf magische Weise zu gelingen scheinen."

„Haben Sie ihn jemals genommen, Sir?", fragte einer der Ravenclaws, woraufhin Cat mit den Augen rollte und den Kopf mit den Armen auf den Tisch aufstützte. Das war doch genau die Frage, auf die der Dicke gewartet hatte, und natürlich begann er sofort in Erinnerungen zu schwelgen, wobei er wie ein schlechter Schauspieler wirkte, der seine Rolle einfach zu übereifrig verkörpern wollte.

Die Geschichte von Catherine O'NeillGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt