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𝐁𝐞𝐥𝐢𝐧𝐝𝐚

cuatro años después

„Alles okay, Schwesterherz?" Ehe ich reagieren kann, wird mir ein Sack über den Kopf geworfen, und ich spüre einen heftigen Schlag gegen meine Schläfe. Sterne tanzen vor meinen Augen, und ich kämpfe darum, bei Bewusstsein zu bleiben. ,,Dios, was machst du?!, höre ich noch seine Stimme schimpfen. Doch die Dunkelheit übermannt mich.

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Langsam öffne ich meine Augen und spüre etwas Weiches unter mir. Ich hätte mit einem Stuhl gerechnet, naja, besser für mich. „Alles okay, Schwesterherz?" höre ich seine Stimme in meinem Kopf widerhallen, als mir einfällt, warum und weshalb ich hier bin. Ruckartig stehe ich auf, doch mir wird sofort wieder schwindelig und ich lasse mich zurück auf das Bett fallen. Ich schaue mich um: ein Schlafzimmer, sehr neutral gestaltet. Langsam richte ich mich auf und lasse meine Füße den Boden berühren. Mit leisen Schritten gehe ich zur Tür, bitte Dios, steh an meiner Seite. Ich drücke die Türklinke herunter und die Tür geht auf. Mein Puls schießt in die Höhe und ich schaue nach rechts und links in den Flur. Der Flur ist schwach beleuchtet, und ich höre leise Stimmen aus einem Raum am Ende des Ganges. Vorsichtig schleiche ich mich vorwärts, jede Faser meines Körpers angespannt. Als ich mich der Tür nähere, hörte ich schmerzvolles stöhnen

Ich spähe um die Ecke und sehe zwei Männer, eher gesagt, wie einer auf den anderen einschlägt. „Hab ich dir einen Befehl gegeben, sie zu schlagen?" knurrt der Mann, der über ihm steht. Der andere Mann schüttelt hektisch den Kopf, und wieder schlägt der erste Mann zu. Meine Augen weiten sich vor Schock, und mein Herzschlag beschleunigt sich. Ich halte den Atem an, um nicht entdeckt zu werden, während ich die Szene beobachte. Der Mann am Boden keucht und wimmert, Blut läuft aus seiner Nase. „Du weißt, was passiert, wenn du ohne Erlaubnis handelst," sagt der Mann drohend und packt den anderen am Kragen, zieht ihn nah an sein Gesicht. „Wenn du sie noch einmal anrührst, bevor ich es sage, wirst du es bereuen." Der Mann am Boden nickt eifrig, Tränen mischen sich mit dem Blut auf seinem Gesicht. Der Angreifer lässt ihn los und tritt zurück, um seinen Ärmel abzuwischen, als ob das Blut ihn beschmutzt hätte. Plötzlich merke ich, dass mein Versteckspiel ein abruptes Ende findet. Ein drittes Paar Hände packt mich von hinten und schleudert mich auf den harten Flur. Der Aufprall raubt mir den Atem, und ich keuche, als ich versuche, mich zu orientieren. 

„Markus," brüllt er. Sofort tritt der Mann, der mich auf den Boden geschleudert hat, zurück und senkt seinen Kopf. „Belinda," sagt der Fremde und kommt auf mich zu. Ich schaue hoch, meine Augen weiten sich. „Reyes?" flüstere ich, als ich sein Gesicht erkenne. Die Überraschung und Verwirrung in meinen Augen muss offensichtlich sein. Warum bin ich hier? Was hat er mit all dem zu tun? Wer ist er? „Ja, Belinda. Ich bin es," sagt Reyes ruhig, seine Augen fixieren meine. „Es tut mir leid, dass es so weit kommen musste."

,,Que?", hauch ich. Ich versteh die Welt nicht mehr.„Was... was machst du hier?" frage ich, mein Herz rast. „Was geht hier vor?" Reyes seufzt und tritt näher, seine Miene zeigt eine Mischung aus Bedauern und Wut. „Es ist kompliziert, Belinda. Du hättest nie in diese Situation geraten sollen." 

,,Ich versteh nichts! Red Klartext! Wer bist du?", brüll ich ihn an. Reyes deutet mit dem Kopf auf Markus und die anderen Männer. „Lasst uns allein." Die Männer zögern, aber ein scharfer Blick von Reyes lässt sie gehorchen. Sie verlassen den Raum und schließen die Tür hinter sich.

„Belinda," beginnt Reyes, als wir allein sind, „du bist ein Pfand in einem Spiel.."

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Tief einatmend sitze ich kerzengerade auf meinem Bett, wo ich vor vier Jahren genau auf dem lag, neben mir liegt mein tief schlafender Sohn. Seine sanften Atemzüge sind das Einzige, was die Stille im Raum durchbricht. Er ist eine Kopie seines Vaters, doch wenn ich in seine schlafenden Augen sehe, erkenne ich meine eigenen darin wieder. Die Ähnlichkeit ist fast überwältigend, und sie bringt die Erinnerung schmerzhaft zurück. Langsam steigen Tränen in mir auf, die ich verzweifelt zu unterdrücken versuche. Ich will ihn nicht aufwecken. Mit leisen, vorsichtigen Bewegungen schiebe ich die Decke zur Seite und stehe auf. Meine Füße berühren den kühlen Boden, und ich spüre, wie der Schmerz in meiner Brust intensiver wird. Ich gehe zum Bad und schließe die Tür hinter mir, lehne mich gegen das Waschbecken und sehe mein Spiegelbild an. Die Tränen, die ich zurückgehalten habe, beginnen zu fließen, lautlos und doch so schwer. Jeder Tropfen erzählt eine Geschichte, die ich nicht mehr aussprechen kann. Es ist alles zu viel – die Erinnerung an die Vergangenheit, die Verantwortung der Gegenwart. Langsam drehe ich den Wasserhahn auf und spritze mir kaltes Wasser ins Gesicht, in der Hoffnung, die Tränen zu stoppen. Doch das kalte Wasser kann den Schmerz in meinem Herzen nicht lindern. Es erinnert mich nur daran, dass ich stark sein muss, dass ich für meinen Sohn da sein muss. Aber in diesem Moment, allein im Badezimmer, erlaube ich mir, schwach zu sein, nur für einen Augenblick. Ich wische mir die Tränen weg und sehe wieder in den Spiegel. Die Tränen sind getrocknet, doch der Schmerz bleibt. Tief durchatmend straffe ich die Schultern. Mit einem letzten Blick in den Spiegel verlasse ich das Bad und kehre zu meinem schlafenden Sohn zurück. 

The missing mafia daughterWo Geschichten leben. Entdecke jetzt