70: Lass sie reden - Markus ,dwk

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Lillet

Ich lag auf seinem Bett und er war über mir. Er küsste mich. Mal mit Zunge, mal ohne. Meine Hände vergrub ich in seinen Haare. Es fühlte sich so unglaublich gut an. Und das jedes Mal, wenn ich unter ihm lag. 
Ich gab mich ihm hin, mit jeder Faser meines Körpers. Und ich liebte es. 
Nur hasste ich eine Sache. 
Die Stimmen in meinem Kopf. 
Mit jedem Mal wurden sie lauter. Es waren nicht irgendwelche Stimmen, nein. Es waren die Leute aus meiner Schule, die der Meinung waren, dass Markus Drogen genommen haben muss, weil er sich mit mir unterhält. Oder das er wohl noch betrunken von der letzten Party ist, weil er eine Partnerarbeit frewillig mit mir macht. 
Er war ja auch Markus von Theumer. Dieser eine wunderschöne, talentierte, sportliche Blonde Junge auf den alle irgendwie einen Crush haben und den es wahrscheinlich an jeder Schule gibt. Nur geben diese Jungs sich meistens nicht mit Mädchen ab, die abgetragene Klamotten tragen und keine bis wenige Freunde haben. Also Mädchen wie mir. 

Meine Mama ist alleinerziehend und ich habe zwei Geschwister im Alter von 6 und 12. Also der genaue Alptraum jeder alleinerziehenden. Wir müssen auf unser Geld genau achten, damit es für die Miete reicht und allen weiteren Ausgaben. Die Häufen sich jedoch immer weiter und ich kann leider nicht noch länger nach der Schule arbeiten gehen. Ich unterstütze meine Mutter so gut es geht, aber ich habe auch noch einen Freund und meine beste Freundin Mira, die beide Zeit mit mir verbringen wollen. Und ich sage schon so oft ab...

Und Markus?
Er war perfekt, keine Frage. Doch ich war es nicht.
Er kam extra zu mir, um mich zu sehen, obwohl unsere Wohnung klein war, eigentlich sogar winzig im Gegensatz zu dem Anwesen seiner Eltern. Und er half meiner Mutter beim Kochen, beim Abwasch, er hat sogar schon meine kleine Schwester Emmi ins Bett gebracht und mit dem großen Kai Hausaufgaben gemacht, damit meine Mutter duschen konnte und ich krank war. 
Also ja er war perfekt. Und das einzige was in meinem Kopf schwirrte war die Frage, was seine Freunde sagen, wenn sie erfahren sollten, dass wir zusammen sind. Was wenn er dann zu einer Person wie mir wird? Eine unsichtbare Person. Das würde er nicht aushalten. Niemals. 

"Okay, es reicht", sagt Markus plötzlich. 
Ich war mal wieder zu sehr in Gedanken und hatte vergessen, dass wir eigentlich gerade am rummachen waren. "Was?", frage ich verwirrt und blicke ihn mit leeren Augen an. "Du denkst doch schon wieder zu viel, Lillet. An was hast du gedacht?", fragt er und setzt sich neben mich. Er legt seinen Arm um mich und zwingt mich damit mich an ihn anzukuscheln. "Ich habe an nichts gedacht"
"Und deswegen hast du es nicht genossen, dass ich deine Brüste angefasst habe und dich geküsst habe? Lillet erzähl mir nichts vom Pferd, du denkst schon wieder an andere. Was ist los?", Markus ist nicht sauer, das ist er eigentlich nie, aber er ist besorgt. 
Ich seufze. 
"Was willst du mit mir? Meine Familie ist arm und kaputt. ICH bin arm und kaputt? Die Leute werden reden, wenn sie das mit uns erfahren und wenn du zu mir wirst, dann bist du am arsch, weil das hälst du nicht aus. Du liebst das Rampenlicht zu sehr und ich bin nur ein kleiner Gartenzwerg, den man eigentlich schon längst entsorgen wollte und-"
"Woah, was sind das denn für Gedanken?", Markus sieht mich entgeistert an. Sofort nimmt er mein Gesicht in seine Hände und zwingt mich ihn anzusehen. In seine wunderschönen Kastanienbraunen Augen. "Scheiße Lillet, denkst du das wirklich von dir? Dass du ein Gartenzwerg bist, den man eigentlich entsorgen will?"
Ich nicke. 
Kein weiteres Wort bringe ich heraus. Ich kann nicht. Im Gegenteil - mir steigt sogar eine stumme Träne ins Gesicht. 
"Schatz, mir ist es doch komplett egal was andere sagen. Das einzige was doch zählt ist, dass du weißt woran du bei mir bist und mir ist egal, dass du nicht den neuesten Markenscheiß trägst, sondern die Strickpullis von deiner Oma. Ich liebe den Ketchup auf deinem Shirt oder die zerzausten Haare, wenn du versuchst Emmi zu fangen. Ich liebe deine versuche Kai bei den Hausaufgaben zu helfen, obwohl du selber scheiße in Mathe bist. Ich liebe es, dass du eben nicht so bist, wie die Tussis an unserer Schule. Du bist was besonderes und dass das niemand sieht ist eine Schande. Du hast so viel Talent und gibts dein bestes, in jeder Lebenslage. Du bist die beste von allen. Also mach dir nicht so viele Gedanken", Markus gibt mir einen Kuss auf die Stirn und tatsächlich fühle ich mich etwas besser. 
Für einen kurzen Moment sind die Stimmen in meinem Kopf verschwunden. 
"Und wenn sie doch reden und nicht locker lassen? Was wenn sie auf dir rumhacken?", frage ich und muss schlucken. 
"Dann lass sie doch reden. Es ist mir wirklich scheiß egal was die andern sagen. Aus dem Team schmeißen werden sie mich nicht, weil ich zu gut bin und sie keinen besseren finden. Und selbst wenn, wäre es mir egal, weil mit dir an meiner Seite fühlt sich alles leichter an. Du bist das Beste was mir passiert ist und das wird für immer so bleiben, okay?"
Ich nicke. Unwissend was hier gerade geschieht. 
"Man ich liebe dich und solange sie nur reden, ist doch alles okay, oder?", lächelt er und stupst mit seiner Nase meine an. Jetzt muss ich doch lächeln. 
"Komm her", sagt er und zieht mich zurück in seinen Arm. 
Ich bin müde und erschöpft vom Schultag und Markus Bett ist so weich, dass ich direkt einschlafen könnte, aber eigentlich muss ich noch...
"Schlaf ruhig, Prinzessin. Ich weck dich dann schon", und mit einem Kuss auf die Schläfe bin ich eingeschlafen. 

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