88: Flaschendrehen - Marlon, dwk pt.I

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Olivia

"Olivia" 
Niemand spricht meinen Namen so mahnend aus, wie sie. Sie - meine beste Freundin Luna. Als ich mit meinen Eltern nach Grünwald gezogen bin hat sie mich als einzige sofort aufgenommen. Seitdem sind wir wirklich unzertrennlich und kennen die andere fast besser als uns selbst. So weiß ich, dass sie mich gerade angesprochen hat, auch wenn ich mit dem Rücken zu ihr an meinem Spind stehe. "Luna", antworte ich und drehe mich um. Zu meiner halben Überraschung ist sie nicht allein. Ihr Freund Markus hat einen Arm um sie gelehnt. "Hey, Oli", begrüßt er mich, was ich mit einem Nicken quittiere. "Party. Heute. Bei Markus in der Werkstatt. Du kommst nicht drum herum, süße", grinst die Blonde mich an. Sie weiß es. Ich bin der absolute Partymuffel. Ich amüsiere mich unter so viel Betrunkenen Menschen einfach nicht und meide daher Clubs. Doch aus der Nummer werde ich wohl nicht rauskommen. Wir haben nämlich einen Deal: Alles was mit Partys bei unseren Freunden - zu den leider demnach auch Markus zählt - zu tun hat, muss ich mit. Wenn sie mal in den Club fahren wollen oder zu einer anderen Hausparty gehen, darf ich mich raus halten. Bis jetzt war der Deal gut, aber die Abende bei unseren Freunden häufen sich momentan, sodass zum heutige Tage meine Soziale Batterie absolut leer ist. 
Ich seufze. "Holst du mich ab?", frage ich. Was anderes wird mir wohl kaum übrig bleiben. 

***

Als ich Luna am Abend die Tür aufmache klappt mein Mund sofort auf. Sie trägt ein eng anliegendes rose farbenes Glitzerkleid, was ihr wirklich unheimlich gut steht. "Ich sehe ja aus wie nh Kartoffel", meine ich in meiner schwarzen Jeans und einem ebenfalls schwarzen Spitzentop. "Quatsch. Dein Oberteil ist heiß. Marlon wird es lieben", grinst sie mich an. Ich lege den Kopf schief. "Luna", brumme ich. "Man, nimm das doch nicht so zu Herzen"
"Er hat mich abblitzen lassen? Wieso sollte ich ihm gefallen? Und Gott hör auf, dass immer wieder anzusprechen", brumme ich, ziehe hinter mir die Wohungstür ins Schloss und gehe wortlos an Luna vorbei. Seit ich vor zwei Jahren hergezogen bin, fand ich Marlon schon immer ziemlich süß. Auf einer Party von ihm und seinem Bruder Leon vor ca. einem halben Jahr, war ich einmal betrunken und hab dadurch Marlon angebaggert. Doch er hat mich abblitzen lassen. Ich war danach eine Woche krank, weil es mir so scheiße peinlich war und noch heute kann ich kaum ein Wort mit ihm wechseln. Deswegen vermeide ich den Alkohol. Er macht Dinge, die man so nicht machen würde. 
"Es tut mir leid", meint Luna und eilt mir hinter her. Ich würge sie ab und wechsle das Thema, während wir zur Werkstatt laufen, die nur Zehn Minuten von der Wohnung meiner Eltern und mir entfernt ist. Die Jungs lachen bereits als wir ankommen und natürlich suchen meine verräterischen Auge erstmal nach Marlon. Ich entdecke ihn auch sofort und muss mir Mühe geben, dass ich nicht beginne zu sabbern. Er sieht einfach zu gut aus. Und sein Lächeln macht mich schwach. "Oli!", schreit Nessa freudig und fällt mir um den Hals, "Ich hatte Angst du machst krank"
"Warum sollte ich?", frage ich und erwidere die Umarmung. Außer Luna und offensichtlich Marlon hat niemand von meinem peinlichen Versuch etwas mitbekommen. "Luna hatte sorge", meint Vanessa auf meine Frage hin und fragt mich dann was ich trinken will. Ich winke ab und gehe anschließend selbst zur Bar. Markus hat auf seiner Werkbank allerlei Getränke zum Mischen und Becher platziert. Ich bediene mich am einfachen Bier und pflanze mich dann in die Ecke auf die Couch. Die anderen sind verteilt und es kommen laufend weitere Menschen. Ich bleibe schön in meiner Ecke und bei meinem einen Bier, was im Laufe des Abends schal wird. Während die anderen Tanzen bewege ich mich auch nach Aufordung nicht. Viel zu unangenehm ist es mir, dass Marlon mir zu schauen könnte. Auch wenn er es vermutlich nicht tun wird, weil er wollte ja schon einmal nichts von mir. 
"Wir müssen dich jetzt hier mal irgendwie mit einbringen", meint Luna. Es ist bereits weit nach 22Uhr und eigentlich ist das der Punkt an dem ich gehen würde, doch heute halten mich Luna und Vanessa fest. Sie haben sich links und rechts neben mich gesetzt. Die Halle hat sich wieder gelehrt und ehe ich mich versehe, haben sie die restlichen zu uns gerufen. "Luna ich", beginne ich, doch komme nicht weiter zu Wort. "Falschendrehen. Wer ist dabei?", unterbricht mich Luna und legt ihre leere Flasche in die Mitte. Die Jungs nicken und auch die vereinzelten Mädchen. Soweit ich weiß ist die eine die Freundin von Marlon und die andere datet Raban. Oder Joschka? Ich hab keine Ahnung. 
"Ich fang an", ruft Luna lauter als nötig und dreht die Flasche. "Markus mein Schatz", sagt sie als die Flasche auf ihm landet, "Wahrheit oder Pflicht"
"Pflicht"
"Mhm", überlegt sie und grinst - Gott ich will es nicht hören - "Du übernachtest heute mit mir in der Werkstatt"
Die anderen buhen sie aus, was ich verstehen kann. Markus dreht die Flasche. Sie landet auf Maxi. So geht das einige Runden lang. Ich komme glücklicherweise kein einziges Mal dran, auch wenn die beiden wollten, dass ich mit eingebunden werde, ist mir das sehr recht, dass ich es nicht werde. Einige Runden weiter ist Maxi wieder dran und dreht die Flasche. Sie landet zum ersten Mal diesen Abend auf Marlon. "Wahrheit oder Pflicht mein Lieber", fragt er. "Pflicht", antwortet Marlon. Sein Blick landet auf mir. Ich schaue schnell weg. Markus flüstert Marlon etwas ins Ohr, was den brünetten Grinsen lässt. "Küss das hübscheste Mädchen hier raum"
Oh lord ich glaube mir wird gleich mein Herz noch mehr gebrochen. 
"Könnte aber eine von euren sein", erwähnt Marlon und steht bereits auf. "Dann musst du wohl mit einer Faust klar kommen", grinst Maxi spielerisch. Auch Luna neben mir beginnt zu grinsen. Marlon kommt in unsere Richtung. Sein Blick liegt fixiert auf...
mir.
Die Aufgabe kam eigentlich von Markus - Lunas Anspielung - die Idee mit dem Flaschendrehen von Luna - Luna grinst. 
Plötzlich reimt sich alles in meinem Kopf zusammen. 'Luna ich hasse dich', sage ich ihr mit meinem Blick als Marlon plötzlich vor mir zum stehen kommt. Er stützt sich auf meinen Oberschenkeln ab und ist damit hauch nah an meinem Gesicht dran. "Hi Oli", murmelt er, sodass nur ich es verstehen kann. Und dann fallen seine Lippen kurz danach auf meine. Hauchzart und undendlich schön. Viel schöner als in meiner Erinnerung. Ich erwidere den Kuss. Alles andere würde mein Körper überhaupt nicht für möglich halten. Ich schließe die Augen und gebe mich ihm hin. Marlon löst sich von mir und lächelt mich leicht an als ich meinen Kopf hinter seinem her bewege, weil ich nicht genug bekommen kann. Er geht zurück zu seinem Platz. Die Augenpaare liegen auf mir, bis Marlon die Flasche dreht und das Spiel weiter geht.
Doch eine Frage bleibt:
Ich bin das hübscheste Mädchen im Raum?

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