#75 Wir machen geileres Papier

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Jujus Wohnung riecht nach Gras.
Felix bemerkt es direkt, auch Tommi kann es nach einigen Sekunden zuordnen.

"Eeeyoo was geht!" begrüßt sie die beiden Männer und zieht Felix in eine feste Umarmung. Dabei lächelt sie Tommi an, der hinter seinem Freund steht und keinen allzu glücklichen Gesichtsausdruck hat.

Die Musikerin macht erst Anstalten, dem Kölner die Hand zu geben und in seiner Überforderung will er darauf eingehen. Mit den Worten "Thomas, alter. Das "Freut mich, dich kennenzulernen." spar ich mir, ich kenn' dich ja schon." geht sie jedoch direkt auf ihn zu und umarmt auch ihn.
Sie lachen alle drei, Felix grinst am meisten. Er mag es zu sehen, wenn seine Lieblingsmenschen Spaß haben, vor Allem, wenn es ihnen vorher nicht so gut ging.

"Also, Tommi, weil du ja noch nie hier warst, ganz kurz: Wenn du irgendwas brauchst, was zu trinken oder zu essen, geh' in die Küche und such dir was oder frag oder bestell einfach. Aber frag, ob wir auch was wollen, okay?" klärt Juju Tommi auf, dieser lächelt schüchtern, scheint aber zu wissen, was sie meint und ihren lockeren Umgang mit Gastfreundschaft wertzuschätzen.
Vor Allem Felix sieht, dass er noch etwas Zeit benötigen wird, um das wirklich auszuschöpfen.

"Setzt euch schonmal hin irgendwo, bin gleich da." schlägt die Schwarzhaarige vor, während Tommi eher unplatziert in dem offenen, hellen Durchgang von Flur zu Wohnzimmer existiert, in dem zwei gemütliche Sessel und eine Couch auf sie warten.

Das Paar steht weiterhin wie angewurzelt im Raum, vor Allem Tommi rührt sich wenig und starrt nur apathisch auf einen nicht definierbaren Punkt.
"Juju?" sagt Felix leise, als sie an ihm vorbeigeht und hält sie sanft an der Schulter fest. Sie schaut ihn fragend, aber aufgeschlossen an.
"Tommi geht's grad nich so gut, hast du Kaugummi da?"
"Klar, hol ich."
Ihr besorgter Blick ergänzt sich mit dem von Felix, als er zu seinem Freund schaut und vorsichtig über dessen Schulter streichelt.

Es fehlt nur noch ein Teddy in Tommis Hand an dem herunterhängenden Arm, um seinen Anblick eines kleinen, von tiefstem Unbehagen erfüllten Kind zu vervollständigen.
"Schatz?" sagt Felix leise, um seine Aufmerksamkeit zwar zu bekommen, ihn aber nicht zu erschrecken.
"Komm, wir setzen uns hin. Juju hat Kaugummi".
Hand in Hand, aussehend wie Vater und Sohn laufen sie in das Wohnzimmer und lassen sich eng nebeneinander auf die große Couch fallen, ohne sich loszulassen.

"Hier." ruft Juju im Türrahmen stehend, gekonnt fängt Felix mit der linken Hand die Kaugummipackung und lächelt sie dankend an.
Besorgt streicht er seinem Freund über die Stirn und fährt durch seine leicht verschwitzten Haare, gibt ihm einen Kuss auf die Schläfe.
Glücklicherweise scheint der Kaugummi Wunder zu wirken: Tommi wird ruhiger und entspannter, legt den Kopf auf Felix' Schulter.

Als sich Juju den beiden gegenüber setzt, beweist sie wieder das Talent, für das Felix sie so bewundert: In diversen Situationen auf sozialer Ebene genau das Richtige zu tun: Keine aufwühlenden und kontraproduktiven Fragen, Ernst zu passenden Anlässen und Sachlichkeit, keine unangebrachte Überhitzung.
Sie sitzt auf ihrem Sessel, atmet ruhig, ihr Blick ist nicht starr, nicht aufgeregt. Sie strahlt Gelassenheit und Geborgenheit aus, ihre Gastfreundschaft wirkt ehrlich und nicht aufgesetzt oder erzwungen.
Tommi beginnt sich langsam wohler zu fühlen, auch Felix hat in der Wohnung seiner besten Freundin eine Stimmung, die durchweg positive Auswirkungen auf seinen Freund hat.
Beruhigend streicht er über seine Hand.

"Ich...geh' mal kurz raus...also ins Bad." sagt Tommi dann und schaut Felix entschuldigend an, steht auf. Der Blonde versteht, dass sein Freund Raum und Zeit für sich benötigt, sieht ihm hinterher und seufzt, als er das Wohnzimmer verlässt. Er macht sich ernsthaft Sorgen.

"Es fällt mir so schwer, ihn loszulassen." beginnt Felix dann, weiß, dass Juju da ist und ihm zuhört.
"Ich weiß, dass er in Köln wohnt. Aber in Berlin, hier bei mir, gefällt er mir am besten. So oft schaffe ich es nicht, allein nach Hause zu fahren, wenn ich ihn weggebracht habe. Vermisse ihn dann schon, wenn der Zug noch nicht mal gefahren ist."
Felix seufzt und starrt erst ins Leere, sieht dann Juju an.
Sie nickt wissentlich und verständnisvoll.
"Schreib mir einfach und komm vorbei, wenn du willst, bin eh oft zuhause. Weißte doch." bietet sie an und lächelt.

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