Dracos persönliches Gefängnis

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Hallo zusammen! Heute begrüße ich euch mal zu einem etwas anderen Kapitel. Ich wollte einmal beschreiben, wie es Draco in diesen Ferien so geht. Vor allem wie er mit der Trennung klar kommt. Ich hoffe, es gefällt euch und ich würde mich über eine Rückmeldung freuen.  :) Liebe Grüße und viel Spaß beim Lesen!


Es war still im Malfoy Manor, zumindest die meiste Zeit über. Seit Lucius in Askaban saß fehlte das männliche Oberhaupt in den großen, leeren Hallen des Anwesens. Allerdings bemühte Bellatrix sich sehr, diese Lücke zu füllen. Ständig kommandierte sie ihre Schwester herum und auch Draco bekam oft ihre Launen ab, weshalb er sich zunehmend in sein Zimmer verzog und nur zu den Mahlzeiten dazu stieß.

Und natürlich kam er auch zu den Treffen der Todesser, die nun regelmäßiger denn je im Manor stattfanden. Er wurde belächelt, anders konnte man es nicht nennen. Die anderen Todesser nahmen ihn nicht ernst, hielten es für eine Farce, dass er überhaupt in ihren Reihen sitzen durfte. Waren argwöhnisch, was den dunklen Lord dazu bewogen hatte, dem Minderjährigen eine Aufgabe zu übertragen.

Draco wusste genau, welchen Grund seine Berufung hatte: das Versagen seines Vaters. Es war eine Strafe für die Familie Malfoy. Ihm eine Aufgabe zu geben, die er nicht erledigen konnte, weil sie schlichtweg nicht zu schaffen war, bereitete dem Mann, der so viele Bewunderer in den reinblütigen Familien hatte, eine sadistische Art von Freude. Und der Blonde hasste seinen Vater dafür, dass er ihm diese Bürde auferlegt hatte. Doch er würde es ihm zeigen, er würde es ihnen allen zeigen!

Draco saß an dem kleinen, mit Büchern übersäten Schreibtisch in der Bibliothek des Manors. Es war noch gut eine Woche Zeit, um jedes Buch, jeden Zeitungsartikel und jede Rolle Pergament zu durchstöbern, um etwas Brauchbares über Verschwindekabinetts und deren Reparatur herauszufinden. Die Idee war brillant. Sie war ihm gekommen, als er einen Brief von Montague erhalten hatte. Der Inhalt des Briefes war ihm bereits wieder entfallen, doch geblieben war die Erinnerung an die Erzählungen des Slytherins von seinem Aufenthalt im Verschwindekabinett in Hogwarts. Die Tatsache, dass er Stimmen gehört hatte, ließen darauf schließen, dass es ein Pendant geben musste und dass man mit diesem den Apparierschutz um Hogwarts umgehen konnte. Doch offenbar schien die Verbindung nicht mehr intakt zu sein, sonst hätte Montague einfach am anderen Ende hinaustreten können.

Zum Glück hatte er schnell herausgefunden, dass das Gegenstück bei Borgin & Burke's stand und da bot sich ein Abstecher geradezu an, wenn er ohnehin mit seiner Mutter für das neue Schuljahr in der Winkelgasse einkaufen musste. Doch es stellte sich als schwieriger heraus, als er es sich vorgestellt hatte. Seine Mutter, die ihm seit seiner Ernennung zum Todesser kaum von der Seite gewichen war, weigerte sich auch, ihn zu diesem zwielichtigen Antiquitätenhändler gehen zu lassen. Immer wieder erinnerte sie ihn daran, dass er nur ein Kind war, nicht einmal mit der Schule fertig, geschweige denn volljährig. Dem Blonden kam es schon bald so vor, als würde sie ihn noch viel mehr bemuttern, als sie es in seinen ersten Jahren getan hatte.

Bei seinem Besuch in der Winkelgasse am gestrigen Nachmittag hatte Draco es tatsächlich geschafft, sich den Fängen seiner Mutter unauffällig zu entziehen. Die Greengrass-Familie hatte ebenfalls ihre Einkäufe erledigt und in einem unaufmerksamen Moment seitens Narzissa war der Blonde hinter den Regalen bei Flourish und Blotts verschwunden und hatte keine Minute später den Laden verlassen können. Er hatte gewusst, dass er sich sputen musste und war deshalb recht zügig in die Nokturngasse gegangen. Im Grunde war alles nach Plan gelaufen. Doch er war nicht so recht bei der Sache gewesen, als Borgin ihn über das Verschwindekabinett aufgeklärt hatte. Er war unkonzentriert und nervös, seine Nerven waren gespannt wie Drahtseile und ein sonderbares Kribbeln in seinem Nacken gab ihm dauerhaft das Gefühl, dass er beobachtet wurde.

Seit er das goldene Trio bei Madame Malkin getroffen hatte, wurden seine Wahrnehmungen und Eindrücke überlagert von den Gedanken an seine Freundin. Die Tatsache, dass Cat gemeinsam mit ihren Freunden in der Winkelgasse gewesen sein musste, war gerade zu unumgänglich und Draco wusste nicht, wie er reagiert hätte, wenn er sie gesehen hätte. Natürlich wusste er, dass dieser Moment unausweichlich war, denn spätestens in Hogwarts wäre er wieder in greifbarer Nähe für sie, doch so unvorbereitet auf die Gryffindor zu treffen, hätte ihn restlos überfordert.

Draco legte das Pergament, das er gerade noch lieblos überflogen hatte, beiseite und lehnte sich in dem knirschenden Stuhl in der hauseigenen Bibliothek zurück. Das dunkle Mal auf seinem linken Arm brannte noch immer wie Feuer und er spürte, wie die Kraft in dieser Körperhälfte stark nachgelassen hatte und seine Hand seit ein paar Tagen nicht aufgehört hatte zu zittern. Snape hatte ihm gesagt, dass es mit der Zeit erträglicher werden würde, doch er würde mit dem Schmerz leben müssen. Spätestens, wenn der dunkle Lord ihn rief, würde es sich wieder wie frisch eingebrannt anfühlen.

Draco hatte die Ärmel seines weißen Hemdes hochgekrempelt und starrte nun auf das widerliche Symbol eines Totenkopfes mit einer Schlange. Es war sehr warm in diesem Sommer und der Blonde genoss die kühle Brise, die durch das geöffnete Fenster hineinströmte. Er wusste, er würde dieses Gefühl nicht mehr lange verspüren können. Wenn er zurück in Hogwarts war, würde seine oberste Priorität das Verstecken des Mals sein. Würde jemand davon erfahren, könnte er sich ebenso gut gleich den Auroren ausliefern. Doch die unangenehme Wärme der langärmligen Hemden würde er ertragen können. Er wusste allerdings nicht, wie er es mit Cat aushalten sollte.

Er wusste, dass jegliche körperliche Handlung nicht mehr möglich war, denn sie würde das Mal sofort entdecken. Im Grunde kümmerte ihn das aber nicht im Geringsten. Was ihm zu schaffen machte, war die Tatsache, dass er sie anlügen musste und das hatte sie nicht verdient. Sie war in jeder Art und Weise besser als er, sie war gut und er war es nicht. Diese Gegensätze, die unterschiedlichen Seiten, auf denen sie standen, trennten sie nun nur noch mehr, als sie es zuvor schon getan hatten. Doch Draco wollte dabei nicht mitmachen, auch wenn er sich dessen sehr bewusst war. Er liebte sie. Bedingungslos. Und hieß das nicht auch, dass man zueinander stand, selbst, wenn alles ausweglos erschien? Gab es eine Grenze für die Liebe? Nicht für ihn. Er würde darum kämpfen, dessen war er sich sicher. Aber was würde Cat sagen? Wie weit würde sie gehen?

Seit der Nacht, in der sein Vater nach Askaban gekommen war, hatte Draco sie nicht mehr gesehen oder etwas von ihr gehört. Sie hatte ihm nicht geschrieben, nicht versucht, Kontakt zu ihm aufzunehmen. Und auch, wenn er wusste, dass sie es nur deshalb nicht getan hatte, weil er sie darum gebeten hatte, versetzte der Gedanke daran ihm einen Stich ins Herz. In all den Wochen hatte er sich schon oft ausgemalt, wie gut es ihr gehen musste. Dass sie zuhause bei ihren Eltern war, ein paar schöne Wochen am Strand verbrachte und dann vielleicht zu den Weasleys in den Fuchsbau gegangen war, um ihre Freunde zu besuchen. Draco wusste, dass sie dort in Potters unmittelbarer Nähe war – zu nah, wenn man ihn fragte. Die beiden verstanden sich beinahe schon ohne Worte, es schien dem Blonden, als wäre für Cat mit dem Gryffindor alles so leicht wie fliegen. Dagegen war es mit ihm wie ein Tanz auf heißen Kohlen – sie konnte nie wissen, wann sie sich verbrennen würde.

Tränen stiegen dem Slytherin in die Augen und er versuchte sie weg zu blinzeln, was allerdings nur dazu führte, dass sie hemmungslos über seine Wangen flossen. Ein unkontrollierter Schluchzer entfuhr seiner Kehle und sofort ärgerte er sich über seine Schwäche. Schon oft hatte er in diesen Ferien an eine Trennung gedacht und sich gewünscht, dass sie mit Potter etwas Besseres bekommen würde. Doch er war egoistisch. Er wollte sie für sich allein. Mehr als das. Er brauchte sie. Wie ein Süchtiger seine Droge. Sie war sein Ruhepunkt, sein Halt, wenn alles den Bach herunter ging. Er konnte sie nicht verlieren. Er durfte es nicht.

Wut mischte sich in seine Verzweiflung und Ratlosigkeit. Er wusste nicht einmal, auf wen er so sauer war. Auf sich selbst, weil er ihr das Glück mit dem ‚Auserwählten' nicht gönnte? Auf seinen Vater, weil er ihn in diese Lage gebracht hatte? Vielleicht sogar auf Cat, weil sie nicht an seiner Seite war? Was es auch war, es übermannte ihn und er hatte das Gefühl, jeden Moment zu platzen, wenn er nicht etwas unternahm. Immer wieder lief er vor seinem Schreibtisch in der Bibliothek hin und her, zerrte sich dabei an den Haaren, fluchte vor sich hin, während die Tränen ihm wie Regentropfen aus den Augen quollen.

Plötzlich drehte er sich ruckartig zu seinen Unterlagen herum, knallte die Hände auf die Papiere und räumte sie mit einer wischenden Handbewegung vom Tisch, sodass sie raschelnd und klatschend zu Boden fielen. Das Pergament knickte, Bücher schlugen willkürlich auf und Staubwolken stiegen daraus empor. Dann verließ ihn plötzlich all seine Kraft, er ließ sich auf den Stuhl fallen und bettete sein Gesicht in den Händen.

Doch der Blonde schreckte schnell wieder auf, als es an die Tür der Bibliothek klopfte. Eilig wischte er sich die Tränen aus den Augen und setzte sich gerade hin. „Nicht jetzt! Ich bin beschäftigt!", rief er harsch, doch seine Stimme klang zu rau und wimmernd, als dass jemand davon eingeschüchtert wäre.

„Draco, Schatz, ist alles in Ordnung?", drang die Stimme seiner Mutter gedämpft durch die Tür.

„Ja, Mutter, alles bestens!", log er. „Ich bereite mich nur auf meine Aufgabe vor!"

Die Tür schwang auf, als hätte Narzissa nicht gehört, was ihr Sohn gesagt hatte, und sie sah sich kurz im Raum um, ehe ihr Blick auf den Blonden fiel. Es war unordentlich, geradezu chaotisch. Sie wusste, dass ihr Sohn nach Informationen für die Aufgabe des dunklen Lords suchte, doch so wie es hier aussah, würde er ohnehin nichts finden. Dracos Augen waren erkennbar gerötet, an seinen Wangen reflektierte das Licht in einer feuchten Linie und automatisch wusste die Mutter, dass er geweint hatte. Sie kniete sich vor dem Stuhl hin, sodass sie mit ihm auf Augenhöhe war. „Draco, was ist los?"

„Ich habe doch gesagt, es ist alles gut!", presste er hervor und bemühte sich dabei, seine Stimme unter Kontrolle zu behalten.

Die Geschichte von Catherine O'NeillGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt