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𝐋𝐞𝐚𝐧𝐝𝐫𝐨

Ich höre, wie sich die Tür hinter ihr schließt.

Kein Schrei. Keine Träne. Kein Blick zurück.
Nur dieses Schweigen. Schwerer als jeder Vorwurf, den sie mir hätte entgegenschleudern können.

Meine Finger umklammern die Lehne des Sessels. So fest, dass das Holz unter dem Druck knarzt. Ich merke es kaum. Alles in mir ist angespannt. Verkrampft.

Ich habe es gesagt. Endlich.
Die Wahrheit.
Zu spät?

Ich weiß nicht, was ich erwartet hatte.
Vielleicht Tränen.
Vielleicht Wut.
Vielleicht... einen Funken Hoffnung?

Aber das? Diese Leere in ihrem Blick, bevor sie ging?
Es war, als hätte ich endgültig verloren. Nicht nur sie.
Mich.
Alles.

Mein Herz hämmert in meiner Brust.
Ich habe Fehler gemacht. Viele.
Und die schlimmsten davon haben sie getroffen. Mitten ins Herz.
Belinda.
Die Frau, die ich liebe.
Die Frau, die ich zerstört habe.

Ich fahre mir durch die Haare. Atme tief durch, versuche, meine Gedanken zu ordnen, aber sie prallen wie Wellen gegen Felsen – unaufhaltsam, unkontrollierbar.

Ich habe sie nicht nur belogen.
Ich habe sie im Dunkeln gelassen.
Sie gezwungen, allein mit all dem klarzukommen.
Und ich? Ich habe sie gesucht, ja. Aber... auch das aus falschen Gründen. Kontrolliert. Verzweifelt. Nicht aus Liebe, sondern aus Angst, sie zu verlieren.

Und jetzt? Jetzt verliere ich sie trotzdem. Ich senke den Kopf. Vielleicht... Vielleicht habe ich es verdient. 

Ich starre aus dem Fenster. Schwarze Nacht, leere Weite. Das Glas in meiner Hand ist halb voll, aber es bringt nichts. Nichts, was diesen Sturm in mir beruhigt. Belindas Stimme hallt noch in meinem Kopf. Ihre Worte haben mich härter getroffen als jede Kugel, die ich je abbekommen habe.

Die Tür geht auf. Ohne Anklopfen. Natürlich.
Lorenzo. Dahinter Emilio. Und ganz hinten: Adriano – wie immer schweigend, aber seine Augen sagen alles.

„Du musst aufhören, so zu tun, als hättest du alles unter Kontrolle", sagt Lorenzo.

Ich sage nichts. Wozu?
Ich nehme einen Schluck. Bitter. Wie mein Leben.

„Wir wissen, was passiert ist", meint Emilio. „Du hast es ihr gesagt."

Ich drehe mich weg. Sehe ihre Gesichter nicht. Will es auch nicht.
„Sie wollte die Wahrheit, die längst kannte", murmele ich.

Adriano spricht zum ersten Mal. „Und du hast sie ihr gegeben, als wäre es ein Geschenk – dabei war es der letzte Tropfen Benzin auf ein längst brennendes Feuer."

Ich spüre, wie sich mein Kiefer anspannt.
„Was wollt ihr hören? Dass ich Fehler gemacht habe? Dass ich sie verletzt habe? Dass ich... jeden verdammten Tag bereue?"
Ich knalle das Glas auf die Kommode. Es zerspringt nicht. Leider.

„Warum hast du es ihr nie gesagt, Leandro?", fragt Lorenzo. „Am Anfang. Als du noch die Chance hattest."

Ich sehe ihn an. Direkt.
„Weil ich wusste, dass sie mich dann sofort verlässt."

Adriano schnaubt. „Also hast du sie behalten, indem du sie belogen hast. Typisch."

„Verdammt nochmal, ich wusste es nicht besser, okay?! Ich dachte... ich dachte, ich kann alles zusammenhalten."

Stille.
Das leise Ticken der Uhr bringt mich fast um.

Emilio verschränkt die Arme. „Jetzt kannst du nichts mehr halten. Nicht sie. Nicht dich."

The missing mafia daughterWo Geschichten leben. Entdecke jetzt