Leon
„Wir haben nichts zu bereden, Leon”
Mit diesen Wort geht sie weg von mir.
Von mir. Dem Team. Dem Feld. Dem Ort.
Weg ist sie.
Und der Riss in meinem Herzen, für den ich wohl gemerkt selber verantwortlich bin, wird immer größer.
„So kriegst du sie nie wieder, Brüderchen”, meint Marlon leise zu mir und legt seine rechte Hand auf meine linke Schulter, „Vielleicht solltest du mal mit ihr reden”
Es klingt so einfach, aber gerade meinte sie ja noch, dass wir nichts mehr zu bereden haben. Sollte ich mich dem wiedersetzen und versuchen zu erklären?
Dass ich den größten Fehler meines Lebens gemacht habe und es nur schlimmer, statt besser geworden ist?
Vielleicht wäre das eine wirklich gute Entscheidung in meinem Leben.
Vielleicht kriege ich mein Traummädchen ja auch wieder zurück.
Ich kann nur hoffen und mir vornehmen schnellst möglich mit ihr zu reden.
*Ein paar Tage später*
Neele
„So für die nächsten Stunden habe ich eine Partnerarbeit geplant, die ich einsammeln werde. Ihr lest euch bitte die Kurzgeschichte im Buch auf Seite 53 durch und beantwortet gemeinsam mit eurem Banknachbarn die Aufgaben, welche ich euch gleich austeilen werde. Wer keinen Banknachbarn hat, sucht sich einen oder geht zu einer zweier Gruppe dazu. Der Banknachbarn wird nicht getauscht”
Natürlich. Einmal in seinem ganzen Leben macht unser Deutschlehrer eine verfickte Partnerarbeit und dann dürfen wir nicht tauschen?
Mein Gott ja, ich sitze alleine, aber herr Gott! Lucaś ist nicht da, sonst würde er hier sitzen! Jetzt muss ich-
„Neele, würdest du bitte deinen Rucksack vom Stuhl nehmen, damit Leon sich neben dich setzten kann und ihr das zusammen machen könnt?”, spricht unser Lehrer mich plötzlich an. Ich atme tief ein und wieder aus, bevor ich der Anweisung nachkomme und mein Zeug wegnehme. Keine Sekunde später sitzt Leon neben mir.
„Schicksal, was?”, murmelt er plötzlich und schlägt sein Buch auf. „Der Teufel”, murre ich und schlage ebenfalls mein Buch auf.
Das wird nichts. Nicht, wenn ich gerade dabei bin über ihn hinweg zukommen. Wenn ich jetzt mit ihm zusammenarbeite und mit ihm rede, ist alles verloren.
Das ist eine Katastrophe!
****
„So Leute, bitte gebt mir jetzt eure Mitschriften, entweder von einem Partner oder von beiden, und ich werde diese bewerten”
Shit.
Shit. Shit. Shit!
„Shitte nochmal, Nel, wir haben nichts!”, murrt Leon plötzlich zu mir. Wir haben beide nichts gemacht. Kein bisschen, wir haben nicht zusammen gearbeitet und auch nicht alleine die Aufgaben gemacht. Wir haben nicht geredet, nichts.
Alle geben ihre Blätter beim rausgehen, nach dem Klingeln, ab, nur Leon und ich nicht. „Leon, Neele, bleibt ihr bitte kurz hier?”
Stumm stehen wir nebeneinander und sehen nach vorn. „Ich habe euch beobachtet. Ihr habt nichts gemacht. Als Stundenleistung ist das ein Minuspunkt und für die Aufgaben sowieso eine 6. Ihr könnt es mir noch nachreichen, aber da ich euch schon ein wenig kenne, sehe ich, ob ihr beide daran gearbeitet habt. Sehe ich das nicht, bleibt es die 6. Sonst wird es mit einer anderen Note verrechnet. Abgabe bis morgen. Und jetzt raus mit euch”
Schneller als Leon verlasse ich diesen beschissenen Raum, ich werde einen scheiß-
„Um 4 bei mir. Ich kann nicht noch eine 6 in Deutsch haben”
Und mit diesen Worten, verschwindet Leon und ich habe ein großes Problem.
****
„Letzte Aufgabe”
„Ja, dann kann ich endlich gehen” - eigentlich wollte ich diesen Satz nur denken, aber es tut zu sehr weh, in Leons verficktem Zimmer zu sitzten und daran erinnert zu werden, was hier alles schon passiert ist.
3 verfluchte Jahre waren wir zusammen. Drei Jahre. Und in diesen 3 Jahren - von meinem 14. Lebensjahr bis zu meinem 17. Lebensjahr - haben wir so viel zusammen erlebt.
Unseren ersten Kuss.
Das erste Mal Eltern kennenlernen.
Das erste Mal mit den Familien zusammen Grillen im Sommer.
Das erste Mal zusammen.
Das erste Mal Alkohol zusammen.
Das erste Mal betrunken.
Alles, was man so erleben kann, haben wir zusammen als erstes erlebt und plötzlich war alles weg. Von einem auf den anderen Tag.
„Nel?”
„Hm?”, seine Stimme reißt mich aus meinen Gedanken und wirft mich komplett aus der Bahn. Ich habe nicht mal gemerkt, dass ich angefangen habe zu weinen.
„Sorry, das schaffst du alleine. Ich muss hier raus”, meine ich, Tränenunterlaufen, nehme meine Sachen und eile aus seiner Zimmertür. „Scheiße Neele warte!”, ruft er und hält mich plötzlich am Arm fest. Das letzte Mal stand er vor ein paar Tagen so nah vor mir, aber jetzt hält er meine Hand leicht fest, sodass ich jederzeit gehen könnte. Aber ich will doch gar nicht gehen.
„Nel, es tut mir leid. Bitte lass mich erklären, auch wenn es rein gar nichts wieder gut macht”, murmelt er und ich schlucke die Tränen runter. „Dann jetzt”
Ich bewege mich keinen Zentimeter und denke auch gar nicht daran. „Weißt du noch? Ein halbes Jahr bevor ich den dummen Fehler gemacht habe mich zu trennen, haben wir uns immer wieder gestritten”
„Natürlich weiß ich das noch. Es war die schlimmste Zeit in unserer Beziehung”, antworte ich und weiß ehrlich gesagt nicht worauf er hinaus will.
„Ich hab mit Papa geredet und er meinte, dass unsere Beziehung wahrscheinlich nicht mehr solange halten wird, er sich aber auch täuschen kann”
„Und dann dachtest: Ach mach ich gleich Schluss, bevor sie es tut, oder wie!?”
„Nel, nein! Meine Noten wurden plötzlich schlechter und ich dachte wirklich, wenn die Streitereien durch eine Trennung aufhören wird es besser”
„Und, wurde es?”, frage ich schnippisch nach und verschränke die Arme vor der Brust. Leon schüttelt plötzlich den Kopf. „Kein bisschen. Im Gegenteil, meine Noten sind noch schlechter geworden” - Plötzlich weichen alle meine Gesichtszüge - „Nel, ich hab nie aufgehört dich zu lieben. Die einzigen, die das die ganze Zeit wussten, waren Marlon und Nessa. Neele, ich liebe dich seitdem ich denken kann und ich habe nie damit aufgehört. Das letzte Jahr- es war der Horror”
Meine Augen haben sich wieder mit Tränen gefüllt und mein Körper entspannt sich wieder, nachdem er sich verkrampft hatte. „Leon, verarsch mich nicht”, murmle ich, während aus meinen Augen Tränen kullern. „Ich schwöre, Nel, ich schwöre”
Und im nächsten Moment liegen unsere Lippen aufeinander. Sanft, gierig und voller Leidenschaft. Trauer und Lust. Der Kuss steckt voller Emotionen und Gefühlen. „Na endlich, oder ist das nur eine dumme Knutscherei?” - Marlons Stimme lässt uns schlagartig auseinander fahren und perplex sehen wir ihn an. „Ich lass sie nicht mehr gehen”, meint Leon plötzlich und wirft mich über seine Schultern, sodass mir ein quicken entfährt.
Auf seinem Bett lässt Leon mich wieder runter und stützt sich über mich. „Leon?”
„Neele”
„Was war mit den anderen Mädchen?”, frage ich und er zuckt mit den Schultern. „Ich sag mal so: eine sehr miese Idee, über dich hinweg zu kommen, die nicht einmal funktioniert hat”
Ein Schmunzeln ziert meine Lippen. „Hättest ja auch mal eher was sagen können”
„Jaja, jetzt gehörst du wieder mir und du bist wieder die einzige, die ich in diesem Zimmer und überhaupt vögeln werde”
„Das ist mein Leon, so kenn ich ihn”, grinse ich und schlinge meine Arme um seinen Nacken.
„Genau. Und ich fange auch gleich damit an”
--------------------------------------------------------------
DU LIEST GERADE
OneShots
Fiksyen PeminatHeyho, Ich bin schlecht darin Geschichten zu beenden. Also habe ich dieses OS Buch angefangen und mittlerweile sind es scnon 100 Omeshots die hier entstanden sind. Es macht mir unglaublich spaß sie zu schreiben und ich hoffe euch gefallen sie beim...
