36: Barkeeper-Cop pt. II

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Ella

Seit ein paar Monaten komme ich, in meinen Augen, bei Kyle etwas zu kurz. Das betrifft exakt die Zeit, die er jetzt Undercover Aufträge bei der Polizei annimmt. Was er dazusagt? Na selbstverständlich, dass das ja gar nicht stimmt. Und dann muss er natürlich los.
Doch heute nicht.
Gerade mache ich mich fertig für das monatliche Mittwochs-Essen bei meinen Eltern. Ich liebe es. Wir wohnen leider eine Stunde entfährt und einmal im Monat kommen wir entweder zu Ihnen und Sie zu uns. Natürlich ist das nicht die Welt, aber dennoch sehen wir uns weniger als andere ihre Eltern. Deshalb bin ich sehr froh über dieses Essen und dass Kyle dabei ist, ist mir sehr wichtig.
„Oh wow – willst du etwa der Nachtisch sein?", fragt Kyle, der gerade aus dem Bad kommt. Frisch geduscht. Ich rolle zu seiner Aussage nur die Augen und trage dann weiter Lidschatten auf. Ich trage ein schwarzes enges Kleid, welches einen Beinschlitz hat und hauch zarte Träger über den Schultern. Der Ausschnitt mag von vorne nichtig sein, doch von Kyles Perspektive aus genau richtig.
„Mach dich fertig", sage ich, als er immer noch nackt im Türrahmen des Schalfzimmers steht und mich ansieht. „Du hast noch nasse Haare und wir wollen in ein paar Minuten los. Wir treffen uns heute bei meinen Eltern", meine ich und räume das Schminkzeug an Ort und Stelle, dann stehe ich auf und gehe auf meinen Ehemann zu. „Warum hab ich dich gleich geheiratet?", frage ich mich, als ich mich vor ihn stelle. „Du liebst mich, Amor, auch wenn du es nicht einsehen willst"

***

„Ella, liebes", begrüßt mich Mama mit einem Wangenkuss – rechts und links. „Hattet ihr eine gute Fahrt?", fragt sie sofort. Die Mitte 50-jähirge trägt ein blaues Knielanges Kleid, welches Schulterfrei ist. Ihre Haare sind zu einem strengen unteren Dutt gebunden. „Ja. Die Straßen waren fast leer". Natürlich begrüße ich auch meinen Papa, bevor wir ins riesige Esszimmer gehen und uns an den Tisch setzten. Wir tauschen uns über den neuesten Klatsch und Tratsch aus. Von Kyles Undercover Jobs darf ich leider nichts erzählen.
Das Essen ist wie immer köstlich und der Abend einfach harmonisch, angenehm und ruhig. Es ist ein Entspanntes Treffen mit meinen Eltern, so wie immer. Ich lächle Kyle an. Der schaut zu meiner Überraschung – oder auch nicht – seit 10 Minuten immer wieder auf sein Handy.

Kyle

Der Typ mit dem ich schreibe ist Theodore Anderson – kurz Theder, was eine Kombination aus beiden Namen ist und sein Denkname im Darknett ist – ist mein neuer Undercover Fall. Er hat schon einige Gelder veruntreut, Falschgeld produziert und in Umlauf gebracht, Dorgen sind auch im Spiel und vielleicht sogar ein Mord, der ist jedoch nicht sicher. Mein Deckname ist TJ Miller. So gewöhnlich wie möglich, damit er anbeist. Bis jetzt läuft auch alles gut. Er ist im Darknet mit seinen Diensten tätig – er bietet sie von dort an und lässt es dann wahrscheinlich von anderen ausführen. Bis jetzt wirkte alles normal, doch heute stellt er mir komische Fragen, wie Wie verdienst du dein Einkommen? Oder Hast du Frau und Kinder?
Fragen, die man keinem Kunden stellt, von dem man bei illegalen Sachen so wenig wie möglich wissen will.
Ich habe daher sofort Simon geschrieben, dass der das überprüfen soll. Er meinte er beeilt sich, aber dass es dauern kann.
„Kyle Kington, verdammt, kannst du nicht wenigstens heute Abend dein Handy beiseite legen?", faucht mich Ella fuchtig und leise an, als ihre Eltern in ein eigenes Gespräch verwickelt sind. Ich sehe sie erschrocken an. Sie sieht wütend an. Gerade als ich mich entschuldigen und mein Handy weglegen will, schreibt mir Simon.

Simon: Bring dich in Sicherheit!! Du bist aufgeflogen!! Ich habe schon Leute zu deiner Wohnung geschickt und zum Club!
Kyle: Nicht dein Ernst!? Ich bin mit Ella bei ihren Eltern!

Ella staucht mich. Ich kläre schnell mit Simon ab, was wir machen. Als ich hochschaue sehe ich gestalten vorm Fenster im Garten. Verdammt!
„Runter!", schreie ich als der erste Schuss fällt und hauch zart Ella verfehlt. Ihre Mutter schreit auf, Ella schreit nur wütend meinen Namen. Schnell ducken wir uns. „Susanne, welcher Raum ist am sichersten?", frage ich nach und ziehe meine Dienstwaffe dabei aus meinem Schuh. Simon und die anderen haben nähere Polizei aktiviert und sich selbst auch auf den Weg gemacht. Ich erschlage mein Handy mit meiner Waffe. Wird eh von der Arbeit bezahlt. „Susanne, wo ist der sicherste Raum?", frage ich nochmal, da sie in Trance scheint. „Keller – Tresor", meint sie nur schockiert, ich nicke, Ella deutet auf eine Richtung und will eine Waffe haben. „Ich habe nur eine. Wenn ich los sage, lauft ihr sofort in den Keller. Ella schnapp dir irgendwas, falls die im Keller sind", meine ich nur. Sie nickt. Immer noch wütend wohlbemerkt. Ich schaue mich um. Dann stehe ich auf und gebe den anderen Schussdeckung.

Ella

Sicher bringe ich mich und meine Eltern in den Raum in Keller, der umgangssprachlich als Tresor bezeichnet wird, aber eher eine Art Bunker ist.
„Ella, was war da denn los?", fragt mein Vater entsetzt und versucht meine Mutter zu beruhigen. Ja ntürlich wussten sie das Kyle Polizist ist und dass hier wäre niemals passiert würde er nicht Undercover arbeiten!
„Kyle hat einen neuen Bereich. Er nimmt Aufträge an, die gefährlicher sind. Irgendwas muss schief gelaufen sein", meine ich und raufe mir meine offenen Haare. Ich hasse ihn!
Ich hasse ihn, ich hasse ihn, ich hasse ihn!!!
Und doch kann ich ihn nicht hassen, obwohl er gerade meine Familie in Gefahr gebracht hat.

***

„Ella?", ungefähr eine Stunde später, die wir fast stillschweigend im Tresor verbracht haben und ich keine Sekunde verschwendet habe nicht an Kyle zu denken, erkenne ich Simons Stimme. „Wir können raus", meine ich und öffne die Tür. „Geht's euch gut?", fragt er sofort und sieht besorgt aus. „Ja, wo ist Kyle?", frage ich direkt. Immer noch etwas wütend, aber auch besorgt. „Im Krankenwagen. Er wurde angeschossen", meint Simon. Mein Herz bleibt stehen. „WAS!?", sofort renne ich nach oben, raus aus dem Haus. An die 10 Polizeiwagen, drei Krankenwagen und einmal Feuerwehr. Scheiße was haben die gemacht. Zwischen den Verletzten entdecke ich Kyle schnell und eile zu ihm. „Amor", hauche ich und nehme sein Gesicht in meine Hände, „Geht es dir gut?"
„Ja. Es war Gott sei Dank nur ein Streifschuss am Bein", sagt er und lächelt mich an. „Gut. Dann kann ich dich ja anmeckern. Scheiße was sollte das!?"
„Es tut mir leid, Amor. Ich bin aufgeflogen. Der Typ ist ein Hacker und hat mein Handy gehackt. Er wusste wo ich bin"
„Kein Undercover mehr", sage ich entschlossen. Es ist mir zu gefährlich. Für alle meine liebsten.
„Versprochen, Amor"

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