27. Dezember 2019, 4:44 Uhr
Perspektive Thomas "Tommi" Schmitt
"Na dann machen wir das doch." lächelt Felix und schaut auf die Uhr. "Perfekte Uhrzeit würd' ick sagen, wa?". Er hält seine Rolex so, dass ich das Ziffernblatt sehen kann und ich nicke grinsend.
Stumm ziehen wir uns an, innerlich grinse ich wie Honigkuchenpferd und verfolge mit den Augen, wie er Schlüssel und Handy nimmt, seine Jackentaschen abklopft, Nichts findet und den Blick über jegliche Tische und andere Oberflächen von zum Beispiel Schränken in Sichtweite schweifen lässt. Den Gedanken, dass er instinktiv nach Zigaretten sucht, verwerfe ich sofort, auch, wenn er wahrscheinlich berechtigt ist.
Die Wohnungstür fällt hinter uns ins Schloss und wir gehen die Treppe herunter. Aus jedem Fenster auf jedem Stockwerk schaue ich neugierig, um die sich verändernde Perspektive auf die Straßen Berlin's aufzuschnappen. Wie ein kleines Kind rutsche ich wortwörtlich mit links an den Handläufen das Geländer hinunter und hüpfe die Stufen nach unten schon förmlich.
Felix folgt mir gemächlicher und ich sehe ihn grinsen, als ich unten an der halb geöffneten Haustür stehe und mit meinem Fuß dafür sorge, dass sie nicht wieder zufällt und zu ihm gewandt bin. Meine unergründliche Motivation kommentiert er nicht. Als er die Tür dann hinter mir schließt, spüre ich Felix' Hand über meinen Hintern streichen. Die Frage, ob das Absicht war oder nicht, stelle ich mir nicht einmal mehr und drehe mich auch nur um, um zu schauen, wie weit er noch hinter mir ist. Meinen kleinen Vorsprung holt er jedoch schnell auf und mein Blick bleibt noch kurz an seinem Profil hängen, bis mich eine tiefe, rauchige Stimme davon ablenkt.
"Felix, Tommi! Mensch, dass ich euch jetzt hier treffe!".
Henning freut sich offensichtlich, uns zu sehen und auch Felix ist von kurzem Quatschen mit seinem Nachbarn nicht abgeneigt. "Freut mich, wie geht's?" will der Sänger wissen, ich quittiere seine Frage nur mit einem freundlichen Nicken. Felix führt das Gespräch direkt weiter: "Gut, gut. Was machst du denn noch hier?". Henning erzählt bündig, dass er von seinen Bandkollegen und ein paar weiteren Freunden kommt und sich auf dem Weg nach Hause befindet. Felix nickt lächelnd und erläutert kurz unseren Nächtlicher-Spaziergang-Gate.
Ich unterhalte mich mit Henning ein bisschen über das Lied "Tommi" und teile ihm zum bestimmt hundertsten Mal mit, wie toll ich es finde und, dass ich fast bei jedem Hören weinen muss. Immer mal wieder schiele ich besorgt zu Felix, der wie gebannt auf den Boden einige Meter hinter dem Sänger starrt und irgendwie aufgewühlt zu sein scheint. Nach kurzen weiteren Belanglosigkeiten verabschieden wir uns von ihm und setzen unsere Wege in die jeweils andere Richtung fort.
"Ich hatte bei seiner Stimme so krass Rauchverlangen. Scheiße, man.". Felix fährt sich mit der rechten Hand überfordert über das Kinn und was ich von seiner Mimik im spärlichen Licht erkennen kann, zeugt tatsächlich von gewisser Verzweiflung. Ich weiß nicht, was ich antworten kann, um ihm zu helfen. Ich weiß nur, was ich nicht erneut erwähnen sollte: dass Henning von einer Party kommt und eine leichte Alkoholfahne zu vernehmen war. Zum Glück nicht so stark, dass es unangenehm wäre, gerochen haben muss er es troztdem.
Nur leider bringt mir dieser Fakt gerade herzlich wenig, also setzen wir den Weg erst einmal stumm fort. Mit ihm weiter über Alkohol und Zigaretten zu reden, wäre nur kontraproduktiv.
Zum Glück bricht Felix nach einigen hundert Metern aufgeregt das Schweigen: "Tommi, ich muss dir 'was zeigen!". Mitten auf einer Brücke hält er an und senkt seinen Kopf gen Fluss unter uns. "Rate mal, wie die Brücke hier heißt.". Er kichert und sieht mich an, als gehe er davon aus, als hätte ich irgendeinen Plan. Unwissend schüttele ich den Kopf, habe keine Lust, das verbal zu verneinen, schaue ihn nur interessiert an. Als er sich dann von seinem Kicheranfall beruhigt hat, klärt er mich mit noch hoher Stimme auf: "Hobrechtbrücke.". Stolz grinst er mich an, als trüge das Bauwerk nur seinetwegen diesen Namen. Lachend und leicht ungläubig schüttele ich meinen Kopf, habe aber nicht das Bedürfnis, den Wahrheitsgehalt seiner Aussage zu prüfen. Felix stützt seine Unterarme auf das Brückengeländer und aus Bequemlichkeit tue ich es ihm gleich.
Die frische Nachtluft und der verhältnismäßig ruhige Anblick Berlins schafft Platz für neue Gedanken und beseitigt auf angenehme Weise die an meine Eltern, welche fast permanent anderen Überlegungen und mir die Luft zum Atmen nehmen. Das Lied "Nachtluft" von Fabian Römer schießt mir in den Kopf und ich muss verträumt lächeln.
Nur gedämpft höre ich dadurch, dass Felix auf die andere Seite geht und sich dort über das Brückengeländer lehnt.
Da ich davon ausgehe, dass er schon nichts Dummes anstellen wird, verfolgen meine Augen einfach weiter die kleinen Wellen des Landwehrkanals. Dass ich über so viel geographische Kenntnis noch verfüge, macht mich zugegeben schon etwas stolz. Wenn mich nicht Alles täuscht, kann ich sogar sagen, dass wir uns am Paul-Lincke-Ufer befinden und um einfach den nächsten Ortskundigen zu fragen, drehe ich mich nach rechts. Wider meiner Erwartungen treffe ich dort jedoch keinen Felix Lobrecht an, was mich kurz panisch werden lässt, doch die Schritte und dann seine Silhouette neben mir beseitigen diesen Zustand direkt wieder. "Haste mich gesucht, wa?" grinst der Blonde vor mir und schaut mir mit seinem frechen Grinsen direkt in die Augen.
Die Atmosphäre ist grundlegend romantisch- nur wir zwei, eine Brücke, der frühe Morgen, angenehmes Wetter und auf einmal wieder Felix' Lippen auf Meinen. Ich muss nicht viel tun, um meinem Sinn für Romantik und Schnulze Ausdruck zu verleihen, wenn er das von sich aus tut. Nur nochbleicht unsicher erwidere ich seinen Kuss und taste nach seinen Händen, berühre ihn aber aufgrund meiner geschlossenen Augen neben seinem Schritt. Um das zu kaschieren, stecke ich einfach meine Hände in seine jeweilige Hosentasche und nach einem Grinsen seinerseits lösen wir unsere Lippen wieder; mein Kopf fällt mit der Stirn voran auf seine Schulter.
Wie kann er das so wegstecken, als wär es nichts Aufregendes, Neues oder Ungewöhnliches? Für mich ist jede intime Berührung immernoch total spannend.
"Tommi?" fragt er zeitgleich zu meinem "Felix?".
Kurz ist mir nach Lachen, doch schnell entscheide ich, ihm den Vortritt zu lassen und denke erst noch einmal über die Relevanz meines Anliegens nach.
"Tommi?" setzt mein Gegenüber erneut an und wartet mit seinen Ausführungen, bis ich ihn anschaue.
"Kannst du mir versprechen, mich nicht ohne meine Einwilligung einem Krankenwagen auszuliefern, der mich womöglich ins Krankenhaus transportiert? Nur mal so, prophylaktisch.". Sein Gesichtsausdruck verrät tiefste Unsicherheit und Angst, worauf er wahrscheinlich nicht einmal abzielt. Eigentlich finde ich seine Bitte abwegig und nicht pauschal versprechbar, nicke aber trotzdem. Zufrieden lächelt er, nickt ebenfalls, sagt "Danke." und fragt nach meinem Anliegen.
Noch einmal über meine Selbstzweifel nachgedacht habe ich nicht, also rede ich einfach: "Ich glaube, ich fühle zu viel beim Küssen."
Felix ist eine Denkpause gegönnt, da auch ich mich erst einmal genauer auf die kommende Konversation vorbereiten muss.
Ich will "uns". Aber mehr als das "wir", unter dem wir als Podcaster bekannt sind. Ich kann "uns" aber nicht definieren. Wir haben vorher noch nie über "uns" gesprochen.
Mehr als doppelt so lang geworden, als geplant, ist aber nicht schlimmm, weil das, was in den nächsten Kapiteln erst kommt, schon vor einiger Zeit geplant war, also hier einfach mal etwas mehr auf einmal aufs Auge!
Welche Tipps würdet ihr Tommi geben und wie definiert ihr "die beiden"?
Schreibt's mal in die Drunterkommis, Leute! Danke. Vielen Dank. Danke.
Knv!
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Platzierte, verkopfte, elegalante Gemischtes Hack Story
RandomKreativerer Titel kommt vielleicht noch,aber so wisst ihr wenigstens, worum es geht. Für die Tzex-Ferkel: Kapitel 18: Felix top, Sicht Felix Kapitel 57: Felix top, Sicht Tommi Kapitel 69: Tommi top, Sicht Tommi Kapitel 100: Tommi top, Sicht Felix Ka...
