#26

1.3K 36 2
                                        

Perspektive Felix Manuel Lobrecht

"Ja, ich dich auch, Schatz. Ciao.".
Tommi senkt mit einem niedlichen Lächeln auf den Lippen das Handy und hängt mit seinem Blick dem Display nach. Während des Telefonats ist er aufgestanden und im Wohnzimmer rumgelaufen; jetzt steht er vor mir.
"Ich bin stolz auf dich." sage ich ehrlich und fühle mich nun in der Verpflichtung- so komisch es klingt- ihm meine versprochene Belohnung zugutekommen zu lassen. Also stehe ich auf, stelle mich ihm gegenüber und betrachte seinen dunkelblonden Wuschelkopf.
Vorsichtig nehme ich seine linke Hand, in der er das Handy hält und drücke sie nach unten, sodass es zwischen unseren Körpern nicht mehr stört und verschränke unsere Finger, so weit es möglich ist.
Mit dem Zeigefinger der anderen Hand hebe ich sanft sein Kinn hoch und küsse ihn langsam: Erst berühren sich nur unsere Oberlippen, doch schnell verspüre ich ein intensiveres Verlangen, welchem ich einfach nicht widerstehen kann.
Auch von Tommi geht eine gewisse Begierde aus: etwas schüchtern steigt er in meine Bewegungen ein, löst seine Hand aus meiner, um sein Handy auf das Sofa zu schmeißen und sie anschließend an meine Wange zu legen und meine ausgeprägte Kieferpartie bei den immer intensiveren Bewegungen nachzufahren. Ich kann nicht anders, als meine Finger zu seinem Arsch wandern zu lassen- mit dem Ziel, so viel körperliche Distanz wie möglich verschwinden zu lassen.
Trotz Tommi's größenmäßiger Überlegenheit schaffe ich es wieder, den Kuss zu dominieren, wobei sich zugegebenermaßen kaum ein Unterschied zu sonst feststellen lässt. Ich kann Lippen keine Geschlechter zuordnen. Ich kann nur Tommi's in die top drei der Besten stecken.
"Für die Belohnung hat es sich gelohnt!" grinst er frech, als wir uns lösen und legt seine Arme auf meinen Schultern ab.

Mir ist bewusst, dass das total der Mütter-Satz ist, nur passt er einfach in die Situation, ich möchte Tommi etwas aufziehen und den negativen Charakter entkräftige ich durch ein hinterhergeschobenes Lachen: "Komisch, geht dann doch.". Etwas beleidigt schaut er mich troztdem an, woraufhin ich nur weiter lachen muss. Es sieht ja schon süß aus und so kann ich nicht widerstehen, ihn erneut zu küssen. Wie verdammt froh ich bin, dass er darauf eingeht- immerhin könnte er das auch ablehnen und mich wegstoßen. Auch scheint er nichts dagegen zu haben, dass ich meine beiden Hände an seinem Arsch platziere und ihn hochhebe. In den Kuss grinsend schlingt er seine Beine um meine Hüfte und ich merke, dass ich wirklich wieder trainieren muss. Denn zugenommen hat er auf keinen Fall.
Ich lehne meine Stirn an Seine und grinse, muss ich jedoch leicht erschreckt feststellen, dass ich auf einmal das Bedürfnis verspüre, "Ich liebe dich." zu sagen. Doch das kann ich nicht bringen. Das würde den Moment zerstören, immerhin hat er sich gerade wieder seiner Freundin angenähert und dem Chaos in meinem Kopf auf dieser Weise Ausdruck zu verleihen, wäre viel zu überstürtzt.

Um meinen Gedanken wieder eine andere Richtung vorzugeben, lasse ich das Telefonat revue passieren, da Tommi auf mein Beharren hin zwar den Lautsprecher angestellt hatte, ich mich aber zu sehr auf ihn und seine Wortwahl konzentiert habe, um Selina's Aussagen ordnungsgemäß folgen und direkt verarbeiten zu können.
Wenn man wie sie nur seine Stimme gehört hat, könnte man meinen, er befinde sich in einer sachlichen und ruhigen Lage, doch ich, der ihn beobachtet hat, wie er auf- und abgetigert ist, ziehe andere Schlüsse. Doch das trägt Nichts negatives zu dem Fakt, dass das Gespräch ein voller Erfolg war, bei: Selina hat total verständnisvoll reagiert und schien auch erleichtert. Zumindest habe ich soetwas wie "Du warst so komisch, ich dachte schon, ICH hätte 'was falsch gemacht." vernommen. Und dann hat Tommi kurz gelacht und ihre Angst entgültigt entschärft. Ich bin wirklich stolz auf ihn, das war nicht nur so dahergesagt.
"Felix? Ich hab' Hunger.". Er schafft es tatsächlich immer wieder, mich im richtigen Moment davor zu bewahren, mich auf dem Gedankengang zu verirren und erinnert mich daran, dass außerhalb meines Kopfes ich ihn auf dem Arm habe. "Ich auch. Lass irgendwie einfach ganz schäbig Döner fressen gehen. Irgendeiner hat in Kreuzberg auch am 25. auf.". Denn Coolman wieder auspacken. Tommi runterlassen. Schultern straffen. Brust raus. T-Shirt richten. Muskeln anspannen. Da ist er wieder. Willkommen zurück, Dicker. Habe dich vermisst.

Tommi nickt zustimmend und das Grummeln aus seiner Magengegend bestätigt mir, dass wir so schnell wie möglich los sollten. "Ich bezahle." lege ich entschlossen fest und schnappe mir mein Portemonnaie, folge dem Jüngeren in den Flur.
Tommi stößt mit seinem Knie an seinen Koffer, der hier schon seit Ewigkeiten steht und verflucht ihn im Affekt kurz. "Ey, wegen deinem Koffer ist mein Flur zu einem einzigen Wenn-dann-da-Ort versauert, weil ich alles, was irgendwie mal noch weg muss da drum rum drapiere." witzele ich und stelle beim mich Umsehen erstaunt fest, dass ich hier doch echt mal wieder aufräumen sollte. Der Flur als Übergangsraum hat für mich noch nie einen richtigen Zweck erfüllt und vor Allem in Tourzeiten zählen zu den wichtigsten Räumen in meiner Wohnung nur das Schlafzimmer und die Küche. Von mir aus könnten meine Schuhe und Jacken auch vor der Haustür versauern- hier hoch kommt sowieso keiner, um irgendetwas zu klauen. Und selbst wenn, hat die Person dann eine neue Gucci-Jacke und ich kann wieder neue Klamotten konsumieren. Mit Tommi's Sachen in meinem Kleiderschrank habe ich auch kein Problem, wenn der Koffer dem Flur weichen müsste. Der Größere lacht mich an und weckt erneut den Gedanken, dass ich den Koffer nie vergessen habe, auch, wenn ich im Podcast manchmal so tue. Fast jeden Tag gehe ich daran mehrmals vorbei und bleibe jedes Mal einige Sekunden davor stehen, streiche über den silbernen Griff und lächle gedankenverloren. Dass ich dabei wie ein Triebtäter aussehen muss, ist mir egal, ich bin sowieso meistens allein in der Wohnung.
"Eigentlich hätte ich gar keine Reisetasche mitnehmen müssen." stellt Tommi fest, doch vorsichtshalber bringe ich ihn sofort von der Idee, das nächste Mal wirklich nichts mitzubringen, ab: "Aber die Sachen hier raus kannst du nicht nehmen. Wir wollen das doch im Podcast aufmachen. Dazu musst du wieder mal herkommen und trotzdem neue Sachen mitbringen.". Still wandele ich meinen Monolog in ein inneres Selbstgespräch um: Dann habe ich noch länger etwas von ihm hier. Ich "vergesse" es einfach weiterhin jede Folge und schließe mit der Tür hinter mir auch die auf meinem Gedankengang. Motiviert springe ich die Stufen hinunter und freue mich auf einen fetten Döner. Den Geräuschen zufolge kommt Tommi hinterher.

Knv!

Platzierte, verkopfte, elegalante Gemischtes Hack StoryWo Geschichten leben. Entdecke jetzt