Kurze Warnung: In diesem Kapitel geht es um Essstörung. Falls ihr also Probleme mit diesem Thema habt und euch die Gedanken dieser Personen triggern können, müsst ihr nicht lesen :)
Perspektive Thomas "Tommi" Schmitt
Das Loch in meinem Bauch klafft nicht mehr.
An das Gefühl des Hungers habe ich mich mehr als gewöhnt.
Alibi-Essen.
Nur, um danach wieder zu kotzen.
Weil ich Bauchschmerzen bekomme.
Beim Gedanken an Essen.
Beim Essen.
Nach dem Essen.
Immer.
Immer, wenn mein Magen nicht leer ist.
Der Hunger tut nicht weh.
Die Sättigung schon.
Noch liege ich im Bett, es ist morgens und wir haben heute nichts vor.
Jeder Tag bietet eine neue Möglichkeit, nichts zu essen.
Jede Mahlzeit eine neue Möglichkeit, zu kotzen.
Und heute wird wieder so ein Tag, an dem ich diese Chancen nutzen werde.
Wie gewohnt greife ich zu meinem Handy und öffne Instagram und schaue ein paar aktuelle Stories der Leute, denen ich folge- wilde Partynächte, romantische Abende und Produktwerbungen. Überall Essen, hübsch aufbereitet und inszeniert, appetitanregend. Doch tatsächlich muss ich für einige Sekunden wegsehen und danach schnell weiterklicken. Denn ich verspüre reinen Ekel.
Meine Instagram-Stories haben sich nicht verändert.
Noch immer esse ich jeden Sonntag Kuchen, manchmal auch unter der Woche.
Doch das, was danach, dahinter, hinter der Social-Media-Fassade passiert, bekommt keiner mit. Teilweise nichtmal meine Freunde oder engsten Bekannten.
"Komm Schatz, Frühstücken!" höre ich die helle Stimme meiner Freundin aus der Küche.
Doch anstatt positive Gefühle zu wecken, löst sie eine Panikreaktion aus: Ich renne ins Bad und schließe mich ein. Beim Gedanken an Essen wird mir schlecht. So schlecht, dass ich mich hinsetzen muss.
Mein gesamter Körper spannt sich an. Jeder einzelne Muskel. Ich habe zwar in der letzten Zeit enorm abgebaut, troztdem spüre ich es deutlich.
Gegen die Reizüberflutung schließe ich die Augen und lasse den Kopf fallen, froh darüber, dass er wenigstens an meinem Hals hängt und nicht jetzt im Bad rumrollt.
"Tommi?" ruft sie erneut, ein unsicheres "Ja, gleich." bringe ich ihr entgegen. Ich rappele mich auf, fahre mir mit einem Blick in den Spiegel kurz durch die Haare, schließe dann das Bad auf und verlasse es.
"Guten Morgen." sage ich als, ich Selina sehe und lächle, streiche ihr über den Hintern und gebe ihr einen Kuss auf die Schläfe.
"Setz dich." sagt sie freundlich, ich folge ihrer Anweisung.
Als der Teller vor mir üppig mit Rührei bestückt ist, Brötchen und Aufstriche in Hülle und Fülle den Tisch bedecken, kann ich einfach nichts essen. Es ist ansehnlich und einladend, wirklich. Aber ich kann nicht.
Mein Magen knurrt. Ziemlich laut.
Ich ziehe den Bauch ein und drücke ihn zusammen, sodass es wehtut. Alles in der Hoffnung, dass es aufhört. Es ist immer unangenehm, weil es unnötiges Aufsehen erregt.
Ich esse nur zu diesem Zweck. Nur, um dieses Geräusch auszuschalten. Nicht, weil ich Hunger habe. Für die anderen.
Argwöhnisch sieht mich Selina an, viele Male schon hat sie mitbekommen, dass ich trotz der offensichtlichen Leere in meinem Magen nichts oder nur sehr wenig esse. Beim Kotzen jedoch hat sie mich noch nicht erwischt.
Stille Minuten vergehen.
Sie seufzt.
"Dann iss halt nicht."
Sie steht auf, nimmt die Teller und räumt sie weg- ihren in den Geschirrspüler und meinen sauberen zurück in den Schrank.
Ich bleibe perplex am Tisch sitzen, sie höre ich ins Wohnzimmer gehen. Eigentlich ist alles albern- mein Verhalten, meine Gedanken, meine Gefühle. Aber ich kann nicht anders. Auch, wenn ich es will.
WhatsApp
Selina: "Hi. Ich fang direkt an. Meinst du auch, dass Tommi eine Essstörung hat?"
Felix: "Mir is schon aufgefallen, dass er manchmal komisch oder wenig isst. Würde das aber noch nicht als Essstörung kategorisieren"
Selina: "Zur Zeit isst er im Prinzip gar nichts mehr"
Felix: "Ihr seid doch immer beieinander, schaust du seine stories nicht? er isst doch dauernd Kuchen."
Selina: "Ja, Kuchen, das stimmt. Aber es ist auch nur Kuchen, was er isst. Zucker, Fett."
Felix: "Aber nichts nährstoffreiches, hm. Verstehe. Seit wann macht er das?"
Selina: "Mehrere Wochen. War vorher schon immer grenzwertig, seit er von dir wieder da ist, kann ich dir an beiden Händen abzählen, was er gegessen hat."
Felix: "Scheiße."
Selina: "Nicht, dass er Kalorien gezählt hat oder so. Aber ich habe auch beim Einkaufen gemerkt, dass er ganz anders drauf ist."
Felix: "Kenne sein Supermarktverhalten... ziemlich aktiv, aufgedreht, kauft alles, was er noch nicht kennt und noch viel mehr.."
Selina: "Richtig. Er war in den letzten Wochen nur vier mal einkaufen. Sonst hab ich alles mitgebracht, weil sein Kühlschrank einfach leer war."
Felix: "Und sonst geht er gefühlt jeden Tag einkaufen...Ich weiß schon.."
"Ich glaube wir beide kennen Tommi ziemlich gut und wissen, dass er so nicht normal ist. Ich verstehe ihn nicht mehr."
"Ich mache mir Sorgen."
"Ich auch. Große Sorgen."
"Meinst du, er ist depressiv?"
Felix' Schreibstil merkt man an, dass es ihm nur um Tommi geht. Selina fungiert für ihn nur als Mittler in der Kommunikation zu ihm.✌
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Platzierte, verkopfte, elegalante Gemischtes Hack Story
RandomKreativerer Titel kommt vielleicht noch,aber so wisst ihr wenigstens, worum es geht. Für die Tzex-Ferkel: Kapitel 18: Felix top, Sicht Felix Kapitel 57: Felix top, Sicht Tommi Kapitel 69: Tommi top, Sicht Tommi Kapitel 100: Tommi top, Sicht Felix Ka...
