"Äh, Jungs, ich glaube, ihr solltet jetzt langsam gehen." sage ich und kratze mich an der Schläfe. Laute Proteste beginnen.
"Was denn, warum, alter? Ist doch erst zwei."
"Es geht doch gerade erst richtig los."
"Bist du müde oder was?"
"Ja, nee." antworte ich und drücke die letzte Kippe aus. Das Glas stelle ich weg. Schlagartig fühle ich mich nüchtern.
"Tommi kommt dann gleich wieder und der will dann seine Ruhe haben. Sein Abend war stressig." versuche ich, mich zu rechtfertigen. Ja, ich lüge gerade, weil ich keine Ahnung habe, wo er gerade ist oder wie lang es noch dauert, bis er wirklich nach Hause kommt. Ich habe aber so ein Gefühl, dass die Jungs langsam gehen sollten.
"Man, Felix, du bist so'n Spießer geworden, seit du wieder in 'ner festen Beziehung bist." sagt Matze genervt und sammelt bereits sein Hab und Gut wieder ein- Zigaretten, Feuerzeuge, Alkoholflaschen. Anschließend schultert er seinen schwarzen Rucksack und meine Kumpels verabschieden sich tatsächlich nach und nach. "Ciao." sage ich noch.
Als ich wieder alleine bin, habe ich noch nichts von Tommi gehört. Ich weiß aber auch gar nicht, wo mein Handy ist. Ich fühle mich wieder benommen und duselig, spüre die große Menge Alkohol in meinem Körper. Weil ich so unfassbar müde bin, lasse ich mich einfach in die nächstbeste Ecke fallen. Völlig fertig fahre ich mir mit den Händen über das Gesicht und versuche, klarzukommen. Meine Beine sind ausgestreckt und ich lasse die Schultern nach unten hängen. Mein Kopf folgt meinen Schultern, ich spüre nichts mehr. Vielleicht sabbere ich, keine Ahnung. Gerade geht es mir einfach scheiße.
Die Gedanken in meinem Kopf fangen wieder an zu kreisen und mir fällt ein, dass ich mich morgen für einen OpenMic-Auftritt angemeldet und mir noch keinen einzigen Satz dafür aufgeschrieben habe.
Plötzlich überkommt mich Panik, die Gedanken kreisen und springen hin und her: Was, wenn mir auf der Bühne nichts einfällt? Wenn ich dort oben anfange zu stottern? Wenn mein Auftritt scheiße wird? Wenn die Leute dann ein schlechtes Bild von mir haben? Das ist doch dann auch nur ein Auftritt von vielen, von dem die Leute dann auf mein Gesamtbild schließen. Was, wenn jemand dann kein Fan von mir ist, wenn ich mich so richtig blamiere? Wenn ich einfach komplett reinscheiße? Wenn langjährige Fans da sind, die sich dann von mir abwenden? Wenn das gefilmt und irgendwo veröffentlicht wird, ist dann meine Karriere vorbei? Ich habe auch noch gar nicht genügend Material! Weder für morgen, noch für mein neues Programm! Und dafür sind schon unzählige Hallen ausverkauft, obwohl es nicht ansatzweise fertig ist! Was, wenn ich es bis dahin nicht schaffe, nicht fertig werde? Wenn mein Erfolg gar nicht berechtigt ist, weil ich nicht dafür geschaffen bin? Wenn mir das alles gar nicht zusteht und morgen der Tag ist, an dem das Karma zuschlägt? Was, wenn ich alles verliere? Wenn mein Plan nicht funktioniert, ich mich selbst überfordere und daran kaputt gehe?
Ein Schlüssel dreht sich im Schloss. Tommi. Ich würde gerne, aber kann mich nicht aus meiner Trance herausbewegen. Also bleibe ich einfach so, wie ich mich vor einer...halben? Stunde habe hinfallen lassen.
Perspektive Thomas "Tommi" Schmitt
"Hey." sage ich vorsichtig in die Wohnung, weil ich nicht weiß, ob mein kleiner Felix schon schläft. Ich freue mich so darauf, ihn wiederzusehen und ihn zu umarmen. Der Abend war echt anstrengend, weil ich einem enormen Performancedruck unterlag und das Gefühl hatte, nicht richtig ich sein zu können. Bei Felix kann ich das immer und fühle mich immer geborgen und sicher.
Als nach wenigen Sekunden keine Reaktion kommt, gehe ich davon aus, dass er schläft und ziehe mich extra leise aus.
"Hallo Schatz." kommt es dann aus irgendeiner Ecke. Ich kann nicht wirklich orten, woher, aber es ist nicht das Schlafzimmer. Und ich höre sofort, dass es Felix nicht sonderlich gut geht.
Fast instinktiv führt mich mein Weg an der Ecke vorbei, in der er tatsächlich kauert. Ich erblicke ihn nur aus dem Augenwinkel und erschrecke, als sich ein Arm an mein Bein klammert.
"Hey, Kleiner." sage ich besorgt, lasse meine Tasche fallen und knie mich zu ihm nach unten. Ich streiche über seine Wange, sie ist warm. Ich atme ein, sofort steigt mir der Geruch von Rauch und Alkohol in die Nase.
"Was war los? Was ist passiert?" frage ich instinktiv, ohne darüber nachzudenken und greife nach seiner Hand. Sie ist kalt.
"Die fünf Cubanos, Kawus, Hassan, Sven, Matze, Julian und Kawus waren hier." sagt er unverständlich und ich habe Mühe, das zu verstehen. Erst langsam realisiere ich, dass der Geruch nicht nur allgemein in seiner Wohnung hängt, sondern auch direkt von Felix kommt.
"Ich hab geraucht, getrunken. Viel zu viel." gesteht er, Sabber läuft aus seinem Mund und er scheint nicht das Bedürfnis zu haben, das abzuwischen. Also übernehme ich das liebevoll für ihn.
"Und ich hab' Bauchschmerzen." fügt er hinzu.
Sofort setze ich mich im Schneidersitz neben ihm und lege die flache Hand auf seinen Bauch und fange an zu streicheln, so wie wir es immer machen.
Felix rollt sich zusammen und kauert sich so nah wie möglich an meinen Körper. Ich spüre, wie er am ganzen Leib zittert.
"Felix, ich hab dich." flüstere ich und gebe ihm einen sanften Kuss auf die Schläfe.
"Aber du musst sofort ausnüchtern." füge ich stumpf hinzu, weil ich nur das Beste für ihn will.
"Ich rufe mal den Rettungsdienst an, okay?" sage ich und streiche über sein Gesicht. Da die andere Hand immernoch an seinem Bauch verweilt, löse ich diese und fummele mein Handy aus der Hosentosche, da ich das zum Glück immer am Mann trage. Ich vernehme nur den Ansatz eines leichten Nickens seinerseits und nehme das als eindeutige Bestätigung.
Ich glaube, ich setze gerade das erste Mal in meinem Leben einen medizinischen Notruf ab.
Wenige Minuten später zerreißt das Blaulicht den Berliner Nachthimmel, das für Felix unterwegs ist. Ich werde vom kurzen Aufheulen des Martinhorns erschreckt, drücke Felix' Hand etwas stärker. Wir sitzen immernoch auf dem Boden. "Hör mal, wer da ballert." sage ich leise. "Das ist für dich. Gleich wird alles besser."
"Tut mir leid Herr Schmitt, wir können den Herrn Lobrecht nicht mitnehmen."
"Was, warum?! Sie haben doch selbst grad festgestellt, wie scheiße es ihm geht wegen dem scheiß Alkohol und den scheiß Zigaretten!".
"Ja, richtig, Herr Schmitt. Aber kein Krankenhaus nimmt uns einen alkoholisierten Patienten ab. Seine Vitalwerte sind den Umständen entsprechend okay und indizieren keine Transportpflicht."
"Warum nicht?! Es ist ein Krankenhaus und er ist offensichtlich nicht gesund."
"Ja, aber was glauben Sie, was die dort mit ihm machen? In ein Bett legen und schlafen lassen. Das kann er hier genauso gut."
"Würde ihm eine Infusion denn helfen?"
"Jaein. Das macht den Prozess des Ausnüchterns nur effizienter. Kommt allerdings nur infrage, wenn er eine ernstzunehmende medizinische Indikation hätte. Und das liegt hier definitiv nicht vor, das haben wir ja schon überprüft."
Felix' Kopf sackt ein Stück weiter in meinen Schoß ab.
"Ein Krankenhaus ist kein Ausnüchterunghaus. Würden wir alle alkoholisierten Leute mitnehmen, zu denen wir in so einer samstag Nacht gerufen werden, wären die paar Betten, die für sowas reserviert sind, innerhalb einer halben Stunde besetzt."
Ich nicke einsichtig.
"Sollte er spät dennoch Probleme mit Nikotinintox haben, was ich aber nicht glaube, wenn ich ihn mir so ansehe, beim Hausarzt vorstellen, sobald er dazu fähig ist." rundet der Sanitäter in der beeindruckenden Kleidung und mit dem beeindruckenden Equipment ab und steht auf.
"Es gibt nämlich auch noch echte Notfälle."
"Danke. Was kann ich noch für ihn tun?"
"Wasser geben, Atemwege freihalten, bei eventuellem Erbrechen unterstützen und schlafen legen."
Ich nicke wieder. "Danke."
"Alles gute Ihnen beiden. Tschüss."
Die gewahrte Höflichkeit fällt von mir ab.
Sofort lasse ich Felix los, beiße mir auf die Lippen.
"Felix, das geht so nicht weiter."
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Platzierte, verkopfte, elegalante Gemischtes Hack Story
De TodoKreativerer Titel kommt vielleicht noch,aber so wisst ihr wenigstens, worum es geht. Für die Tzex-Ferkel: Kapitel 18: Felix top, Sicht Felix Kapitel 57: Felix top, Sicht Tommi Kapitel 69: Tommi top, Sicht Tommi Kapitel 100: Tommi top, Sicht Felix Ka...
