𝐁𝐞𝐥𝐢𝐧𝐝𝐚
Zuhause angekommen öffnet sich die schwere Tür mit einem sanften Quietschen. Kaum hat sich der Spalt weit genug geöffnet, rennen Tiago und Sofia auch schon los – lachend, mit den Schuhen halb ausgezogen, geradewegs ins Wohnzimmer.
„Vorsichtig! Nicht rennen!" rufe ich noch hinterher, aber es ist sinnlos. Ihre kleinen Füße trommeln bereits über den Marmorboden. Ich atme tief ein, schließe die Tür hinter mir, fahre mir einmal durchs Haar und folge langsam – mit einem seltsamen Gefühl in der Brust.
Und dann höre ich sie.
Eine Stimme, die mir sofort die Luft abschnürt.
Warm. Ruhig. Unverkennbar.
„Ist Sie das?"
Ich bleibe wie angewurzelt stehen.
Als ich um die Ecke in das Wohnzimmer trete, sehe ich sie:
Die Mutter von Leandro.
Meine... Schwiegermutter. Ex.
Elegant wie immer, in einem dunklen Kleid, das wie angegossen sitzt. Ihre Haare zu einem strengen Knoten gebunden, ihre Haltung aufrecht, stolz – fast wie eine Königin in ihrem eigenen Palast. Unsere Augen treffen sich.
Und plötzlich ist alles still.
Jedes Geräusch, jedes Lachen, jeder Atemzug – wie eingefroren.
Ihr Blick ist scharf. Prüfend.
Nicht feindselig. Aber auch nicht liebevoll.
„Belinda." Ihr Ton ist fest. Ohne jede Emotion.
Ich richte mich auf, obwohl mein Herz raste. „Señora."
Ein langsames Nicken. „Du bist zurück."
Ich atme aus. „Wurde eher zurückgebracht."
Ein Flackern in ihren Augen. Doch sie sagt nichts dazu. Stattdessen gleitet ihr Blick über mich hinweg, zu den Kindern. „Sie haben deine Augen", murmelt sie. Ich sage nichts. Ich weiß nicht, ob sie es als Vorwurf meint oder als Beobachtung. Die Kinder klammern sich an meine Beine und gehen ein schritt zurück als sie auf mich zukommt. Sie hält allerdings an, als sie merkt das die Kinder Angst vor ihr haben. Ihr Blick verfällt kurz, richtet sich aber schnell wieder.
,,Ich warte auf meine Söhne im Büro", gibt sie Xavier bescheid und geht elegant von uns weg. Ein letztes mal schaut sie uns noch an bevor Sie die Treppen hoch geht.
Ich sitze noch auf dem Sofa, während die Kinder neben mir kichern und sich gegenseitig Geschichten ins Ohr flüstern. Doch meine Gedanken hängen an ihrem Blick. An dem Moment, als sie mich angesehen hat – so scharf, so ruhig, und doch... war da etwas.
Ein Glanz in ihren Augen, den ich nicht sofort deuten konnte.Und jetzt begreife ich es.Kurz nachdem ich gegangen bin... ist ihr Mann gestorben. Leandros Vater. Mein Schwiegervater.Ich habe von Reyes mitbekommen, als ich von ihm entführt werden bin. Paar Tage später.Doch jetzt, wo ich ihre Augen gesehen habe – dieses Leere, diesen schwer vergrabenen Schmerz – weiß ich: Es hat sie getroffen. Tief.Tiefer, als sie je zugeben würde.Sie trägt es wie alles andere: still, kontrolliert, ohne ein Wort zu viel. Doch es ist da.Und es erklärt so vieles.Vielleicht sogar, warum sie mich so ansieht.Warum sie überhaupt hier ist.Nicht nur wegen Leandro.Nicht nur wegen den Kindern.Sondern weil sie selbst jemanden verloren hat.Und vielleicht – vielleicht – in meinem Gesicht all das sieht, was sie nicht mehr retten konnte.Ich ziehe Sofia ein Stück näher an mich.Ein Teil von mir will aufstehen, ihr folgen.Fragen stellen. Antworten fordern.Aber der andere Teil – der müde, erschöpfte, verletzte Teil – will einfach nur still bleiben.Und nicht noch mehr verlieren.
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The missing mafia daughter
FanfictionSie wollte ein normales Leben. Doch die Vergangenheit findet jeden. Belinda Castelli ist jung, schön und erfolgreich - eine Maklerin mit Stil, Verstand und einer geheimen Vergangenheit. Nach dem tragischen Verlust ihrer Eltern kehrte sie der gefährl...
