71: Denken - Markus ,dwk

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Mia

Es war spät, aber mein Buch war zu spannend, um es wegzulegen und ich hatte morgen auch erst gegen elf uhr Schule, wegen Ausfall.
Also verdrängte ich den Gedanken, dass es bereits nach null uhr war und ich vermutlich schlafen gehen sollte und las mein Buch weiter.
Nach einigen Minute meldete sich meine Blase bei mir und ich entschied mich aufs klo zu gehen und das Buch wegzulegen.
Auf dem Weg zum Bad komme ich an dem Zimmer von Markus vorbei.
Er ist mein Stiefbruder.
Und eigentlich sollte er nur das sein.
Meine Mama lernte seinen Dad bereits vor Jahren kennen, sie sind mittlerweile auch schon seit 10 Jahren ein paar. Dieses Jahr wird sogar geheiratet. Vor 3 Jahren sind wir dann bei Markus und seinem Dad eingezogen. Und auch wenn ich es nicht wollte ist das hier ein echtes zu Hause geworden. Unweigerlich musste ich lächeln. Es war alles so kurrios.
Auf Toilette schrieb ich eine Nachricht.

'Zockst du mit Kamera?'

Ich wusch mir meine Handy und putze noch schnell Zähne, da ich das noch nicht gemacht hatte. Auf meine restliche Routine verzichtete ich, weil ich nicht wirklich Lust darauf hatte, als mein Handy summte.

'Nur Mikro' - war die Antwort.

Kurz zögerte ich.
Sollte ich das wirklich tun? Es weiß absolut niemand. Wirklich niemand.
Nicht mal meine beste Freundin Emily. Aber selbst vor ihrer Reaktion hatte ich Angst. Von Mama oder meinen anderen Freunden ganz zu schweigen. Und was würde wohl Thomas, sein Vater, davon halten?
Es war zu riskant. Nur Mikro hin oder her. Ein Fehltritt und alles würde dahin sein. Es würde ein Feuerwerk auslösen. Allerdings kein schönes, sondern eines, dass man nicht mehr unter Kontrolle hat und komplett aus den Fugen gerät. Eines, dass alles zerstören würde.
Und dieses Feuerwerk wollte ich nicht riskieren.
Also ging ich ins Bett.

Markus

'Gute Nacht'

Ich starrte ihre Nachricht an.
Immer und immer wieder las ich sie mir durch und seufzte schlussendlich.
Wie konnte ich sie davon überzeugen, dass alles nur halb so schlimm war, wie sie es sich ausmalte?
Sie dachte so viel und dabei wusste sie überhaupt nicht, wie es werden würde. Wir hatten nicht mal über mögliche Szenarien gesprochen und doch wusste ich, dass sie wollte. Sie wollte durch diese Tür kommen und wenigstens kurz in meinen Arm kommen. Und ich wollte sie wenigstens kurz küssen. Ich wollte ihr panisches Gesicht sehen, wenn ich sie ins Bett ziehe, um mehr als nur kurz zu kuscheln. Ich wollte sie, ich liebe sie.
Und sie denkt so unglaublich viel.

'Gute Nacht, Engel'

Morgen darf ich mir wegen dieser Nachricht eine Standpauke geben, wenn wir allein sind. Dass weiß ich genau. Doch dann werde ich sie küssen und sie wird sich in meinem Kuss verlieren. Dann wird sie schüchtern grinsen und fragen, ob ich sie nochmal küssen kann. Und das tu ich dann.

„Hey Markus, noch eine runde?” - Maxis Stimme ertönt durch den Kopfhörer in meinem Ohr. Ich schaue auf die Uhr. „Ne, ich bin raus. Wir sehen uns” sage ich und mache meinen PC aus, ehe ich mich ins Bett lege.
Kurz überlege ich durch meine Tür, eine weiter zu gehen und mich zu ihr zu legen. Doch vorerst muss ich wohl damit klar kommen, dass die Kopfenden unserer Betten nur durch eine Wand getrennt sind.

Mia

Mein Wecker ertönt.
Es ist 8 Uhr.
Auch wenn ich erst spät Schule habe, stehe ich gerne rechtzeitig auf, um auch noch was von dem Tag zu haben.
Ich höre die Haustür. Mama ist jetzt zur Arbeit los. Und kurz darauf höre ich die Tür des Arbeitszimmers. Thomas beginnt auch, er macht Home Office und kommt aus seinem Büro tatsächlich nur zu den Pausen raus, oder wenn er nochmal auf Toilette muss.
Ich nehme mein Handy und sehe seine Nachricht von gestern Abend. So ein... Das ist doch voll auffällig!
Doch die Standpauke kann ich ihm nicht über WhatsApp geben, dass wäre ebenfalls zu auffällig. Gerade überlege ich, wie ich ihm die Standpauke verpassen kann, als meine Zimmertür leise öffnet und wieder schließt. Ich sehe zunächst niemanden, da mein Bett in einer Niesche steht. Doch sofort kommt Markus in mein Blickfeld und zu mir ins Bett gekrochen.

„Was machst du hier?”, frage ich erschrocken, als er auf mich krabbelt. „Guten Morgen”, sagt er nur und legt sich mit unter die Decke. „Markus!”, fluche ich leise. „Was denn? Och verdammt, Mia, jetzt denk doh nicht schon wieder. Papa ist arbeiten, Nadja ist arbeiten. Hab dich nicht so und sei froh, dass wir Ausfall haben und kuscheln können”, entgeget er mir und zieht mich in seinen Arm.
Wenn ich wollte, könnte ich mich wehren, jedoch sehnt sich mein Herz schon viel zu lange nach seiner Nähe.
„Aber was wenn er hoch kommt?”, frage ich und drücke mich doch wieder von ihm weg. „Mia. Ich sage es dir jetzt ein letztes Mal: wir sind nicht Blutsverwandt. Unsere Eltern finden sich nur toll, so wie wir uns auch. Und deswegen können sie nichts dagegen sagen. Ja mag sein, dass das gesellschaftlich nicht so gern gesehen wird, aber was interessieren die mich denn? Nicht das geringste. Genauso unsere Freunde. Wenn die alle erstmal merken, dass wir uns gut tun, dann kräht keiner mehr danach. Und jetzt komm verdammt nochmal herr, ich will knutschen, bevor wir in die Schule müssen”

Markus zieht mich an sich und beginnt mich zu küssen. Auch wenn mein Gehirn mir sagt, dass wir das eher nur tun sollten, wenn gar keiner zu Hause ist, um das hässliche Feuerwerk nicht los zu lösen, wehre ich mich kein Stücke. Im Gegenteil. Ich ziehe mich mehr an ihn und intensiviere unseren Kuss.
Mein explodiert vor Freude und ich wünschte ich könnte das immer mit ihm machen. Immer in seinem Arm liegen, immer mit ihm lachen und ihn vor allem immer Küssen.
Doch wer weiß, vielleicht passiert das ja irgendwann. Aber bis dahin...

„Verdammt Mia, hör endlich auf zu denken! Ich liebe dich und es ist scheiß egal was passiert und wie andere denken. Hauptsache wir haben uns. Komm jetzt endlich her”

Und er hat recht.
Er hat so verdammt Recht.

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