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𝐁𝐞𝐥𝐢𝐧𝐝𝐚

Ich steige hastig aus dem Auto, kaum dass Reyes anhält, und renne Richtung Haustür. Die Tür wird sofort von einer Angestellten geöffnet, als ob es meine Dringlichkeit spürt. „Sofía!" rufe ich mit klopfendem Herzen durchs Haus, meine Stimme schwingt vor Sorge. „¡Mamá!" höre ich ihre süße, vertraute Stimme und spüre, wie ein schwerer Stein von meinem Herzen fällt. Ich sehe, wie sie die Treppen hinunterrennt, ihr Lächeln breit und ihre Augen leuchtend. „Mi amor," flüstere ich, als ich sie in meine Arme schließe, sie an mich drücke und in eine enge Umarmung hebe. Ihre kleine, vertraute Gestalt gibt mir sofortige Ruhe, und ich spüre, wie die Anspannung des Tages von mir abfällt. „Belinda, es tut mir so leid," ruft Zaira, während sie die Treppen hinunterrennt. Ihre Stimme ist voller Panik und Schuld. „Ich hab mich kurz um Thiago gekümmert, weil er leicht hingefallen war, und plötzlich war sie weg," erklärt sie hastig, ihre Stimme zittert merklich. Ich sehe in ihre besorgten Augen, fühle ihren Schmerz und die Angst, die sie durchmacht. Mit Sofía sicher in meinen Armen, atme ich tief durch, spüre aber gleichzeitig den Nachhall des Schreckens, den Zaira durchlebt hat. „Es ist alles in Ordnung, Zaira," sage ich beruhigend, obwohl mein Herz immer noch schneller schlägt. „Sie ist hier, und das ist, was zählt."

Ich stelle meine Tochter vorsichtig auf den Boden und gehe vor ihr in die Hocke, um ihr in die Augen zu schauen. „Mi amor, warum bist du einfach gegangen, ohne jemandem Bescheid zu sagen?" Meine Stimme ist sanft, aber voller Besorgnis. Während ich mit ihr rede, lasse ich meinen Blick prüfend über ihren kleinen Körper wandern. Ich weiß, dass Zaira bereits eine Ärztin hat kommen lassen, die sie durchgecheckt hat, aber mein Instinkt zwingt mich, noch einmal sicherzustellen, dass wirklich alles in Ordnung ist. Ich streiche ihr sanft über die Arme und beuge mich vor, um ihre Knie und Hände zu überprüfen. Alles scheint in Ordnung zu sein.  „Es geht dir gut, oder?" frage ich leise und warte, bis sie mir mit einem kleinen, unschuldigen Nicken antwortet. Ein Stein fällt mir vom Herzen, doch die Angst und der Schrecken, sie auch nur für einen Moment verloren zu haben, sitzt tief. ,,Mach das nie wieder!", strengt schau ich sie an. 

,,Si mama", flüstert sie schuldbewusst. ,,Komm her", ganz stark umarmt sie mich. 

„Ich wollte nur ein Eis," nuschelt Sofia leise, während sie mit dem Fuß leicht auf dem Boden scharrt. Ich streiche ihr sanft über den Kopf und lächle beruhigend. „Ja, mein Schatz, du kannst alles haben, was du möchtest, aber du darfst nicht einfach weglaufen, ohne jemanden zu fragen. Das ist gefährlich, und wir machen uns Sorgen um dich." Ich versuche, meine Stimme ruhig und liebevoll zu halten, obwohl die Panik, die ich vorhin verspürte, immer noch in mir nachhallt. Sofia nickt langsam, als die Bedeutung meiner Worte bei ihr ankommt.„Wer hat dir denn das Eis spendiert?" frage ich sanft, obwohl mir das Unbehagen in der Magengegend verrät, dass mir die Antwort möglicherweise nicht gefallen wird. Zaira hatte mir erzählt, dass jemand Sofia das Eis gekauft hat.  Sofia zuckt mit den Schultern, ihre kleinen Hände spielen nervös mit den Falten ihres Kleides. „Ich weiß es nicht," antwortet sie schließlich, ihre Stimme kaum mehr als ein Flüstern. Ein unbehagliches Gefühl kriecht in mir hoch, während ich versuche, die Fassung zu bewahren. Es war nur ein Eis, sage ich mir. Aber das Bild von ihr, alleine und verletzlich, wie sie jemandem Fremden gegenübersteht, lässt mich nicht los. „Aber er war nett," strahlt Sofia mit einem unschuldigen Lächeln. Ihre blauen Augen leuchten, und sie scheint keine Ahnung zu haben, warum mich ihre Worte so nervös machen. Ich lache kurz auf, um meine Unruhe zu verbergen, und streiche ihr sanft über die Haare. „Wie sah er denn aus, mi amor?"

Sofia überlegt kurz und runzelt die Stirn, während sie sich an den Mann zu erinnern versucht. „Er war groß, hatte eine Mütze und eine Sonnenbrille an. Und viele Sticker auf Arme." Sie zögert, als ob sie nach den richtigen Worten sucht. „Aber er hat nicht so viel geredet. Er hat mir nur gesagt, dass ich vorsichtig sein soll, warum ich alleine bin und so." Ich nicke langsam, während ich ihre Worte verarbeite. Es klingt harmlos, aber etwas in mir bleibt alarmiert. „Hat er sonst noch etwas gesagt oder getan?" frage ich vorsichtig. Sofia schüttelt den Kopf. „Nein, Mama, er war einfach nur nett. Dann hab ich mein Eis bekommen und bin zu Tante Zaira gelaufen." „Gut, mein Schatz," sage ich sanft und gebe ihr einen Kuss auf die Stirn. „Aber das nächste Mal, wenn du Eis möchtest, fragst du mich oder Tante Zaira, okay? Wir wollen nur, dass du sicher bist." Sofia nickt brav, und ich lächle sie beruhigend an. ,,Na lass, ab ins Bett"

The missing mafia daughterWo Geschichten leben. Entdecke jetzt