𝐋𝐞𝐚𝐧𝐝𝐫𝐨
Ich streiche Sofia sanft über den Rücken. Sie gähnt leise, versucht sich wach zu halten, aber ihre Lider werden schwer. Auch Tiago reibt sich die Augen, obwohl er sich sichtlich dagegen wehrt.„Es ist spät", sage ich leise, vorsichtig, als würde ich das Gleichgewicht in diesem Moment stören, wenn ich zu laut spreche. „Ihr solltet schlafen."Sofia klammert sich fester an meinen Arm. „Aber Mama ist noch nicht wach."„Ich weiß." Ich beuge mich leicht zu ihr herunter. „Aber sie wird sich freuen, wenn ihr morgen wieder bei ihr seid. Ausgeruht. Mit neuen Geschichten."Tiago schüttelt den Kopf, sein Blick noch immer auf Belinda gerichtet. „Ich will hierbleiben."Ich hocke mich vor ihn, auf Augenhöhe. Er sieht so klein aus in diesem riesigen Zimmer, aber sein Blick ist ernst, altklug – so viel älter, als er sein sollte.„Ich werde bei ihr bleiben, Santiago." Ich spreche langsam, deutlich. „Ich werde auf sie aufpassen. Du musst dir keine Sorgen machen."Er sagt nichts. Dann nickt er langsam.Nicht, weil er mir vertraut – noch nicht – sondern, weil er weiß, dass er im Moment keine Wahl hat.Ich richte mich auf, strecke die Arme nach Sofia aus.„Komm, pequeña. Ich bring euch rüber."Sofia legt ihren Kopf an meine Schulter. Ich spüre ihren Atem an meinem Hals, spüre das Vertrauen, das sie mir ohne Vorbehalt schenkt – das ich nicht verdient habe, aber das ich beschützen werde, mit allem, was ich bin.Tiago folgt mir, sein kleiner Schritt zögerlich, aber entschlossen.Adelia wartet bereits an der Tür, ihr Blick begegnet meinem.Ein stummes Verstehen.Ich übergebe ihr Sofia vorsichtig. „Bring sie ins Zimmer. Ich komme gleich nach."„Und du?" fragt Tiago leise.Ich knie mich noch einmal zu ihm runter, lege ihm eine Hand auf die Schulter.„Ich bin da. Ich bin ganz nah. Du kannst morgen gleich wieder zu ihr."Er nickt wieder, diesmal etwas schneller. Als ich seine kleine Hand in meiner spüre, bleibt sie länger, fester – fast wie eine Frage. Fast wie ein stilles: „Versprich es."Ich halte seinem Blick stand. „Ich verspreche es."Dann lasse ich ihn los.Und sehe zu, wie meine Kinder mit meiner Schwester aus dem Raum verschwinden.Ich drehe mich zurück zu Belinda.„Jetzt bist du nur noch du und ich," murmele ich und lasse mich langsam wieder an ihre Seite sinken.„Wach auf... bitte. Sie brauchen dich. Ich... brauch dich." Ich stehe noch einmal auf, richte mich, atme tief durch. Mein Blick fällt auf Xavier, der wie ein Schatten neben der Tür steht – aufmerksam, still, loyal.
„Ab jetzt," sage ich ruhig, aber mit der Härte, die in jedem meiner Worte mitschwingt, „betritt niemand diesen Raum, es sei denn, ich habe es erlaubt. Niemand. Verstanden?"
Xavier nickt sofort, ohne Fragen. Er weiß, was das bedeutet. Er weiß, dass ich niemanden mehr an sie heranlasse. Nicht jetzt. Nicht in diesem Zustand.
Ich warte, bis er die Tür schließt, bis absolute Stille einkehrt. Nur das leise Ticken der Standuhr an der Wand bleibt, und Belindas ruhiger Atem.
Langsam gehe ich zurück ans Bett. Sie liegt noch immer so regungslos da – fast zu ruhig. Ich setze mich wieder, beobachte ihr Gesicht. Jedes Detail kommt mir bekannt vor, wie aus einem Traum, den ich nie vergessen konnte: ihre Wangen, der zarte Bogen ihrer Lippen.
Ich strecke vorsichtig eine Hand aus, zögere – dann berühre ich ihr Gesicht, streiche sanft über ihre Wange.
„Was hast du mir angetan, Belinda..."
Ich weiß nicht, wie lange ich so dasitze. Vielleicht Minuten. Vielleicht Stunden.
Aber irgendwann kann ich nicht mehr nur am Rand stehen. Ich schiebe die Decke ein Stück zur Seite, lege mich langsam zu ihr, auf die andere Seite des Betts. Bewege mich vorsichtig, als könnte jede Bewegung sie stören, zerbrechen, fortschicken.
Dann ziehe ich sie langsam in meinen Arm. Nicht fest – nur nah genug, dass ich ihren Herzschlag an meiner Brust spüren kann. Dass ich weiß, sie ist noch da.
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The missing mafia daughter
FanfictionSie wollte ein normales Leben. Doch die Vergangenheit findet jeden. Belinda Castelli ist jung, schön und erfolgreich - eine Maklerin mit Stil, Verstand und einer geheimen Vergangenheit. Nach dem tragischen Verlust ihrer Eltern kehrte sie der gefährl...
