Elaine
Wütend wäre wohl der Falsche Ausdruck für mein Gefühl. Ich war einfach nur traurig.
Und auch sauer.
Es würde mich wohl kaum interessieren, wäre es nicht der wichtigste Tag in meinem Leben gewesen.
Er hatte es doch tatsächlich geschafft zu verschlafen. Und jetzt saß ich alleine in diesem riesen Saal mit meinen Kommilitonen, die alle ihre engsten Familienmitglieder mit hatten.
Nur ich saß allein.
Meine Mama starb bei meiner Geburt. Eine Kette erinnerte mich daran, wie sehr sie mich geliebt hatte und wie sehr sie dafür gekämpft hatte, dass zumindest ich lebe darf. Die Kette besaß sie damals und kurz vor ihrem Tod, sagte sie zu meinem Papa, dass er mir die Kette geben soll, sobald ich alt genug bin sie zu tragen.
Ich lächelte ein wenig.
Doch auch mein Papa blieb mir nicht lang. Er wurde immer schwächer, je älter ich wurde. Als ich 16 war sagte er mir, dass er Krebs hat und kurz nach meinem 18 Geburtstags verstarb er daran auch. Meine Großeltern waren schon lange verstorben bzw. bestand von väterlicherseits kein Kontakt. Geschwister hatte beide meine Eltern nicht und so war ich ab meinem 18 Geburtstag ganz allein. Zumindest fast. Ich hab ja noch Melanie. Sie war Mamas engste Freundin und in ihrem Testament stand, dass sie das Sorgerecht bekommt, sollte Papa etwas zustoßen. Nun das war nicht mehr nötig, doch sie war immer für mich da.
Das sie heute nicht da ist, tut ihr wahnsinnig leid, aber sie Managerin in einer großen Firma, die leider gerade einige Probleme hat und sie es nicht einrichten konnte.
Doch das mein Freund nicht hier war, das kränkte mich zu tiefst.
Marlon kenne ich schon seit dem Kindergarten, doch erst nach dem Abi hat es zwischen uns gefunkt. In meinem Medizin Studium hat er mich tagtäglich unterstützt und war immer für mich da.
Und genau deswegen war ich so fassungslos, dass der Platz neben mir leer blieb.
Auch als ich auf die Bühne ging war da niemand von mir. Nur meine beste Freundin und Kommilitonin Chana war da und jubelte für mich.
Wir verließen den Saal, alle als anerkannte Ärzte und ich war nie glücklicher gewesen. Ich wusste, dass meine Eltern bei mir waren und auch Melanie war da. Auch wenn sie alle nicht bei mir sein konnten.
Als ich aus dem Gebäude raus gehe zücke ich mein Handy und wähle Marlons Nummer.
Es ging niemand ran. Nur der Anrufbeantworter.
„Omg, Engel es tut mir soooo unfassbar leid”, kam er plötzlich auf mich zu gerannt. „Ach, auch mal ausgeschlafen?”, entgegne ich ihm schnippisch und ignoriere den Kuss, den er mir geben will. „Fahren wir einfach nach Hause”, sage ich und gehe an ihm vorbei. Er versucht mich mit worten zu trösten, doch es war nicht zu entschuldigen. Es tat einfach nur weh.
„Engel bitte, lass es mich erklären”, flehte er als wir in den Fahrstuhl stiegen. „Was willst du erklären? Das du gestern Abend zu viel gesoffen hast und deswegen dein Wecker überhort hast? Oder das du ja unbedingt noch bei Markus schlafen musstest, weil die Bahn nicht mehr fuhr!?”- okay jetzt war ich wütend, aber mein Gott man kann es mir auch nicht verübeln.
„Nein ich”
„Marlon, lass es einfach. Vergiss wenigstens dass essen heute Abend nicht”, meine ich und wende mir zur Tür, um auszusteigen. Doch plötzlich ruckelt es und das Licht geht aus.
„Shit”, sagt Marlon und macht seine Handytaschenlampe an, „Ich hab kein Netz”
„Ich auch nicht”
Der Fahrstuhl war stecken geblieben und das obwohl ich nur in die Badewanne wollte. Das nächste Mal nehme ich wieder die Treppen”, meine ich und drehe mich weg, während Marlon den Notfall knopf betätigt und mit der Zentrale Kontakt aufnimmt.
„Willst du jetzt die ganze Zeit nicht mit mir reden?”
„Wenns sein muss. Ich stelle mir vor in der Badewanne zu sein”
„Engel, bitte”, Marlon berührt mich am Arm. Mir schießen Tränen in die Augen und ruckartig srehe ich mich zu ihm.
„Wieso!?”, frage ich wütend. „Wieso musstest du gestern unbedingt zu Markus, obwohl du wusstest, dass ich ein Nervenbündel sein werde und dich brauche!?”
„Scheiße, es tut mir leid”
„Sag mir wieso!!”
„Man, weil”
„Weil was!?”
„Weil ich seit wochen mit Maxi und Markus plane wie ich dir nh Antrag mache”, den letzten Teil des Satzes nuschelt er so stark, dass ich Mühe habe ihn zu verstehen.
„Was?”, frage ich mit kaum mehr stimme nach.
„Ja überraschung, ich will dich heiraten und jetzt? Hab ich reingeschissen, weil ich den wichtigsten Tag in deinem Leben verpasst habe und wie mache ich das gut? Richtig. Das funktioniert gar nicht. Das kann man gar nicht wieder gut machen. Aber Maxi und Markus haben scheiße gebaut und dann wollten sie unbedingt, dass ich komme und dann sind wir so krass verzweifelt, dass ich den ganzen Plan übern Haufen geworfen hab und ein schnaps nach dem anderen gesoffen hab. Markus hat die über mein Handy die Nachricht geschrieben, dass ich da penne und mich heute früh nicht wach gekriegt. Ich bin nh Arsch, dass ist mir bewusst. Ich wollte den besten Tag deines Lebens noch besser machen”, verlegen kratzt er sich am Hinterkopf und sieht mich im schummrigen Licht der Taschenlampe an.
„Oh das kann nicht dein Ernst sein”, mich überkommt es, sodass ich ihn glatt auf die Brust schlage.
„Du weißt doch ganz genau, dass ich keinen großen Antrag brauche!”
„Als wärst du Glücklich, wenn ich dich jetzt frage, ob du meine Frau werden willst”
„Ja wäre ich!”
„Okay”, sagt er dann und greift plötzlich in seine Hosentasche. Im nächsten Moment ist Marlon vor mir auf die Knie gegangen und hält den wunderschönsten Ring in seinen Händen, den ich je gesehen habe.
„Nicht dein Ernst”, lache ich mit Tränen in den Augen und vergrabe mein Gesicht in meinen Händen.
„Doch, du hast gesagt, du wärst glücklich und mein Plan sah zwar ganz anders aus, aber ich hab so ein scheiß gebaut, dass wahrscheinlich nicht mal das, das wieder gut machen wird. Aber egal. Elaine”
„Marlon”, heule ich doch jetzt vor Freude.
„Willst du mich heiraten?”
„Scheiße ja du arsch”, sage ich und strecke ihm meine Hand entgegen. Marlon steckt mir den Ring an den Finger. Dann kommt er wieder hoch und küsst mich.
„Du bist so doof”, nuschle ich und küsse ihn.
„Ich weiß”, grinst er.
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OneShots
FanfictionHeyho, Ich bin schlecht darin Geschichten zu beenden. Also habe ich dieses OS Buch angefangen und mittlerweile sind es scnon 100 Omeshots die hier entstanden sind. Es macht mir unglaublich spaß sie zu schreiben und ich hoffe euch gefallen sie beim...
