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Perspektive Thomas "Tommi" Schmitt

Leises Wimmern.
Felix' Kopf, der auf meiner Brust liegt,fängt an, sich zu bewegen. Sofort greife ich zu einem halbvollen Behälter und halte ihn am Rand des Krankenhausbettes, in dem wir liegen. "Er wird sich in den nächsten Stunden noch mehrmals übergeben. Wir bitten Sie, für ihn da zu sein." hatten sie gesagt. Dann hatten sie uns auf ein Patientenzimmer gebracht und uns allein gelassen. Seitdem waren vielleicht 2 oder 2,5 Stunden vergangen: Felix hat im Rhythmus abwechselnd gekotzt und gepennt. Für Wortwechsel gab es keine Zeit und gerade war es wieder so weit: er musste sich übergeben. Sein Körper,welcher auf meinem liegt, wirkt trotz seines Äußeren schwach und zerbrechlich, als er sich über die Bettkante lehnt und sich unter leichtem Krampfen übergibt. Wie die letzten Male auch, streichle ich seinen Rücken und ziehe ihn dann wieder in meine Arme,als er fertig ist. Für den Moment zumindest. Er stöhnt leise auf, als wäre er genervt. Ich lege meinen Kopf schräg auf seinen und spüre,wie allmählich mein Oberteil nass wird. "Sorry, man." sagt er leise und unverständlich und schnieft. "Ist okay." antworte ich,lege meine Hand auf seinen Hinterkopf und streichle darüber. Jegliche körperliche Distanz, die sonst auf unserer heterosexuellen Freundschaft basiert, verschwindet komplett. Als würden wir uns schon jahrelang kennen oder eine romantische Beziehung haben, fällt jeglicher private space weg.
Dieser ging gefühlt auch immer von Felix, mit seinem breiten Körper aus und irgendwie strahlt er extreme Männlichkeit aus, die körperliche Nähe zwischen ihm und einem anderen Mann verhindert. Ich hatte da nie wirklich ein Problem mit.

Glückerweise kotzt Felix nun schon seit einer Stunde nicht mehr- Rekord- und ich hoffe, dass das erstmal anhält. Denn auch für mich ist das anstrengend- körperlich, als auch psychisch. Er scheint zu schlafen, denn ich höre ein leises, reines Schnarchen, was ein gutes Zeichen ist.

Als er einige Stunden später wieder aufwacht und zu mir hinaufschaut - ich habe übrigens keine einzige Sekunde die Augen zu gemacht- ist er zwar immernoch verschwitzt, sieht aber gesünder und weniger verbraucht aus. Ich lächle ihn leicht an: "Na? Wie fühlst du dich?". "Bin müde." murmelt Felix leise und lässt den Kopf wieder auf meine Brust fallen. Ich muss schmunzeln und streichle weiter seinen Hinterkopf. Mir fällt auf einmal auf, dass auch ich total müde bin und wir gähnen gleichzeitig. Ebenfalls gleichzeitig lachen wir leicht und ich bekomme Gänsehaut, was Felix bemerkt und die Decke, die er vorher nicht benötigt hat, über uns zieht.

"Tommiiiiiii,ich will aufsteeeeeeehn!" weckt mich eine quängelnde, aber leise Stimme aus meinem halbruhigen Schlaf und für einen Moment denke ich, ich sei Vater eines kleinen Kindes.
Erst jetzt realisiere ich, warum Felix mir erzählt, was er tun will: Mein rechter Arm liegt um seinen Oberkörper und hält ihn fest. Ich lasse seinen Körper los und meine Schulter knackt. Wir beide lachen. "Alter Mann..." witzele ich und halte Felix unterstützend an der Hüfte fest, als er sich aufsetzt. "Mach langsam" empfehle ich ihm leise, bekomme leichte Angst und schiebe sofort mit dem Fuß den Behälter so hin,dass er sich, falls notwendig, da hinein übergeben kann. "Danke, geht schon" antwortet er und steht langsam auf. Sein Körper entgleitet meinem schützenden Griff und meine Hand streift nur noch seinen linken Unterarm an der hinteren Seite. Auf seinen Befehl hin auf dem Bett seitlich sitzend beobachte ich ihn, wie sich Felix ein paar Schritte fortbewegt, sich jedoch auch am Bett festklammert. Er geht Richtung Fenster und wechselt seine Griffhand von rechts am Bett zu links am Fenster. "Tommi, kannst du mich festhalten?"- er spricht leise und seine Bitte klingt beinahe, als würde er sich schämen, soetwas in Anspruch zu nehmen. Natürlich stehe ich auf und stelle mich hinter ihn, lege meine Arme um seine Hüfte und halte ihn fest. Direkt spüre ich, wie sein Gewicht gegen meinen Körper fällt und er sich anlehnt, woraufhin ich schmunzeln muss. Der Kleinere legt seinen Kopf in meine Halsbeuge- zufällig hat er die perfekte Größe dafür- und schaut aus dem Fenster. Es muss vormittags oder mittags sein, über Zeit habe ich kein Gefühl.

Perspektive Felix Manuel Lobrecht

Die Sonne strahlt mir ins Gesicht. Für einen 20. Dezember scheint es erstaunlich warm draußen zu sein. Ich schließe die Augen und spüre Tommis Hände an meinen Hüften. Sie scheinen zu klein zu sein, um meinen Umfang festhalten, jedoch passt es irgendwie. Ich fühle mich geborgen und versuche, den Fakt, dass wir uns in einem Krankenhaus befinden, auszublenden. Langsam und bewusst atme ich aus und ein, was ich sonst nie tue. Ich spüre, wie Tommi atmet und wie sein Herz schlägt. Spüre die Luft, die er ausstößt an meinem Ohr vorbeiziehen- gerade so, dass es nicht unangenehm ist. Nehme jede kleine Bewegung seiner Finger über meinem Becken wahr, die mir, obwohl er mich festhält, wie Federberührungen erscheinen. Ich genieße den Moment, der ewig zu währen scheint.

Nach einigen Minuten wird stehen schon wieder anstrengend, jedoch mein Bewegungs- als auch mein Mitteilungsbedürfnis werden stärker, also erzähle ich Tommi,dass ich nach draußen will.
"Gut, dann aber nur im Rollstuhl. Viel laufen darfst du nämlich nicht.". Seine Worte, welche ganz nah an meinem Ohr ihren Ursprung finden, treffen umso mehr in mein Herz. "Neee....ick will aber keen Rollstuhl Tommi...". Ich schiebe "Ich bin doch nicht behindert." hinterher.
Er seufzt leise und ich spüre förmlich, wie er mit den Augen rollt. "Ja Felix, ich weiß, dass du nicht behindert bist, aber die Ärzte meinten, du darfst dich nur im Rollstuhl fortbewegen." Tommi versucht, die wahrscheinlich richtigen Entscheidungen der Profis mir gegenüber zu rechtfertigen, obwohl das gar nicht Teil seiner Verpflichtungen ist. Ich habe einfach nur Angst, mich hinzusetzen und nie wieder laufen zu können, ohne dass ich mein letztes Mal bewusst als solches wahrnehme. Auch, wenn das unwahrscheinlich ist, muss ich dabei immer an meine Mutter denken. Und das gefällt mir gar nicht, weil der Ort Krankenhaus alles wieder zurückholt. Nach fast 30 Jahren. Fast 500 Kilometer weit weg. Die Erinnerungen und Erzählungen sind im Gegensatz aber noch extrem präsent.
"Und rumtragen werd' ich dich nicht." lacht Tommi und auch ich muss schmunzeln. "Dafür bist du eh viel zu lauchig." antworte ich und seufze. Meine humoristische Ader fand kurz Spielraum, um der ernsten Situation zu entgehen, doch alles Negative holt mich direkt wieder ein und Tommi scheint das zu merken. "Hey, wollen wir uns erstmal wieder aufs Bett setzen?" fragt er. Sein Kinn liegt seitlich auf meinem Kopf und ich spüre seine Hände an meiner Hüfte und meinem Bauch stark- sie geben mir Sicherheit und ich grabe meinen Kopf noch weiter in seine Halsbeuge.

Auf einmal werden meine Bauchschmerzen stärker und ich muss mir ein Zischen verkneifen, welches das Ziehen kompensieren soll. Meine Bauchmuskeln spannen sich an, was Tommi blöderweise merkt und wahrscheinlich ahnt, dass etwas nicht stimmt und mich wieder Richtung Bett zieht. "Jetzt setz dich mal hin. Was ist denn los?" fragt er und widerwillig lasse ich mich wieder auf das Bett fallen. "Ich hab Bauchschmerzen..." gebe ich leise zu und versuche, Augenkontakt mit Tommi zu vermeiden,um meine Verletzlichkeit zu verstecken. Er seufzt leise und setzt sich hinter mich, als würden wir zusammen in einem Waterfallboot im Freizeitpark sitzen. Seine sanften Hände legen sich von hinten wieder auf meinen Bauch und streicheln und massieren ihn sanft durch mein T-Shirt.
Diese Berührungen tun mir extrem gut und ich schließe sofort instinktiv meine Augen, atme entspannt hörbar aus und lehne meinen Kopf wieder nach hinten an ihn.
Er im Gegenzug legt sich hin, da wir vorher saßen, was die Situation noch entspannter macht und das Schönste: niemand spricht. Ich höre ihn atmen, spüre seine Brust sich heben und senken und bin erstmal zufrieden.

Aufgrund der fehlenden Distanz zwischen uns und den stärker werdenden Schmerzen im Bauchbereich, greife ich mit meiner rechten Hand Tommis und führe sie langsam unter mein Oberteil, um seine Reaktion zu beobachten. Als sein Daume zum ersten Mal die nackte Hautstelle über meinem Hosenbund berührt, bekomme ich starke Gänsehaut.
Auch für Tommi scheint die Situation aufregend und er streicht schüchtern über die eine Stelle, bevor seine komplette Hand unter mein T-Shirt wandert und es leicht nach oben schiebt. Zum Glück sieht er nicht, dass ich mir auf die Unterlippe beiße.

Knv!

Platzierte, verkopfte, elegalante Gemischtes Hack StoryWo Geschichten leben. Entdecke jetzt