𝐋𝐞𝐚𝐧𝐝𝐫𝐨
Der Morgen kam viel zu schnell.
Ich war eingeschlafen, halb sitzend, halb wachsam, mit Tiago an meiner Brust und Sofia an meiner Seite. Als das erste Tageslicht durch die Vorhänge fiel, blinzelte Sofia mich an. Ihre Augen – meine Augen – wirkten jetzt weniger ängstlich, aber noch vorsichtig, als würde sie prüfen, ob alles von gestern noch real war.
„Papa", sagte sie leise, ganz selbstverständlich.
Dieses Wort ließ mich sofort wach werden.
„Guten Morgen, mein Herz", flüsterte ich. Meine Stimme war rau, aber ruhig.
Tiago bewegte sich, blinzelte verschlafen und brauchte einen Moment. Dann sah er mich an, runzelte die Stirn – und lächelte. Dieses kleine, ehrliche Lächeln, das Kinder nur zeigen, wenn sie sich sicher fühlen. „Ich hab von dir geträumt", sagte er stolz.
Ich lächelte zurück, auch wenn mir das Herz dabei fast überlief. „Ich war ja auch da."
Ich brachte sie gemeinsam ins Bad, half beim Zähneputzen, staunte darüber, wie selbstverständlich sie meine Nähe annahmen. Als wäre ich nicht gerade erst in ihr Leben gefallen. Als hätte ich immer dazugehört.
Beim Frühstück – Kakao, zu viel Brotkrümel, klebrige Finger – wurde es stiller. Die Realität setzte ein. Sofia sah immer wieder zur Tür.
„Mama schläft noch", sagte ich sanft, bevor sie fragen musste. „Nachher dürfen wir sie besuchen."
Das beruhigte sie nur ein wenig.
Als ich schließlich ins Schlafzimmer ging, wurde mir wieder bewusst, wie zerbrechlich alles war. Belinda lag im Bett, blass, ein dunkler Schatten an ihrem Arm. Als sie die Augen öffnete und mich sah, füllten sie sich sofort mit Tränen.
„Sie wissen es", sagte sie leise.
Ich nickte. „Ja."
Einen Moment lang sagten wir nichts. Fünf Jahre passten nicht in Worte. Weder ihre Angst noch meine Wut – oder das, was darunter lag: Schmerz über das Verlorene.
„Ich hatte solche Angst, sie zu verlieren", flüsterte sie. „Und dann... habe ich es immer weiter hinausgeschoben." Sie sah weg. ,,Es wird alles gut", langsam hebe ich meine Hand und streiche ihr die Haare vom Gesicht.
„Aber jetzt", fuhr ich fort, „jetzt geht es nicht um uns zwei. Jetzt geht es um Sofia und Tiago. Sie sind vier. Sie brauchen Stabilität. Ehrlichkeit. Und sie brauchen uns beide."
Belinda nickte langsam. Tränen liefen ihr über die Wangen.
Als ich zurück zu den Kindern ging, rannten sie mir entgegen. Sofia griff nach meiner Hand, Tiago nach der anderen. So einfach. So klar.
.
Eine Woche später war das Haus nicht mehr still vor Angst, sondern vor vorsichtigem Neubeginn.
Ich stand in der Küche und warte darauf das die Kaffeemaschine fertig ist, als ich Schritte hörte. Nicht die kleinen, schnellen von Sofia oder Tiago – sondern langsamere, sichere. Ich drehte mich um und sah Belinda im Türrahmen stehen. Ohne Hilfe. Aufrecht. Blasser noch, aber stolz.
„Geht", sagte sie ruhig, fast nüchtern.
Ich nickte, spürte, wie sich etwas in meiner Brust löste. „Das ist gut."
Die Kinder bemerkten es sofort.
„Mama!" rief Sofia und rannte zu ihr. Tiago folgte ihr, etwas stolpernd, und klammerte sich an Belindas Beine. Belinda ging in die Hocke – vorsichtig, aber selbstständig – und schloss beide in die Arme.
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The missing mafia daughter
FanfictionSie wollte ein normales Leben. Doch die Vergangenheit findet jeden. Belinda Castelli ist jung, schön und erfolgreich - eine Maklerin mit Stil, Verstand und einer geheimen Vergangenheit. Nach dem tragischen Verlust ihrer Eltern kehrte sie der gefährl...
