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Perspektive Felix Manuel Lobrecht

Schon lange habe ich bei einem Kuss so wenig gefühlt wie jetzt. Tommi sieht mich an, ich sehe ihn an, wir versuchen uns gegenseitig die eigene Heterosexualität zu beweisen, was sich aber irgendwie falsch anfühlt. Zumindest für mich. Aber alter. Wir sind 30,hatten schon mehrere Beziehungen mit Frauen und Tommi hat sogar aktuell eine Freundin. Wir sollten wissen,dass wir nur auf Frauen stehen. Warum ich das gerade so krass in Frage stelle? Ich verstehe es nicht.
Nach einigen Minuten verliere ich total die Lust an der Frau, kneife ihr sanft in den Hintern,an dem meine Hände liegen und flüstere ihr zu "Muss los, Kleine". Sie schaut mich traurig an, ich setze ein unechtes Lächeln auf,welches nicht als solches rüberkommt, gebe ihr noch kurz einen letzten Kuss, zwinkere und löse mich von ihr.
Schnell, aber bedacht drehe ich mich um und vor mir eröffnet sich eine Menschenmasse auf der Tanzfläche, die mich mich verlieren lässt- keine Person mehr, an die ich für einen Moment gebunden bin. Tommi ist irgendwo am anderen Ende des Clubs und da ich auf einmal mit der Situation und meinen Gefühlen überfordert bin, bahne ich mir meinen Weg durch die feiernden Menschen und versuche, an die frische Luft zu gelangen. Doch ich finde keinen Weg. Ich bin schon unzählige Mal in diesem Club gewesen, habe unzählige Mal mit fremden Frauen geknutscht, bin danach unzählige Male zum Rauchen rausgegangen und am Ende schon unzählige Mal völlig besoffen nach Hause gewankt.
Nur ist es heute irgendwie anders- Tommi ist mit mir hier, die Frau war sehr random und ich finde keinen Weg nach draußen. Weder aus dem Gebäude, noch aus meinen Gedanken. Nachdem ich mich auf diverse Floors verirrt und Tommi dabei nicht gesehen habe, stehe ich endlich draußen. Die Luft ist unendlich kalt, da es erstens schon relativ spät und zweitens Dezember ist. Als ich einatme, verspüre ich einen stechenden Schmerz im Hals und in der Lunge, aber es gibt mir ein Gefühl von Freiheit und Selbstbestimmtheit. Die Zigarette,die ich mir anzünde, kommt mir im Gegenzug dazu vor wie ein Feuer, welches ich tief inhaliere.
Kein anderer steht hier mit draußen,was für eine Raucherecke an einem Club ziemlich ungewöhnlich ist, doch um ehrlich zu sein, ist mir das gerade lieber. Selbst wenn hier jemand reden würde- ich würde es wahrscheinlich nicht wahrnehmen.
Zum zweiten Mal an diesem Tag verliere ich komplett die Kontrolle über mein Rauchverhalten, bis die Schachtel leer ist und ich aus irgendeinem Grund einen Hustenanfall erleide, was mir vorher noch nie passiert ist. Zum zweiten Mal an diesem Tag denke ich intensivst über Tommi nach- er ist der Grund für meine Raucheskalation.
So einen extremer Kontrollverlust hatte ich vorher noch nie und ich dachte immer,dass das mir auch nie passieren würde.
Ich weiß nicht wie es Tommi geht,wo er gerade ist oder was er gerade macht. Wenn ich Pech habe, nehme ich heute zwei Leute mit nach Hause und höre sie dann im Nebenzimmer Spaß haben.

Perspektive Thomas "Tommi" Schmitt

Mit der Zeit entfernten Felix und ich uns voneinander, was nach dem Tag vielleicht gar nicht so schlecht war und um ehrlich zu sein,bin ich gerade dabei, zu vergessen, dass ich mit ihm hier bin. Die Frau, die gewisse Ähnlichkeiten mit meiner Freundin hat, zieht mich langsam aber bestimmt immer weiter von der Tanzfläche weg, bis wir irgendwann an einem der Tische sitzen: sie auf auf meinem Schoß,Gesicht zu mir gedreht und wir küssen uns weiter. Ihre Lippen üben immer mehr Druck auf meine aus und ihr Körper bewegt sich mit jeder Sekunde intensiver. Komischerweise turnt mich das eigentlich gar nicht an, aber ich versuche, sie attraktiv zu finden, um sie vielleicht rumzukriegen. Andererseits wäre es Felix respektlos und unfair gegenüber, eine Frau mit zu ihm zu nehmen. Und auf einen Dreier hat glaube ich keiner von uns Bock. Das war heute eh schon sehr komisch.
Da mich die Frau fast durch den ganzen Club geschliffen hat, weiß ich nicht wirklich, ob wir Felix begegnet sind. Und selbst wenn, wäre es eher positiv als negativ. Er soll sich gar nicht einbilden, ich wäre schwul.

Irgendwann sehe ich ihn: Felix irrt umher, scheint irgendein Ziel zu verfolgen, es aber nicht zu finden. Ich beobachte ihn und mein Kopf folgt unwillkürlich seinen Bewegungen. Da ist keine Frau mehr an seiner Seite. Die auf meinem Schoß bemerkt natürlich meine geänderte Aufmerksamkeit, legt eine Hand an meine Brust und streicht darüber. Mit der anderen dreht sie meinen Kopf wieder zu sich und kommt mir erneut mit ihren Lippen entgegen. Falscher Moment, falsche Aktion. In den ersten Milisekunden erwidere ich noch, um mich abzulenken, stoße sie dann aber leicht weg,sodass meine Beine frei sind und ich aufstehen kann. Ich renne in die Richtung, in die ich Felix habe gehen sehen kann. Die Hand von dem Weib spüre ich noch an meiner Hüfte und ihre Blicke auf meinem Rücken.
Mein instinktiver Weg führt mich nach draußen und es wird direkt eine Gänsehaut bei mir ausgelöst. Ich atme aus und verfolge mit den Augen meine Atemluft,wie sie sich langsam auflöst. Meinen Blick kreuzt Felix, welcher an einem Geländer steht: mit T-Shirt, sich mit einer Hand daran festhält und die andere auf seinen Bauch gelegt. Von Weitem sieht es aus,als würde er sich die Seele aus dem Leib husten und letzendlich geht er in die Hocke, klammert sich regelrecht am Geländerstab fest und stützt sich auf dem Boden ab.
Ich kann nichts tun- meine Füße haben Wurzeln gebildet und sie fest im Boden verankert; ich kann nicht zu ihm laufen. Alles, was ich tue, ist erbärmlich "Felix??" zu rufen, doch er hört mich nicht. Zeigt zumindest keine Reaktion. Alles,was er tut, ist sich in die Ecke zwischen Hauswand und Geländer hinzusetzen und den Kopf hängen zu lassen.
Es zerreißt mir das Herz.

JO was geht :D
Versuche jetzt, weekly zu uploaden. Immer jeden Mittwoch um ca. 6:30^_^
Knv!

Platzierte, verkopfte, elegalante Gemischtes Hack StoryWo Geschichten leben. Entdecke jetzt