96: Friendzone - Juli, dwk pt. II

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Emmi

„Hör nie wieder damit auf, verdammt"

Meine eigenen Worte hallen in meinem Kopf nach. Und das seitdem ich sie gesagt habe.
Der Kuss...er war atemberaubend. Und doch hatte ich zweifel. Hatte ich zu schnell entschieden?
Ich kenne Juli und Joschka seit meiner Kindheit. Wir waren mal Nachbarn, bis sich meine Eltern getrennt haben und ich mit Papa in einen anderen Teil von Gründwald gezogen bin. Ich bin also mit ihnen aufgewachsen, hab mit ihnen verstecken und fangen gespielt, hab mitbekommen, wie das Baumhaus fast zerstört worden wäre, hab mit Juli gemeinsam seine Karten erweitert. Man wir haben Orte gefunden, von denen man nur Träumen kann. Einer davon ist mein Safespace geworden. Durch einen kleinen Spalt zwischen zwei Felsen im Wald gelangt man dorthin. Es ist ein magischer Ort. Irgendwann wurde der Ort bei einer Überschwemmung geflutet, was daraus entstand hat den Ort nur noch besser gemacht: er hat seitdem einen See, in dem man im Sommer wunderschön Baden kann.
Auch das habe ich mit Juli bereits gemacht. Wir waren dort zusammen und haben gebadet.
Ich habe alle Streits mitbekommen, die Leon angezettelt hat, weil er oftmals zu viel Chef ist. Ich habe mitbekommen wie Julis Vater abgehauen ist und wie zerstört Joschka war, als er sein erstes Mal verkackt hat. Ich war wie eine Schwester, die sie nicht hatten.
Juli ist über die Jahre mein bester Freund geworden. Und er hat sich in mich verliebt.

Glauben konnte ich das nie, während Jona versucht hat mir das klar zu machen. Doch auf der Party im Club gestern, hab ich gesehen. Und gefühlt.
Er hat so viel in den Kuss gesteckt, dass ich benebelt war, ohne was geraucht oder getrunken zu haben. Wir haben den ganzen Abend rumgemacht. Heute morgen bin ich dann aber trotzdem in meinem Bett aufgewacht.
Alleine.
Im ersten Moment habe ich verlassen gefühlt, doch im nächsten haben meine Worte von gestern nachgehallt und ich habe mich gefragt: hatte ich mich zu schnell entschieden?

Juli war mein bester Freund und ich wollte um alles in der Welt diese Freundschaft nicht riskieren. Nicht wegen einer schnellen Nummer, nicht wegen ein bisschen Spaß. Doch was wenn es mehr war?
Eine Beziehung ist tiefgründiger als eine schnelle Nummer. Und wenn ich mich recht entsinne hat er mir am Freitag seine Gefühle gestanden.
Ich habe nie drüber nachgedacht, ob es mehr sein könnte. Ich habe mich immer zu ihm hingezogen Gefühlt, ich denke oft an ihn vorm schlafen gehen, ein oder zwei Mal habe ich auch schon von ihm geträumt. Ich fühle mich in seiner Nähe wohl, geborgen und beschützt. Juli fühlt sich für mich nach zu Hause an.
Er war für mich da, als meine Eltern sich trennten, als ich die 10. Klasse Prüfung verhauen habe und keinen Motorrad Führerschein machen durfte. Er war da, als ich krank war. Gott er ist durch die Halbe Stadt für mich gefahren!
Wie konnte ich so blind sein?
Wie konnte ich nicht merken, dass er Gefühle für mich hat?
Und verdammt wie um alles in der Welt konnte ich nicht bemerken, dass ich in Juli verliebt war!

***

Juli

Mir lief der Schweiß so dermaßen, dass man denken könnte ich war gerade duschen. Nachdem Leon gnädigerweise vom Training verschonte, nachdem er auch einen Kater von gestern hatte, verdonnerte er uns gleichzeitig zu Krafttraining, weil wir ja in Form bleiben müssten.
Keiner war begeistert und natürlich war Vanessa die einzige mit Freifahrtschein. Wahrscheinlich hat sie ihm einen extra Blow Job versprochen oder sowas. Doch wir durften alle auf dem Platz schwitzen.
„Sag mal, was ist jetzt eigentlich mit Emmi?", grinst Markus mich an, als wir nebeneinander Liegestütze machen.
Ja was war mit Emmi?
Die Clubnacht hat sich verlaufen. Wir haben rumgemacht und plötzlich nicht mehr, weil sie getanzt hat. Und mehr war nicht. Ich weiß nicht, was oder ob wir jetzt was sind, aber es tut weh.
„Ich", beginne ich, doch im nächsten Moment sehe ich Emmi auf ihrem Fahrrad angefahren kommen. „Juli", sagt sie und stellt ihr Fahrrad ab. „Ich muss mit dir reden"
Von den anderen kommt ein "Uhh" oder ein "ohoh" doch ich ignoriere sie einfach und gehe auf Emmi zu.

Emmi

Mein Herz schlägt so stark, dass ich Angst habe, es springt mir gleich aus der Brust und direkt in Julis Arme, der jetzt vor mir zum stehen kommt. „Dauert es lange? Leon bringt mich um, wenn ich zu lange Pause mache", schmunzelt er und sieht mich fragend an. „Ich-äh", stottere ich. Er ist verschwitzt, dich wie ihm seine blonden Strähnen ins Gesicht fallen, sieht viel zu sexy aus, als das ich mich konzentrieren könnte. „Ich hab nachgedacht", bringe ich zu stande. „Okay?", Juli sieht mich fragend an. „Herr Gott, warum ist das denn so schwer?", brumme ich und raufe mir die Haare. „Gehts dir gut, emmi?"
Wie er meinen Namen betont jagt mir einen Schauer über den Rücken. „Ja. Ja. Mir geht es sogar sehr gut, denn mir ist etwas bewusst geworden"
Erwartungsvoll sieht er mich an.
„Juli, du warst nie in der Friendzone. Ich war nur zu blöd zu verstehen, dass du das Beste bist, was mir in meinem Leben zugekommen ist. Du warst immer für mich da und mit dir hat sich alles immer so leicht angefühlt. Du bist das perfekte Ebenbild von dem was ich mir immer als Freund gewünscht habe. Und ich wünschte ich hätte eher festgestellt, dass ich schon ziemlich lange und ziemlich doll in dich verliebt bin"
„Keine Friendzone bis zu meinem Lebensende?", fragt er und sieht dabei so erleichtert aus wie noch nie. Ich grinse und schüttle den Kuss. „Ich packe jeden anderen in die Friendzone oder schieß ihn gleich ganz in den Wind für dich"
Seine worte, gestern nacht zu mir.
Juli weiß das und beginnt glücklich und zufrieden zu grinsen. „Bitte sag mir, dass ich dich Küssen darf, Emmi", er klingt dabei so süchtig, dass ich bis über beide Ohren grinsen muss. „Das brauchst du nicht mehr fragen", antworte ich ihm und trete dann den letzten Meter näher an ihn heran, der noch zwischen uns lag. Juli greift wieder nach meinem Hosenbund und zieht mich noch näher zu sich heran. Dann legt er seine Hände auf meine Hüfte und küsst mich.
Er küsst mich und es fühlt sich genauso berauschend an, wie gestern Nacht im Club. Ich bin nicht betrunken und doch brauscht mich der Kuss. Ich kann nicht mehr klar denken und vergrabe meine Hände in seinen Haaren. Er ist schwitzig vom Training doch es ist mir sowas von egal. „Juli! Training!", ruft Leon und unterbricht damit unseren Kuss. Von Jona - die beim Training zugeschaut hat - bekommt er einen Ball ab. „Verdammt Leon, halts Maul und lass mich das tun was ich will", ruft Juli und dreht sich dann wieder zu mir. Ich grinse. „Lass uns verschwinden. Ich muss duschen und dann will ich dich für den Rest des Tages nur für mich haben", flüstert er gegen meine Lippen. Ich nicke. „Liebend gern"
Juli lächlt und haucht mir noch einen Kuss auf die Lippen, bevor er seine Sachen schnappt und wir verschwinden.
Wie konnte ich nur so blind sein?

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