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𝐁𝐞𝐥𝐢𝐧𝐝𝐚

Seine Schritte kommen näher, bis er direkt vor mir steht. Ich wage nicht aufzusehen, mein Körper ist wie festgefroren von Schmerz.

Plötzlich spüre ich seine Hände. Stark, warm, unerschütterlich. Er packt mich unter den Armen, hebt mich hoch, als wäre ich federleicht, obwohl ich mich so schwer von Schuld und Schmerz fühle.

Ein Ruck – und dann bin ich in seinen Armen. Mein Kopf gegen seiner Brust gedrückt, während er mich umschließt, so fest, dass es fast weh tut, aber es ist der einzige Halt, der mich nicht zerbrechen lässt.

„Belinda..." Seine Stimme ist heiser, fast gebrochen. „Sag so etwas nie wieder."

Ich will mich wehren, ihn wegstoßen, doch meine Finger krallen sich in sein Hemd. Meine Tränen durchnässen den Stoff, während er seine Hand in mein Haar legt und meinen Hinterkopf sanft an sich drückt.

Sein Herzschlag donnert gegen meine Wange. Stärker. Schneller. Er hält mich, als würde er mich nie wieder loslassen wollen. Ich höre nichts außer seinem Herzschlag. Laut, dumpf, unerbittlich. Keine Worte kommen über seine Lippen, nur seine Arme, die sich fester und fester um mich legen.

Ich klammere mich an ihn, unfähig zu fliehen, unfähig zu sprechen. Alles in mir schreit, alles in mir brennt, und doch ist da dieser unerträgliche Frieden in seiner Umarmung.

Seine Hand gleitet langsam meinen Rücken hinab, beruhigend, fast besitzergreifend. Ich spüre seinen Atem in meinem Haar, heiß, schwer – und dieses Schweigen zwischen uns sagt mehr, als jedes Wort je könnte.

Die Welt um uns scheint stillzustehen. Nur er. Nur ich. Und der Wald, der unsere Schreie verschluckt hat, trägt nun unser Schweigen davon.

Ein Räuspern. Leise, fast vorsichtig. Xavier. Ich hatte ihn vollkommen vergessen.
Leandros Arme verharren, er rührt sich nicht, doch ich spüre, wie seine Muskeln anspannen. Dieses Schweigen, das nur uns gehörte, zerbricht in tausend Splitter.

Langsam löse ich mich aus seiner Umarmung, meine Finger zittern, als ich ihn loslasse. Der Boden schwankt, aber seine Hand bleibt an meiner Taille, als wolle er mich nicht wirklich gehen lassen.

„Señor...," Xaviers Stimme ist zurückhaltend, doch eindeutig. „Wir sollten zurück."

Ich nicke, obwohl niemand mich danach gefragt hat. Meine Kehle ist trocken, ich bringe kein Wort heraus. Mein Herz hämmert gegen meine Brust, als hätte es Angst, dass ich gleich wieder zusammenbreche.

Leandro sieht mich an – dieser Blick, den ich kaum ertragen kann. So viel Wut, so viel Schmerz, so viel... etwas, das ich nicht benennen darf. Ich schaue weg, zwinge mich dazu, meinen Atem zu beruhigen.

Doch seine Hand löst sich nicht von mir.  Alles wird zu viel.

Ich kann kaum atmen, während wir nebeneinander hergehen. Meine Haut kribbelt noch von seiner Berührung, meine Beine sind schwer wie Blei, und in meinem Kopf rauschen die Bilder der letzten Stunden wie ein Sturm.

Ich bleibe abrupt stehen. Der Wald riecht nach Erde und kaltem Morgen, mein Herz hämmert so laut, dass ich denke, es muss jeder hören.

„Ich... ich kann nicht mehr," flüstere ich, ohne ihn anzusehen. Meine Stimme klingt fremd, rau, brüchig. „Es ist... zu viel. Alles."

Die Tränen kommen von selbst. Erst leise, dann stärker. Ich spüre, wie mein ganzer Körper zu zittern beginnt. Meine Hände suchen Halt in der Luft, doch da ist nichts.

Leandro bleibt einen Schritt hinter mir stehen. Ich sehe ihn nicht, ich spüre ihn nur. Sein Atem, schwerer als sonst. Kein Wort kommt von ihm, kein Versuch, mich zu berühren. Nur sein Schatten, groß und bedrohlich, fällt neben meinen.

The missing mafia daughterWo Geschichten leben. Entdecke jetzt