Blaue Augen...

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Es regnete, typisch, das passte genau zu meiner Stimmung. Ich saß wie jeden Tag hier im Büro und erledigte meine Arbeit, Tag ein, Tag aus. Das einzige Highlight, war, mich in den Pausen mit meiner Freundin Melanie zu treffen und über das alltägliche Leben zu quatschen. Meist ging es um unser vollkommen langweiliges Dasein, was wir noch alles erleben wollten, was wir verpasst hatten und vor allem, was uns im Moment so richtig ankotzte. Und das war nicht wenig! Manchmal hatte ich das Gefühl irgendwo stecken geblieben zu sein, nicht weiter zu kommen und keine Luft mehr zu kriegen. Na ja, was sollte es, es war eben wieder einer dieser Tage, an denen ich meine Sachen hätte packen wollen um in ein anderes Leben zu springen. Es wäre zu schön um wahr zu sein, wenn es so etwas in Wirklichkeit gäbe! 12Uhr Mittagspause. Gott sei dank, endlich konnte ich weg aus diesem alltäglichen Trott und ein bisschen frische Luft schnappen. Ich griff mir meine Jacke und ging schnell aus diesem Alltagsmuff heraus. Nur weg aus dieser Realität, raus aus diesem Büro! Weit weg von den nervigen Zicken, die den ganzen Tag nichts besseres zu tun hatten ,als sich mit Ihrem Aussehen und Ihrer Intelligenz zu überbieten. Weg von diesen Alleskönnern und Besserwissern. Es war manchmal nicht mehr auszuhalten! Unten vor der Tür ging es mir schon etwas besser, eine frische kühle Brise, die mir um die Ohren wehte, lies mich wieder zu Sinnen kommen. Die Luft tat mir gut und ich atmete tief ein. Ich sah auf die Uhr und machte mich auf den Weg in die Stadt, wo meine Freundin Melanie schon auf mich wartete, um mir ihre täglich spannenden Geschichten von, Mr. King, Ihrem Chef, zu erzählen. Er hielt sich für den Nabel der Welt und meinte er wäre etwas besonderes. Dies schien ein Bürosyndrom zu sein, es erwischte wohl früher oder später Jeden. Hoffentlich blieben wir von dieser Krankheit verschont! Kopfschüttelnd ging ich zur Haltestelle, und freute mich überhaupt nicht , in diese überfüllten und stinkigen Busse zu steigen. Die Fahrt war wie immer, sehr eng und so gar nicht nach meinem Geschmack. Ich hasste diese überfüllten Fahrgelegenheiten, jedes mal überkam mich eine Panik, deshalb stieg ich eine Haltestelle früher aus. Beim Aussteigen quetschten sich natürlich alle gleichzeitig aus der Tür und ich konnte es nicht verstehen, warum keiner der jungen Frau mit dem Kinderwagen beim Einsteigen helfen wollte, alltäglicher Großstadtterror. Es war eine Frechheit, wie die arme Frau sich abquälen musste, sie bekam den Wagen mit dem schreiendem Kind kaum hoch. Ich nahm mir ein Herz und gerade als ich beschlossen hatte ihr zu helfen, hörte ich eine Stimme die ihr anbot, den Wagen in den Bus zu heben. Was in diesem Moment mit mir passierte, war unbeschreiblich. Alles um mich herum stand plötzlich still. Der Verkehr wurde ruhiger, der Straßenlärm nahm ab, die Menschen um mich bewegten sich in Zeitlupe und ich konnte nur noch in diese Augen sehen. Blau! Alles schien sich vor mir zu verlangsamen, inklusive meinem Verstand. Ich starrte ihn an, diesen Mann, diese Augen, es war unheimlich, aber doch zugleich faszinierend. Er war faszinierend! Was passierte hier? So etwas konnte es nicht geben, so einen Menschen gab es nicht. Seine Aura strahlte mich heller an als die Sonne. Irritiert schloss ich kurz die Augen und stolperte. Der Schreck lies mich wieder zum Leben erwachen und ich wendete mich perplex von ihm ab. Oh mein Gott, was war das eben? Was war mit mir passiert, war ich jetzt total verrückt? Schließlich waren wir in der Realität und nicht in irgend einem Hollywoodfilm! Nein, dass konnte es nicht geben, sagte mir mein gesunder Menschenverstand. Neugierig, ob mir meine Fantasie einen Streich gespielt hatte, drehte mich nochmal um und da stand er, ein Typ im Anzug! Er war groß, muskulös, breite Schultern, gelockte dunkelbraune Haare. Er war so gar nicht mein Typ! Oder doch? Es war unheimlich, aber ich konnte meinen Blick einfach nicht von diesem Mann nehmen. Er faszinierte mich. Peinlich berührt sah ich zu Boden und wurde verlegen. Mist, er hatte es bemerkt. Er lächelte mich an. Oh nein, ich bekam keine Luft, und mir wurde schwindelig. Scheiße war der perfekt! Von oben bis unten stimmte aber auch alles, jedes kleinste Detail, war nicht nur einen Blick wert. Ich musste dringend hier weg, das ging ja nun gar nicht. Schließlich war ich kein Teenager mehr und sah auch nicht dem entsprechend aus. Was sollte so ein sexy Mann, mit einer Frau wie mir? Ich war eben nur die personifizierte Realität in Person! Klein, kurvig und sehr weiblich. Mein Selbstbewusstsein sagte mir, dass er unmöglich an mir interessiert sein könnte. Das sein Blick mir galt. Ein Gefühl des Unwohlseins schlich in mir hoch und mir wurde bewusst das ich mich eindeutig geirrt haben musste. Bestimmt hatte er die gut aussehende, große Brünette, mit der Perfekten Figur angelächelt, die neben mir stand. Verstohlen blickte ich nochmals in seine Richtung, er sah auf seine Uhr und dann wieder zu mir . Ein leichtes Kopfschütteln und ein umwerfendes Lächeln, dass sich um seine Mundwinkel zog, ließen meine Beine zu Wackelpuddig werden. Was hatte diese Frau neben mir nur für ein Glück, schoss es mir wie ein Blitz in meinen Geist. Ich blickte wehmütig zur Seite, aber sie war verschwunden. Wie jetzt? Irritiert von meiner Unsicherheit und meinen Gedanken, sah ich wie dieser Traum von Mann, kopfschüttelnd und grienend in den Bus stieg. Er zwinkerte mir zu und fuhr dann weg. Mir sackten die Mundwinkel runter und ich schaute ihm mit einem äußerst dummen Gesichtsausdruck hinterher. Wie in einem schlechten Kitschroman höre ich plötzlich eine Stimme, die mich aus diesem peinlichen, aber auch faszinierenden Moment riss...Melanie...!

parallel Lost&Found! Band1 Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt