"Nein, hat er nicht. Das kann ich Ihnen versprechen." antwortet der Mann in ruhiger Stimmlage, dessen Namen ich schon wieder vergessen habe. Meine Augen machen sich auf die Suche nach einem Namensschild, ich glaube, ich nicke auch, aber dann werde ich von den Worten des Arztes abgelenkt.
"Ich würde vorschlagen, wir gehen in mein Büro. Dort sind wir ungestört." bietet er lächelnd an. Ich bestaune seine Gelassenheit, aber das ist halt auch sein Job.
Der Raum, in den er mich führt, liegt etwas außerhalb des Stationstroubles; der Weg ist trotzdem nicht weit.
Die Einrichtung ist tatsächlich so, wie ich mir das Büro eines wichtigen Arztes vorstelle: irgendwie aufgeräumt und schlicht, aber auch vollgestellt und chaotisch. In seiner Mitte steht ein brauner, vorne abgerundeter Schreibtisch aus Holz, dahinter ein durchgesessener Bürostuhl. Auf dem Tisch stehen ein PC und ein Monitor, daran kleben einige Post-its mit handschriftlichen Notizen, die ich nicht lesen kann.
Die Wände sind voll mit Bücherregalen und medizinischen Postern und Plakaten.
In den Fenstern stehen einige Pflanzen und Blumen in Vasen. Am oberen Schaft eines Stengels wurde ein
kleiner rosaner Schmetterling aus Holz befestigt.
Es riecht nach Kaffee und seinem Parfüm.
"Bitte, setzen Sie sich." sagt er und zieht einen Stuhl aus der Ecke an einen kleinen, runden, schwarzen Tisch neben dem Schreibtisch.
Ich bedanke mich kurz und setze mich.
Ich fühle mich nicht sonderlich unwohl, aber es wird nie mein Lieblingsort werden.
Ich spüre, wie mein Körper angespannt ist.
"Also, wie Ihnen eventuell schon von unserer Pflege mitgeteilt wurde, werden wir mit dem sogenannten Weaning beginnen. Das bedeutet, dass wir nach und nach die Medikamente runternehmen und er wieder selber anfängt mit dem Atmen. Dann kann auch der Schlauch raus, der ihn momentan beatmet. Und er wird wach werden. Die Schmerzmittel bleiben weiterhin erhalten. Sein Körper und seine Verletzungen haben sich in den letzten Wochen so zuverlässig stabilisiert, dass wir alle der Meinung sind, dass das definitiv ein Versuch wert ist."
Er pausiert, legt eine Hand auf meine Schulter und lächelt mich an. "Dazu haben definitiv auch Sie beigetragen, Herr Lobrecht. Mit ihren täglichen Besuchen, wie sie seine Hand gehalten und mit ihm gesprochen haben. Wir gehen davon aus, dass er das alles mitbekommt."
Ich ringe mich zu einem Lächeln durch, um ihm Feedback zu geben.
"Eine Patientenverfügung hat er ja nicht und auch Sie haben uns nichts Gegensätzliches gespiegelt. Und wir gehen davon aus, dass Ihr Verlobter das auch möchte."
Ich nicke.
"Ich kann Ihnen nicht versprechen, wie lang der gesamte Prozess dauern wird. Und auch nicht, ob wir erfolgreich sein werden. Es kann sein, dass wir mittendrin abbrechen müssen oder er wieder intubiert werden muss, weil sein Körper doch noch nicht stark genug ist oder eine Infektion bekommt oder so."
Ich nicke wieder, hab keine Ahnung, was ich jetzt sagen soll.
"Aber ich bin sehr zuversichtlich in diesem Fall. Ich muss Sie halt nur aufklären. Und will Ihnen auch keine falschen Hoffnungen machen. Aber ja. Das wird schon." schließt er und stützt sich mit den Händen auf den Oberschenkeln ab.
"Haben Sie noch irgendwelche Fragen, Herr Lobrecht?"
Mein Kopf benötigt einige Sekunden, um die Frage zu verarbeiten, danach schüttele ich jedoch den Kopf. "Nein, vielen Dank. Aber bestimmt später. Zu Hause dann. Oder heute Nacht."
Er lächelt wissend. "Sollte das der Fall sein, dürfen Sie uns als Ärzteteam jederzeit ansprechen. Auch unsere Pflege ist für Sie da, aber das wissen Sie ja bereits."
Ich nicke dankbar und lächle, dann erheben wir uns gleichzeitig von unseren Stühlen und laufen zur Tür. Diese macht er mir auf, hält mir die Hand hin und sagt "Alles Gute, Herr Lobrecht. Schönen Tag noch."
Es ist schon ein Stück her, dass ich so intensiv über eine Begegnung nachgedacht habe. Irgendwie hat mich dieser Mann beeindruckt. Und es ist das erste Mal, dass ich wirklich positiv von einem Arzt denke, seit meine Mutter krank war. Ich verspüre ein äußerst unangenehmes Ziehen im Bauch. Das kenne ich schon. Und es wird nicht besser.
Nun sitze ich wieder bei meinem Tommi am Bett und halte seine Hand. Sie ist kalt, gegen mein Herzrasen hilft es trotzdem, irgendwie. Keine Ahnung, wie es dieser Mann selbst im Koma schafft, ein Ruhepol für mich zu sein. Ich weiß nur, dass ich ihn liebe.
Mein Blick fällt auf den Tubus zwischen seinen Lippen.
Ich vermisse ihn.
Ich vermisse, wie er auf seiner Lippe herumkaut, wenn er angespannt ist und wir zu weit sind. Sonst würde ich ihn dafür anpacken, weil die danach immer wehtut und er sich aufregt. Und gerade wünsche ich mir nichts sehnlicher, als dass er genau das macht.
Ich vermisse uns.
Nach meinen obligatorischen Stunden auf Station trete ich seit dem Morgen wieder das erste Mal an die frische Luft. Das Verlangen nach einer Zigarette ist gerade so unglaublich groß. Aber es ist einfach wieder kein Tommi da, der mir dafür einen bösen Blick zuwerfen kann.
Zum Glück holt mich das Klingeln meines Handys aus meinen Gedanken. Während ich es aus meiner Hosentasche fingere laufe ich bereits zum Auto. Es ist Julian.
“Hey, na?” fragt er.
“Hi.” sage ich.
“Bist du schon raus?” will er wissen. Ich nicke, merke dann, dass er das gar nicht sieht. Aber wahrscheinlich spürt oder hört er das.
“Ich will ihn küssen.” jammere ich, lasse mich nebenbei auf meinen Autositz fallen. Julian seufzt am Telefon.
“Gibt es sonst irgendwas Neues?” fragt er.
“Ja. Sie fangen mit dem Weening an oder wie das heißt. Also wenn alles gut läuft, ist er nächste Woche wach.”
“Boar, das ist ja cool! Das wäre der Hammer! Bist du dafür bereit?”
“Ja, ich glaube schon. Vielleicht war ich nie bereiter.”
Nebenbei starte ich den Motor.
“Weißt du was ich wirklich vermisse?”
“Nein, sags mir.”
“Der Sex mit ihm.”
Julian lacht kurz auf.
“Du spinnst, echt. Warte erstmal bis er wieder mit dir redet bevor du ihm deinen Schwanz in den Mund steckst.”
“Jaa, sorry man. Ich hab halt niemanden. Du kannst Michelle ja jederzeit ficken. Und ich bin ja auch nicht untreu, nur weil mein Freund im Koma liegt.”
Nebenbei lenke ich das Auto von dem riesigen Parkplatz.
“Äh hier, Dings, meinen Blitzer hattest du schon überwiesen, oder? Kam da ‘n Punkt?”
“Ja, hab ich und nee, kam keiner.”
“Okay, cool, danke dir. Sag mal, warum hattest du eigentlich angerufen?”
“Die Schulleiterin der Clay hatte angerufen, ob du nicht mal wieder Zeit und Lust für eine Lesung in ihrer achten Klasse hättest.”
“Erst wenn ich sicherstellen kann, dass ich nicht ganz ausversehen auf der Autobahnbrücke einen Schlenker nach rechts mache, weil die Liebe meines Lebens seit mehreren Wochen im Koma liegt.”
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Sagt mal ob ihr Lust hättet auf ein bisschen dirty stuff zwischen Felix und dem Arzt, einfach nur weil ihr alle versaut im Kopf seid oder ob euch das die Story zerstören würde
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Platzierte, verkopfte, elegalante Gemischtes Hack Story
DiversosKreativerer Titel kommt vielleicht noch,aber so wisst ihr wenigstens, worum es geht. Für die Tzex-Ferkel: Kapitel 18: Felix top, Sicht Felix Kapitel 57: Felix top, Sicht Tommi Kapitel 69: Tommi top, Sicht Tommi Kapitel 100: Tommi top, Sicht Felix Ka...
