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Ich sah ihn nur an. Was er gerade gesagt hatte, verletzte mich mehr, als ich zugeben wollte. Was für eine dumme, dumme Idee mich darauf einzulassen, mich in ihn zu verlieben. Das hatte ich jetzt davon. Und wären wir uns vor ein paar Jahrzehnten begegnet, hätte ich tatsächlich nicht gezögert, Tommy das Herz rauszureißen für das, was er mir gerade unterstellt hatte. Doch die Dinge hatten sich in den letzten Jahren geändert. Ich war vorsichtiger geworden, nach allem was Klaus mir angetan hatte. Dass ich mich jedoch in einen Gangster mit einer tief kaputten Seele verlieben würde, damit hatte ich nicht in tausend Jahren gerechnet. Ich konnte ihm nicht wehtun. Zum ersten Mal in meiner jahrhundertelangen Existenz war ich nicht dazu in der Lage, völlig herzlos, kalt und berechnend zu sein.   Tommy hatte es geschafft, sich in meinem Herzen einzunisten und das war das beängstigendste, womit ich es je zu tun hatte. Lieber flüchtete ich jahrhundertelang vor Klaus und meinen anderen Feinden, als mich der Tatsache zu stellen, dass ich mich nach Stefan noch einmal verliebt hatte. Ich wollte nichts mehr, als in diesem Moment wegzulaufen, vor Tommy, vor der Liebe, die ich für ihn empfand, vor der Gefahr die dies unweigerlich mit sich brachte. „Es... es tut mir leid. Es ist mir rausgerutscht.", sagte Tommy. Doch wir beide wussten, dass man das, was einmal gesagt war, nicht mehr zurücknehmen konnte. „Ist es etwa das, was du über mich denkst? Thomas... wieso sollte ich das tun?" „Nein. Es ist meine gottverdammte Paranoia. Und ich weiß nicht, warum du das tun solltest. Es gibt wahrscheinlich endlos viele Möglichkeiten." „Ich habe dich nie manipuliert. Nicht ein einziges Mal. Ich wollte, dass das zwischen uns echt ist. Und ich wollte keine Geheimnisse zwischen uns. Zumindest nicht dieser Art." „Es gibt eine Menge Geheimnisse zwischen uns, Katherine. Aber die sind mir vollkommen egal. Wir beide wissen, dass der andere genügend furchtbare Dinge getan hat. Gott weiß wie viele Menschen dir zum Opfer fielen, aus welchen Gründen auch immer. Damit kann ich wahrscheinlich mein Leben lang nicht mithalten. Aber auch ich habe schreckliche und unverzeihliche Dinge getan. Wir sollten uns aber nicht darauf konzentrieren, sondern darauf dass wir ohne den anderen nicht atmen können. Ich kann und will nicht ohne dich leben, Katherine." „Tommy... bitte... nicht...", sagte ich, meine Stimme kaum mehr als ein Flüstern. „Warum? Warum hast du so viel Angst davor, mich zu lieben und von mir geliebt zu werden?", fragte Tommy, Verzweiflung in seiner Stimme. „Weil es dich in Gefahr bringt! Dich und deine ganze Familie!", sagte ich und konnte fühlen, wie sich die Tränen in meinen Augen sammelten, bereit meine Wangen herunterzulaufen. Ich konnte das Zittern in meiner Stimme hören. Gott, es war ewig her dass ich so viel für einen einzigen Menschen fühlte. Ich senkte meinen Kopf und sah auf den Boden. Tommy hielt meine Hand nach wie vor fest in seiner. „Das ist mir egal. Wir haben noch nie in Sicherheit gelebt, Katherine." Dieser Satz brachte mich dazu, ihn wieder anzusehen. Er war mir so viel ähnlicher, als mir vorher bewusst war. Und plötzlich zog er mich an sich und umarmte mich fest. „Ich werde dich nicht gehen lassen. Ich liebe dich, Katherine Shelby. Und ja, irgendwann wird das dein Nachname sein. Denn ich werde dich heiraten." Ich vergrub mein Gesicht in der Sicherheit seiner Arme und stellte fest, dass der Name Katherine Shelby aus seinem Mund gar nicht so unpassend klang. Nach einer Weile lösten wir uns voneinander und Tommy gab mir einen sanften Kuss auf die Stirn. „Wir sollten uns wieder um Changretta kümmern, findest du nicht?", fragte Tommy. „Allerdings.", antwortete ich nur und wir gingen wieder herüber zu dem Stuhl, auf dem er gefesselt saß. Er hatte mittlerweile das Bewusstsein verloren also öffnete Tommy seinen Mund und holte ihn ins Bewusstsein zurück indem er ihm mit der Zange, die er zuvor neben den Stuhl hatte fallen lassen, als er nach meiner Hand griff, einen Frontzahn zog. Changretta schrie daraufhin fürchterlich. Ich lächelte höhnisch. „Das hat man davon, wenn man sich mit uns anlegt.", sagte Tommy kalt und zog Changretta den nächsten Zahn. Und so ging es weiter, bis Changretta keinen einzigen Zahn mehr in seinem Mund hatte und nur noch Blut spuckte. „Ich denke, wir sollten ihn einfach ausbluten lassen, Katherine." „Ja, nur müssen wir damit mindestens vierundzwanzig Stunden warten. Mein Blut befindet sich in seinem Kreislauf. Stirbt er, bevor es daraus verschwunden ist, kommt er als Vampir zurück." Tommy sah mich daraufhin geschockt an. Wahrscheinlich dachte er daran, wie oft er schon mein Blut in seinem Kreislauf hatte und glücklicherweise nicht gestorben war. „Warum hast du mir das nicht früher gesagt? Ich hätte jederzeit sterben können...", sagte er und bestätigte damit meine Vermutung. „Das hätte ich niemals zugelassen, Tommy.", antwortete ich. Tommy nickte nur und wandte sich wieder Changretta zu. Er verpasste ihm einige Schläge in die Magengrube, so hart dass Changretta beinahe mitsamt dem Stuhl umfiel. Danach drehte er sich wieder um und sah mich an. „Wenn das hier vorbei ist... solltest du mir einige Fragen beantworten. Ich muss ein paar Dinge wissen.", sagte er, ein wenig außer Atem. Ich schluckte kaum merklich. Er sah so gut aus in diesem Moment, als er mich ansah, die Wut auf Luca Changretta noch nicht ganz aus seinem Blick verschwunden, die Art wie sich seine Brust mit jedem Atemzug hob und senkte... Er meinte ernst, was er gerade gesagt hatte, doch ich dachte nur daran ihm die Kleidung vom Körper zu reißen. Ich biss mir auf die Unterlippe, um nicht zu stöhnen.

Me and the devilWo Geschichten leben. Entdecke jetzt