Äh bitte tötet mich nicht danke
"Was ist mit unserem Deal? War dir die letzte Zigarette in Mexiko absolut nichts wert? Ist dir das komplett egal, was wir da gemacht haben?" fragt Tommi enttäuscht und steht auf, schaut ab jetzt zu Felix nach unten.
Dieser starrt in die Leere und sein Blick verschwimmt, dann rollt eine Träne seine Wange hinunter.
"Ich habe dir vertraut. Habe gedacht, du wärst vernünftig genug, um sowas nicht nochmal zu machen. Dass ich dich alleine lassen kann, um mich auf die Arbeit zu konzentrieren."
Felix schluckt.
"Muss ich jetzt rund um die Uhr auf dich aufpassen und um dich herumtigern wie ein Wachhund und dich von deinen Freunden fernhalten, dass du keine Scheiße baust?
Ich kann das so nicht mehr, wenn ich mich nicht auf dich verlassen kann."
Man könnte meinen, bei Felix ein leichtes Nickenwahrzunehmen. Dann steht er auf, wackelt dabei. Tommi stützt ihn nicht, so wie er es sonst tun würde.
"Ist dir dein Körper dir so egal geworden, dass du so 'ne Scheiße abziehst?! Was würde deine Mutter davon halten? Ich reiß mir den Arsch auf, sorge dafür, dass du so wenig Kontakt mit dem Zeug hast und abgelenkt wirst, nicht daran denken musst und auf keine dummen Gedanken kommst. Und du hintergehst mich. Einfach so. Und dann noch bei so 'nem scheiß Saufabend mit deinen ach so hochgeschätzten Kumpels. Und Julian war auch dabei?! Wow. Das hätte ich nicht von ihm erwartet. Glaub mir, wäre ich dabei gewesen, wäre es niemals so weit gekommen. Du bist ein erwachsener Man, Felix, dich muss man eigentlich nicht so beaufsichtigen. Wobei, anscheinend doch, wenn außer mir nicht mal dein engster Kreis darauf Acht gibt, was du darfst und was nicht. Was dein Leben in Gefahr bringt!"
"Viele von denen wussten das gar nicht und haben sich eher gefreut, dass ich mal nicht teilnahmslos dasitze weil ich der einzige Nüchterne bin!"
"Na und?! Dummheit schützt vor Strafe nicht. Dein Bruder wusste es. Kawus doch auch und José. Und du. Du weißt es am besten, Freundchen. Muss man sich denn hier um alles selber kümmern?!"
Tommis Zeigefinger schwebt in der Luft.
"Du musst gar nichts."
"Bitte?" fragt der Größere ungläubig. "Du musst dich um gar nichts kümmen. Erst recht nicht um mich."
"Doch Felix, doch, dass muss ich, weil du anscheinend gar nicht auf dich selber aufpassen, deinem Körper keine Scheiße zuführen oder dich an irgendeine medizinisch begründete Vorgabe halten kannst."
Seine Stimme ist zutiefst vorwurfsvoll.
"Was wäre das noch geworden, wenn ich nicht nach Hause gekommen wäre? Hättet ihr euch zu Tode gesoffen und geraucht? Oder hätten die dich weiter abgefüllt, wären dann gegangen weil du nicht mehr ansprechbar und langweilig bist und hätten dich so oder noch schlimmer liegen gelassen?! Felix, du hättest an der ganzen Scheiße hier sterben können, einfach weil du so ein verdammter eigensinniger, irrationaler Sturkopf bist!"
"Jetzt hör aber auf! So schimm wäre es schon nicht gekommen. Meine Kumpels sind ja keine Unmenschen."
Zweifelnd zieht Tommi eine Augenbraue hoch.
"Man, Tommi, es tut mir so leid."
Darauf geht der Detmolder nicht ein.
"Warum hast du das überhaupt gemacht?"
"Gruppenzwang."
"Aha. Gruppenzwang also. Und wenn die anderen besoffen in den Teich springen, machst du das auch, oder was? Weißt du, ich fühle mich wie der Vater Teenager-Felix, wenn ich mit meinem Sohn gemeinsam eine Schultoilette streichen muss, weil er sich in seiner Uneinsichtigkeit und Dummheit mal wieder nicht unter Kontrolle hatte. Aber anscheinend funktioniert es nicht anders, dich zur Vernunft zu bringen."
Tommi schiebt die Unterlippe vor.
"Ich bemitleide nicht dich, sondern Fränki."
"Was willst du jetzt noch?" fragt Felix schnippig, Tommi ist aber noch längst nicht fertig.
"Weißt du, ich habe wirklich überlegt, ob ich das Essen absage, um bei dir sein zu können, dass du nicht alleine bist und auf dumme Gedanken kommst. Weil ich genau weiß, was du für einen Struggle mit deinem neuen Programm und den Auftritten hast und auch ganz genau, so wie du, weiß, dass du dich irgendwann eh wieder in deinen Gedankenspiralen verlierst und da allein nicht wieder rauskommst. Das wollte ich dir eigentlich gerne ersparen."
Vielleicht liegt da ein leises "Danke" auf Felix' Lippen, aber auch das ist Tommi egal.
"Wann wusstest du, dass deine Kumpels kommen?"
"Das war spontan."
"Aha, spontan also. Deswegen hatten die alle sofort Zeit, weil es spontan war, wenn der große Felix Lobrecht sich mal wieder dazu erbarmt, mit seinen Normalverdiener-Kumpels abzuhängen, um dann vor ihnen den großen Max zu machen? Oder doch nicht etwa, weil du, seit ich dir am Flughafen gesagt habe, dass ich heute Abend nicht da bin, permanent nur mit José geschrieben und irgendetwas geplant hast, bei dem ich offensichtlich nicht dabei sein sollte?"
"Tommi, das war..."
"Lüg mich nicht an! Ich kenne dich gut genug, um zu wissen, wann du etwas planst und wann nicht."
"Aber..."
"Kein aber. Wie hast du dir das denn gedacht? Was, wenn ich eher nach Hause gekommen wäre? Wenn sie da noch da gewesen wären? Oder wenn ich viel später nach Hause gekommen wäre?"
"Keine Ahnung."
"Man, Felix, was ist denn los mit dir? Du hast so schön durchgehalten die letzten Monate, ich war so stolz auf dich."
"Das hättest du mir ruhig Mal zeigen können. Ich dachte immer, das wäre für dich so eine Grundbedingung, dass ich mit dir Zeit verbringen kann weil du mich sonst hasst. Dass du nicht siehst, wie viel Kraft mich das alles kostet".
"Du weißt doch, dass ich das unglaublich bewundernswert finde."
"Nein, wie denn, wenn du es mir nicht zeigst? Stattdessen bietest du an, eine Zigarette mit dir zu rauchen, meinst das sogar ernst und ziehst das auch noch durch. Ich hatte ein gutes Gefühl dabei!"
"Felix, das war eine Zigarette. Kontrolliert, unter Aufsicht, ohne Alkohol oder Folgezigaretten. Um genau zu sein, war es nur eine Halbe."
"Trotzdem war es falsch, dass du mir das angeboten hast. Weil du auch genau weißt, was eine einzige, oder eine halbe Zigarette anstellen kann. Hätten wir das im Urlaub nicht gemacht, wäre ich nie auf die Idee gekommen, hier so viel zu rauchen."
"Ahja. Bist du dir da sicher?"
Er lässt seinen Freund nicht antworten.
"Als ob du das sonst nicht gemacht hättest. In dem Kontext, in der Umgebung, mit den Leuten, mit dem Hintergrund. Erzähl mir doch nichts! Kaum bin ich einen Abend weg, kommen deine scheiß Kumpels und die ganze Arbeit der letzten Monate ist weg. Einfach so. Futsch."
Felix nickt. Vielleicht einsichtig, vielleicht aus Prinzip. Zusätzlich beißt er sich auf die Lippe. Tommi ist noch immer nicht fertig.
"Was sollte das? Wolltest du vor ihnen männlich sein oder was? Was willst du denen beweisen? Du verdienst von den allen am besten, siehst am besten aus, hast die meisten Fans, bist am besten trainiert. Was willst du noch? Mit Alkohol und Zigaretten anzugeben ist schwach, das weißt du. Das ist richtig dumm und naiv. Einfach nur schwachsinnig, kindisch. Ich dachte, du wärst 30 und nicht 13. Das ging mir eh schon immer auf'n Sack mit deiner toxischen Berlin-Neukölln-Maskulinität und ich war immer froh wenn, du das nicht hast raushängen lassen. Ich dachte, du wärst darüber hinweg. Aber nein, anscheinend muss ich dich auf dem Weg da raus immernoch an die Hand nehmen."
"Pass mal auf. Du musst mich nicht bevatern, meinen Babysitter spielen oder rund um die Uhr auf mich aufpassen. Das habe ich nie gefordert. Ich wollte einfach Mal wieder einen schönen Abend mit meinen Jungs. Sie haben sogar beim Abschied gesagt "Es war uns eine Ehre, wieder mit dir gefeiert zu haben.""
"Ein Abend, an dem du fast verreckst und deinem Körper nur Scheiße antust, ist also ein schöner Abend? Felix, seit wann bist du so unvernünftig?!"
"Hör Mal zu, ich bin erwachsen, verdiene mein eigenes Geld, habe mein eigenes Auto, meine eigene Wohnung. Ich bin von niemandem abhängig. Ich kann machen, was ich will. Ich kann so viel Alkohol trinken wie ich will, so viel rauchen wie ich will. Und wenn ich daran verrecke, ist es immernoch mein Körper und meine Entscheidung. Du musst ja nicht mit mir zusammen sein, wenn dir mein Verhalten nicht passt."
Äh bitte tötet mich nicht danke
Schönen Sonntag noch
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Platzierte, verkopfte, elegalante Gemischtes Hack Story
RandomKreativerer Titel kommt vielleicht noch,aber so wisst ihr wenigstens, worum es geht. Für die Tzex-Ferkel: Kapitel 18: Felix top, Sicht Felix Kapitel 57: Felix top, Sicht Tommi Kapitel 69: Tommi top, Sicht Tommi Kapitel 100: Tommi top, Sicht Felix Ka...
