37: Abiball - Marlon, dwk

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Für Marleen274 :)
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Elaine

6 Uhr morgens.
Mein Wecker klingelt. Reißt mich aus dem Schlaf. Weg von meinem Traum. Dem Traum, indem er wieder vor mir stand.
Ich drücke auf Schlummern und drehe mich auf die Seite.
Meine Augen sind jedoch aufgerissen. Ich starre auf meinen Schreibtischstuhl, auf dem sich Bergeweise Klamotten sammeln. Aber eigentlich starre ich ins nichts.
Meine Gedanken überschlagen sich. Denken an nichts und wieder nichts. Mein Blick schweift über zu meinem Schrank. An meiner Schranktür hängt mein mit Spitze und Gliter verzirrtes Abiballkleid, welches ich heute voller Stolz tragen sollte.
Mein Wecker klingelt erneut. Ich drücke ihn aus und raffe mich auf.
Der Weg ins Bad, auf Toilette, Zähne putzen und zurück in mein Zimmer fühlt sich surreal an. Im Haus ist es still. Meine Eltern, mein Bruder, meine Schwester - alle schlafen noch.
Ich schlüpfe in meine Sportsachen und verlasse samt Kopfhörer und Schlüssel das Haus. Würde ich nicht wissen, dass es mir hilft, mir die Seele aus dem Leib zu rennen, würde ich nicht wissen, wie mir geschehen würde.
Aus einer geplanten kleinen Runde wurde kurzerhand ein Halbmarathon. Den Schmerz in meinen Beinen, die fehlende Luft in meiner Kehle, der Schweiß auf meiner Stirn - ich merke es erst als ich vor der Haustür.
9Uhr.
Mama, Papa, Bruder und Schwester, alle sind wach.
„Guten Morgen liebes. Warst du etwa schon laufen?”, fragt meine Mama liebevoll während sie Frühstück vorbereitet. Meine Antwort verschwimmt in meinen Gedanken.
Ja - spontaner Halbmarathon - Kopf frei kriegen.
Ich gehe duschen. Ausgiebig. Wieder überschlagen sich meine Gedanken. Denken an ihn. Und an ihn. Mehr als je zuvor.
Aus der Dusche treten, Haare Föhnen, Frische Klamotten anziehen, Frühstücken. Mama sagt, ich solle gut essen, weil es ein langer Tag wird. Ich esse.
12 Uhr.
Ich mache mich auf dem Weg zum Friseur. „Die Haare müssen sitzen, liebes”, hat Mama vor ein paar Wochen zu mir gesagt, als ich sagte, ich wolle mir die Haare alleine machen.
Angekommen. Probe Frisur vor zwei Tagen war okay. Heute muss es sitzen.
Ich sitze. 2 Stunden. Bisschen Make Up kriege ich auch gleich noch.
15Uhr.
Zurück zu Hause.
Ich schlüpfe in mein Kleid. Schmuck anlegen, Schuhe anziehen. Tik Tok Transition weiter drehen.
15.30uhr.
Auf zur Stadthalle und damit zur Zeugnisausgabe.
Fotos machen, Freunde, Verwandte, Lehrer und Familie treffen. Sektempfang. Einlass. Zeugnisse. Reden werden gehalten. Programm der Schüler. Männerbalett. Zu Ende. Essen. Eltern, Großeltern, Verwandte gehen. Die Party beginnt.
Tanzen, Lachen, mitsingen. Alles so wie es sein sollte.
Mit den Lehrern reden. Mit den Lehrern in die Fotobox. Verabschiedungen. Was machst du jetzt nach dem Abi? - Fragen beantworten. Mehr reden. Mehr tanzen. Mehr Lachen. Mehr Getränke.
Die Lehrer geben aus.
Anstoßen. Freude. Feiern. Endlich, die Schule ist vorbei.
Glas wegstellen, umdrehen, gehen. Und plötzlich. Unerwartet und unverhofft. Er steht vor mir.
Ein Mensch, von dem mir hätte klar sein können, dass er hier auftaucht. Ein Mensch, bei dem es mir hätte bewusst sein müssen, dass es wahrscheinlich passiert ihn hier anzutreffen. Sehr wahrscheinlich sogar.
Fassung Verlieren, Tränen weg wischen. Ins Bad verschwinden. Frisch machen.
Bloß nichts anmerken lassen.
Weiter machen.
Tanzen, Lachen, Singen, Trinken.
Ich sehe ihn nicht mehr. Gut so.
Freunde suchen. Anstoßen, Feiern. Abiball genießen. Abschied nehmen.
0Uhr
Abitanz tanzen, mehr singen, mehr feiern, mehr trinken, mehr lachen.
Mit Freunden nach draußen gehen, frische Luft schnappen. Wieder reingehen. Ihn sehen. Weg drehen. Weiter machen.
Dass die Augen ihn suchen wollen, dass der Kopf nicht abschaltet, ist nicht gewollt. Nein es ist unerwünscht.
Der letzte Abend an dem es mit Freunden aus der Schule abgehen soll, sollte nicht durch eine Person gestört werden.
Also weiter machen. Keiner bemerkt etwas.
Lachen, Freuen, Pause, Weiter. Alles auf einmal.
Der Abend nimmt an zu verschwinden. Es wird später.
2 Uhr.
3 Uhr.
4 Uhr.
5 Uhr.
Ende.
Der Saal wird geräumt, der Vorplatz wird geräumt. Lehrer, die bis zum Schluss waren sehen betrunken aus.
Schüler und Lehrer umarmen sich. Verabschieden sich. Wünschen alles gute.
Ihn sehe ich nicht mehr.
Von Freunden verabschieden, sagen man sieht sich um 17Uhr beim Aufräumen. Aber eigentlich lügt man nur. An der Bar noch eine Flasche Wegbier holen. Gehen.
Alleine in die Ferne. Fern von jeglichem Wissen, fern von jeglicher Freude.
Resonanz des Abends: Morgen sitzt der Kater noch und der Abend ist vor meinem eigenen Auge verschwommen.
Die Füße tragen mich wie von selbst zur Bushaltestelle.
Die Bushaltestelle, an der es vor 2 Jahren zu dem entscheidenen Punkt kam.
Er war gestorben.
Doch heute nach stand er vor mir.
Marlon, der Junge aus Grünwald.
Meine erste Große Liebe.
Ein Arschloch.
Er brach mir das Herz. Verletzte und missachtete mich.
Dann war er tod.
Aber eigentlich verließ er nur die Schule und ich sah ihn nicht mehr. Glücklicherweise.
Für mich war er gestorben. Doch heute Nacht, wurde ich eines besseren belehrt.
Er war da.
Aus Fleisch und Blut, Haut und Knochen.
Hat er mich erkannt?
Wusste er noch wer ich bin?
7 Uhr.
Der Schlüssel geht nur schwer ins Schloss. Die Tür ist riesig und schwer. Die Stufen in mein Zimmer hoch, ein steiler Berg. Das Kleid hänge ich noch auf, dass schaffe ich noch.
Ausziehen, Abschmicken, Haarnadeln raus. Alles mache ich alleine.
Wie immer.
Weil er mich nicht wollte.
Und jetzt, will ich ihn nicht mehr.
8 Uhr.
Schlafen.

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