Olivia
Ich bin das hübscheste Mädchen im Raum?
Die Frage schwirrte mir auch noch am Montag morgen im Kopf herum. Es war nichts weiter passiert. Ich bin nach Hause gegangen, hab mich ins Bett gelegt und kein Auge zu gemacht, weil Marlon mich - mich! - geküsst hatte. Und nicht einfach nur so!
Ich frage mich seitdem, ob ich wirklich das schönste Mädchen im Raum war, oder ob er nur keine Schelle von den anderen abbekommen wollte, weil er eine von deren Freundinnen doch schöner fand.
Das Wetter spiegelte meinen inneren Zustand wieder, als ich im Bus zur Schule saß und die Musik auf meine Ohren einprasseln lies. Es regnete in Strömen, der Himmel war grau und in nicht allzu langer Zeit würde es anfangen mit Gewittern. Und zu allem Überfluss hatte ich direkt am Morgen Mathe mit Marlon, wo er auch noch vor mir saß. Ich erinnerte mich so schon zu oft an diesen wundervollen sanften Kuss, doch wie soll das denn jetzt in der Doppelstunde Mathe werden? Die ich auch weder mit Luna, noch mit Vanessa habe, sondern nur mit Marlon, Markus und Maxi.
Wie immer bin ich viel zu früh im Raum, doch zu sehen, dass Marlon schon da sitzt, würde mich heute auch umbringen. Ich höre ihn und Markus bereits schon von weiten und senke prophylaktisch meinen Kopf auf mein Handy, obwohl ich daran nichts zu tun habe. Und doch kann und will ich ihm nicht in die Augen gucken. Ich sehe im Augenwinkel, dass Markus sich auf seinen Platz am anderen Ende des Raumes setzt und Marlon sich auf dem Weg zu seinem Platz vor mir macht. "Morgen Oli", begrüßt er mich und ich bin der Meinung einen anderen Unterton in seiner Stimme zu hören. Ich erwidere nichts. Ich kann nicht. Erst als unser Lehrer den Raum betritt packe ich mein Handy weg und versuche halbwegs konzentriert dem Unterricht zu folgen. Doch Marlons Anglitz bringt mein Herz dazu schneller zu schlagen, sodass es mir fast aus der Brust springt.
***
Nach dem Unterricht packe ich langsam meine Sachen ein, in der Hoffnung, dass Marlon bereits vor mir aus dem Raum geht, doch das wird nichts. Also packe ich den Rest ein und gehe dann vor ihm aus dem Raum. Mir ist es sichtlich unangenehm und ich möchte kein Wort mit ihm sprechen. Ich eile zu meinem Spind, um mein Mathebuch zu verstauen. Wie immer wollte ich dann zu den anderen auf den Schulholf gehen.
"Gehst du mir aus dem Weg, Oli?", seine Stimme wirft mich aus der Bahn. Ich lasse mein Deutschbuch fallen, welches ich gerade in meinen Rucksack packen wollte. Marlon steht neben mir. Er hebt mein Buch auf und lehnt sich dann gegen den Spind. Gott verdammt, wieso muss das so heiß aussehen. "Danke", bringe ich hervor und will nach dem Buch greifen, doch er zieht zurück. "Du hast meine Frage nicht beantwortet"
"Ich geh dir nicht aus dem Weg", antworte ich schneller als gewollt, schließe meinen Spind und eile davon. Ohne Buch, wie ich erst später feststelle.
***
Ich hab mein Deutschbuch nicht wieder bekommen. Ich bin nämlich nicht auf den Schulhof wie wahrscheinlich er, sondern aufs Klo und danach sofort ins Klassenzimmer. In der heutigen Deutschstunde brauchten wir das Buch glücklicherweise nicht und Geographie hatte ich danach im gleichen Raum, sodass ich Marlon nicht mehr über den Weg laufen konnte. Nur jetzt werde ich nicht drum herum kommen, denn wir haben gemeinsam Sport. Ohne die anderen. Wir sind die einzigen aus der Freundesgruppe in diesem Sportkurs. Und normal war das nie ein Problem. Doch jetzt wird es eins. Zumindest für mich.
"Findet euch in Zweier Teams zusammen und spielt euch ein", murrt unsere Sportlehrerin, die Montags nie lust auf Unterricht in den letzten beiden Stunden hat. Ich schaue mich um, doch alle finden oder haben bereits ihren Partner gefunden. "Oli", sagt Marlon - klar, wir haben immer zusammen gespielt, doch ich drohe gleich durchzudrehen. "Auf gar keinen Fall", platzt es aus mir heraus, bevor ich aus der Halle eile. Ich biege einmal links und dann nochmal links ab und stehe im Gang zu den Mädchenumkleiden. Ich lehne mich gegen die Wand, welche kalt ist und mir einen kühlen Kopf verschafft.
"Oli? Ist alles okay?" - es ist natürlich Marlon, der nach mir schaut und da wir gerade alleine sind, kann ich mich nicht zurück halten. "Verdammt nein! Was küsst du mich!?"
"Was?", er guckt mich verdattert an. Ich stoße mich von der Wand ab und gehe auf ihn zu. Ich bin gepackt von Adrenalin, was sich den ganzen Tag in mir angestaut hat. "Fucking hell, Marlon! Am Samstag! Auf der Party beim Falschendrehen! DU hast MICH geküsst und seitdem geht mir eine Frage nicht mehr aus dem Kopf -wolltest du nur keine geklatscht kriegen oder fandest du wirklich dasss ich - verdammt nochmal ich - das hübscheste Mädchen dort war? Ich meine, du hast mich abblitzen lassen und dann küsst du mich? Das passt überhaupt nicht zusammen!" - ich merke wie ich hysterisch werde und raufe mir die Haare. Marlon kommt mir näher. Ich stolpere Rückwärts gegen die Wand. Er steht vor mir und lehnt einen Arm gegen die Wand. Er macht keine Anstalten zu gehen, oder mich gehen zu lassen. Wieder springt mir mein Herz fast aus der Brust. "Erstens: ich hab dich geküsst, weil du das hübscheste Mädchen für mich bist. Ich hätte nicht gelogen, ich hätte ansonsten die anderen nur auf die Wange geküsst und zweitens: wann hab ich dich abblitzen lassen?"
Meine Augen weiten sich. Mein Gehirn versucht zu verarbeiten, was meine Ohren gerade gehört haben, während mein Mund bereits die nächsten Worte ausspricht. "Ca. vor einem halben Jahr, bei eurer Hausparty"
Marlon beginnt zu schmunzeln, ehe er mich dann ganz anguckt. "Oli, ich hab dich abblitzen lassen, weil du stock besoffen warst. Und weil ich wusste, dass du nicht so viel trinkst, wollte ich deinen Zustand nicht ausnutzen. Ich wusste ja nicht, ob du das wirklich gewollt hättest oder vielleicht gerade Probleme weg trinkst. Ich möchte doch außerdem, dass du dich an den besten Sex deines Lebens erinnern kannst" - seinen letzten Satz flüstert er mir nur mit einer sehr tiefen und attraktiven Stimme ins Ohr, was mein Hößchen zum Beben bringt. "Du findest mich also nicht unattraktiv?", frage ich und sehe ihn unsicher an. "Gott Oli, du bist in meinen versautesten Fantasien die Hauptfigur. Du willst nicht wissen, wie oft ich schon hart wegen dir war. Und das nicht nur zu Hause im Bett oder unter der Dusche"
Meine Augen werden groß. Mit dieser Ehrlichkeit habe ich dann doch nicht gerechnet. "Wie oft denn?"
"Immer und über all. Oli, du bist das Schönste Mädchen dieser Welt. Ich träume ständig von dir und wärst du nüchtern gewesen, hätte ich dich nicht abblitzen lassen. Niemals"
Wieder ist sein letztes Wort nur geflüstert. Ich muss schlucken, doch dann nehme ich all meinen Mut zusammen und überbrücke den Abstand zwischen unseren Mündern und lasse diese aufeinander sinken. Marlon seufzt zufrieden in den Kuss. Er legt seine Hände an meine Taille und zieht mich näher zu sich ran. Ich schlinge meine Arme um seinen Nacken und lasse den Kuss schnell intensiver werden. In mir regt sich etwas und ich vergesse wo wir sind. Unsere Lippen arbeiten süchtig gegeneinander und miteinander. Als hätten sie nie etwas anderes getan.
Ein räuspern lässt uns auseinander fahren. Wir blicken in die Augen unser schlecht gelaunten Lehrein. "Sofort in die Halle. 10 Runden extra am Ende der Stunde für euch beide. Mit Abstand", sie geht wieder, doch ich möchte nicht noch mehr riskieren und will sofort hinterher eilen. "Ich hab noch dein Deutschbuch, willst du es wieder?", raut er gegen meine Lippen und lässt mich dabei nicht aus den Augen. "Du willst doch bestimmt mein Zimmer sehen", raue ich. Mit verführerischem Blick löse ich mich aus seinem Griff und gehe.
"Gott damn it, Oli"
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OneShots
FanfictionHeyho, Ich bin schlecht darin Geschichten zu beenden. Also habe ich dieses OS Buch angefangen und mittlerweile sind es scnon 100 Omeshots die hier entstanden sind. Es macht mir unglaublich spaß sie zu schreiben und ich hoffe euch gefallen sie beim...
