Perspektive Thomas "Tommi" Schmitt
Vor vier Jahren habe ich mir eine digitale Uhr mit leuchtenden roten Zahlen gekauft.
Seitdem steht sie auf der Anrichte neben dem Fernseher und dient mir eigentlich kaum.
Nur jetzt schreien mir ihre Ziffern die Zeit ins Gesicht.
16:33 Uhr
Zum ersten Mal nehme ich sie so richtig wahr, kann ihrem Anblick jedoch nichts positives entnehmen.
Sie wirkt aggressiv auf mich, belehrend, als wolle sie mich dazu zwingen, endlich aus meinem Loch zu klettern und weiterzumachen. Doch es geht nicht.
Ich sitze allein in meiner Wohnung in Köln auf dem Boden und schaue mich um.
16:35 Uhr
Eigentlich war ich gerade dabei, zu putzen- der Eimer mit dem Wasser steht noch wenige Meter neben mir, der gelbe Lappen hängt über dem Rand.
Irgendwie fühle ich mich wie er- alt, verschmutzt, unansehnlich, von der Zeit geprägt und vor Allem der Bedrohung ausgesetzt, jeden Moment abzurutschen und von der Kante zu fallen.
16:37 Uhr
Auch der Staubsauger steht noch untätig im Raum, die Komposition seiner beinahe exzentrisch anmutenden Teile gibt kein schönes Bild ab und sorgt nicht für meine Aufheiterung.
16:40 Uhr
Ich weiß den Tag genau. Es war der 4. 3.
Seit dem 4. 3. hatten wir keinen Kontakt mehr.
Wenige Tage vorher hatten wir Sex, jetzt so gar nichts aus dem anderen Leben mitzubekommen ist durchaus befremdlich.
Ich fühlte mich geborgen, aufgehoben, zu Hause. Angekommen.
16:43 Uhr
Endlich angekommen, nach all den Jahren der umherirrenden Suche, bei dem Menschen, der mir bedingungslos alles gibt, was ich brauche.
Wir haben nicht geschrieben, nicht telefoniert, nicht einmal einen schlechten Witz auf Kosten des anderen gemacht und in der Story erwähnt.
Irgendwie fehlt er mir ja doch.
16:47 Uhr
Der Gefühle, die mich fast explosionsartig ereilen, bin ich mir gänzlich unklar.
Die Gedanken, die sich auf einmal in meinem Kopf einnisten, kann ich nicht einordnen.
Die Gründe für all dies kann ich bei Weitem nicht finden.
Es ist deprimierend. Belastend. Ich kann nichts tun.
Mich nicht bewegen. Obwohl ich so gern würde.
Ich würde mich aufraffen wollen, meine Wohnung weiterputzen, weil sie es bitter nötig hat. Weil ich es bitter nötig habe.
16:53 Uhr
Sieht mich Felix anders als noch Anfang Dezember?
Hat sich unser Verhältnis geändert?
Durch das, was zwischen uns passiert ist? Diese vielfältigen Dinge, in so vielen Facetten, die so starken Einfluss auf uns und das zwischen uns hatten.
Sieht er mich mit anderen Augen?
Ich kann es nicht einschätzen.
Nicht einmal meine Situation kann ich beurteilen.
16:57 Uhr
Scheiße.
Mein Handy vibriert.
Wir wollten doch eine neue Folge aufnehmen.
In drei Minuten.
"Ich ess noch schnell was, dann können wir aufnehmen. Kannst mich schonmal anrufen wenn du soweit bist" lese ich auf meinem Handybildschirm.
Fuck.
Hektisch springe ich auf, stolpere dabei fast über den Eimer und den Staubsauger und laufe in den Flur, um mein Aufnahmeequipment zu holen.
Auf meinem Weg zurück ins Wohnzimmer nehme ich mir vor, mich auf die Couch und nicht wieder auf den Boden zu setzen.
Ich muss da raus.
Gleichzeitig klappe ich den Monitor meines MacBooks auf. Mein verheultes Antlitz mit den zerstrubbelten Haaren spiegelt sich in seiner tiefen Schwärze.
Prompt drücke ich die Anschalttaste und das weiße Apple-Logo schleicht sich zentral in meinen grauenhaften Anblick, reicht in seiner geringen Größe aber nicht aus, um es zu überdecken.
Wie soll ich Felix so unter die Augen treten?
Ich zögere einige Sekunden, da kommt er mir mit dem Anruf zuvor.
Ich nehme an. Und er isst tatsächlich.
"Hi." murmelt er, kauend, aufgeschlossen.
Ich lächle, nicke nur als Begrüßung.
Bezweifle jedoch, dass er mir das abkauft.
"Hast du schon was gegessen? Du siehst so abgemagert aus." witzelt er, wahrscheinlich eine Übertreibung seinerseits.
In Realität aber gar nicht so überspitzt.
Die Antwork auf seine Frage denke ich mir nur.
Heute nichts.
Gestern nicht.
Vorgestern nur ein Scheibe Brot.
"Komm, dann besaufen wir uns wenigstens. Haste was da? Ich bin jetzt der Cola-Typ." lacht er und ich finde es erstaunlich, wie gut er schon darüber hinweg zu sein scheint.
"Wir bringen uns auf 'nen guten Pegel und machen 'ne super Folge. Wie bei Hamburg Live."
Er grinst und wir haben wohl beide das gleiche Bild von dem Abend im Kopf. Nur, dass es ihn in diesem Moment wahrscheinlich mehr bespaßt als mich.
6:49 Uhr
Die wache Nacht auf dem Sofa hat mich zu einem Entschluss gebracht. Ohne technische Geräte und künstlichem Licht- Fernsehbildschirm schwarz, MacBook zugeklappt, Handy ausgeschaltet, nur der Mond hat zur Erhellung meines Geistes beigetragen.
Dafür war mein Kopf umso wacher und aktiver.
Und um meiner Entscheidung Ausdruck zu verleihen, muss ich zwei Menschen schreiben.
"Wir müssen reden."
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Platzierte, verkopfte, elegalante Gemischtes Hack Story
De TodoKreativerer Titel kommt vielleicht noch,aber so wisst ihr wenigstens, worum es geht. Für die Tzex-Ferkel: Kapitel 18: Felix top, Sicht Felix Kapitel 57: Felix top, Sicht Tommi Kapitel 69: Tommi top, Sicht Tommi Kapitel 100: Tommi top, Sicht Felix Ka...
