#96 Ich will aber da lang

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Felix kann nicht schlafen. Er kann einfach nicht schlafen. Nicht, weil er besonders aufgeregt ist. Es geht einfach nicht. Eigentlich benötigt er viel Energie für den Tag- morgens Tommi abholen, mit ihm Sport machen, Sex haben, vielleicht etwas unternehmen.
Frühstücken wird er nicht, da er so viel Zeit wie möglich noch mit schlafen verbringen will. Oder es zumindest versuchen.

Geschafft hat der Berliner am Ende vier Stunden. Besser als nichts. Zum Glück ist der Stadtverkehr noch nicht so stark, dass er sich großartig konzentrieren muss. Leicht genervt sucht er sich einen geeigneten Parkplatz und macht sich dann auf den Weg zu Gleis elf. Planmäßig trifft der Zug in sieben Minuten ein. Felix schaut sich um, sein Blick schweift durch die riesigen Glaswände nach draußen. Der Himmel ist bedeckt.
Überall sind Menschen, es riecht nach Abgasen, Döner und Kaffee. Eigentlich wäre es die perfekte Gelegenheit für ein schwarzes Heißgetränk. Felix beißt sich auf die Lippe, schaut nach unten auf sein Handy. Sein Freund hat nicht geschrieben. Also entscheidet er sich dazu, auf einer der leeren Bänke Platz zu nehmen und mit dem Bein zu wackeln, sich permanent umzusehen und die Sekunden zu zählen.

384 sind es, bis der übertrieben lange Zug in den Bahnhof einfährt, die Türen sich öffnen und sich seine Augen auf die Suche nach seinem Freund machen. Dieser ist kaum zu übersehen, denn Tommi strahlt. Zumindest für Felix. Sie grinsen breit als sie sich sehen und umarmen sich dann. Der Berliner bemerkt, dass der Größere gerade gerne mehr hätte als solch eine Begrüßung.
"Zu Hause." flüstert er und streicht Tommi kurz über den Rücken. Er nickt und deutet klar an, dass er es ziemlich eilig hat, zu Felix in die Wohnung zu kommen.
Auch auf der Heimfahrt ist er dementsprechend müde, hat aber etwas mehr Lebensmotivation. So wie immer, wenn sein Freund neben ihm sitzt. Ohne ihn lacht er nämlich weniger.

"So. Tür zu. Endlich nur wir zwei." sagt Tommi, lässt seine Tasche auf den Boden und sich in Felix' Arme fallen und schließt die Augen.
"Du riechst so gut. Das hab' ich vermisst." fügt er gegen das frisch gewaschene T-Shirt hinzu und schlingt die Arme um seinen Freund.
Das Wort "Herrlich." verlässt unironisch seinen Mund und er saugt mit einem tiefen Atemzug den Duft seines Gegenübers ein.
Felix schließt ebenfalls die Augen und atmet, hält ihn fest.

Nach mehreren Minuten lösen sie sich, da es Tommi in seiner Jacke langsam warm wird.
Als er diese auszieht, kann Felix nicht aufhören, sich irgendwie mit ihm zu beschäftigen.
"Wie gehts dir, mein kleiner Gladiator?"
"Gut. Ich freu' mich sehr, wieder hier zu sein."
"Ich mich auch. Also, dass du wieder da bist."
Felix gähnt, sie müssen lachen. Tommi gibt ihm einen Kuss auf den halboffenen Mund. Das tut gut.

Weiterhin zieht sich der Kölner die Schuhe aus. Felix beobachtet ihn und erkennt durch die Socke Tommis Adern.
"Da is aber jemand ready." sagt er grinsend und streckt sich. Sein enges weißes T-Shirt rutscht hoch, seine Rippen werden sichtbar.
"Ready wofür?" will Tommi wissen und verzieht die Mundwinkel ebenfalls zweideutig.
"Na, für Sport natürlich. Ein klassisches Home-Workout." antwortet Felix und streckt die Arme nach vorne, verschränkt die nach hinten zeigenden Hände und lässt seine Knöchel knacken.
"Oder was hast du gedacht?"
"Hm, weiß ja nicht, was man denkt, wenn man seinen Freund seit zu langer Zeit wiedersieht und einem wieder einmal klar wird, wie unglaublich sexy der ist." kontert Tommi spitzzüngig und streckt die Zunge leicht heraus.

"Na gut. Akzeptiert. Vielleicht später." schiebt Felix heraus, obwohl er mindestens genauso horny ist. Sie wissen beide genau, dass sie heute noch Sex haben werden.
"Dann, schnapp dir mal deine Sachen und wir gehen schonmal in den Keller." sagt er und setzt einen Pedo-Blick auf.
"Je schneller wir damit fertig sind, können wir zum noch schöneren Teil übergehen."
"Das aber bitte wieder hier oben. Ich will nicht in einem versifften Keller Sex haben, wenn wir eine wunderbare Dachwohnung zur Verfügung haben."
"Hallo?! Vielleicht gefällt es dir da unten ja sogar."
Skeptisch zieht Tommi die Augenbrauen nach oben. Immerhin ist es ein Keller.

Tommi war noch nie hier unten. Dementsprechend desorientiert ist er, als sie die vielen Treppenstufen nach unten gegangen sind, die Haustür passiert haben und im Untergeschoss stehen. Nach der letzten Treppenstufe offenbart der Raum ihm zwei Wege: eine schwere Tür nach links und eine nach rechts. Intuitiv steuert er auf die rechte zu, bevor er von Felix zurückgehalten wird. "Stopp, da geht's hinten wieder raus."
"Ich will aber da lang." erwidert Tommi schmollend, um seine Ungeschicktheit zu überspielen.

"So, ich würde sagen, wir machen einen ganz normalen Oberkörper-Zyklus." schlägt Felix vor, als sie im komplett ausgebauten und eingerichteten Homegym stehen. Dabei versucht er zu ignorieren, wie unglaublich gut sein Freund in Sportklamotten aussieht: Die kurze Hose fällt ab seiner dünnen Hüfte sehr gleichmäßig und hat eine perfekte Länge. Das T-Shirt füllt gerade so seinen Oberkörper aus, wobei die Ärmel die Oberarmmuskulatur betonen. An der Brust ist es eher eng geschnitten, sodass seine Brustmuskeln angedeutet werden. Tommis sichtbare Nippel kann Felix dabei nicht ausblenden.
Denn er starrt. Ziemlich eindeutig.
"Was suchst'n du jetzt in der Tiefe meines Oberkörpers?" fragt Tommi verlegen lachend.
"Deine Schönheit." meint Felix milde lächelnd und löst seinen Blick, schaut auf und läuft die wenigen Schritte zur Hantelbank.
"Ich fange an, okay?" fragt der Berliner, während er noch sein Handy mit der Lautsprecherbox verbindet und seine Playlist startet, die viel Kobosil und Screaming-Musik enthält.

"Ein paar Kniebeuge zur Aufwärmung?" schlägt er vor, nachdem er sein Handy abgelegt hat und innerlich die Erfindung des Bluetooth lobt.
Tommi nickt und sie fangen gemeinsam an.
Danach wiederholen sich Sätze von Kreuzheben und Schulterübungen mit der Langhantel. Zwischendurch macht Felix aus Spaß ein paar Liegestütze. [Ich verweise an dieser Stelle auf ShutdownFitness mit Felix Lobrecht]

Bei Tommis erstem Satz Kreuzheben knickt er absichtlich den Kopf nach oben, um seinen Freund ansehen zu können, der voller Energie durch den Raum läuft und ausholende Bewegungen mit den Armen macht. Auch so ist seine Haltung eher ungünstig.
"Warte mal, Schatz." unterbricht der Kölner und befiehlt ihm, die Hantel langsam abzusetzen. "Du stehst falsch. Erstens: Kopf bildet Verlängerung der Wirbelsäule. Du schaust also eher Richtung Boden einige Zentimeter vor dir. Und das Zweite" setzt er an und stellt sich hinter Tommi "das Zweite ist deine Hüfte. Die gefällt mir nicht. Also nicht so."
Ohne Zögern packt er ihm an das Becken und richtet es auf. Eher aus Spaß. Tommi lässt seinen Kopf gegen Felix' Schulter fallen. Sie grinsen.
"Ich hab' mich mal dazu erbarmt, das zu korrigieren." sagt er und unterschlägt ihm einen Kuss, indem er sich löst.

Weiterhin beobachtet er seinen Freund akribisch. Nach seinem nächsten Satz kommt er wahllos auf die Idee, sein Oberteil auszuziehen, da seine Muskeln nun gut warm sind. Was das mit Tommi und dem Platz in seiner Hose macht, weiß er genau.

Als dieser auch mit seiner Runde fertig ist, kann er eine Ralf-Möller-Imitation nicht mehr unterdrücken.
Felix lacht beherzt und hält sich den Bauch, seine Kicherstimme rutscht hoch. Sein ganzes Gesicht lacht mit.
"Die Leute sehen nur dein Gesicht, wenn du lachst und finden es heiß. Was soll ich sagen? Ich sehe sogar dein angespanntes Sixpack dabei."
"Tja, das tut mir jetzt nur minder leid." antwortet Felix belustigt und zeigt mit dem Kopf Richtung Hantelbank.
"Ein Mal noch, dann können wir meinetwegen hochgehen."
Tommi nickt. Er freut sich auf das, was danach kommt.

Platzierte, verkopfte, elegalante Gemischtes Hack StoryWo Geschichten leben. Entdecke jetzt