Der nächste Morgen begann, im Gegensatz zu auch nur einem der letzten Zeit, ruhig und ohne jeglichen Stress. Statt eines Weckers, Steve oder meinem Handy weckte mich die kalte Wintersonne Frankreichs, die ihre Strahlen durch die großen Panoramafenster am anderen Ende des Zimmers warf. Noch ein wenig verschlafen richtete ich mich auf und fuhr mir durch die Haare während ich meinen Blick über den Raum schweifen ließ. Beinahe begann ich zu glauben, dass gerade alles gut war und ich das Recht hatte mich so ausgeglichen und voller Energie zu fühlen- doch dann tauchten wieder die Bilder der vergangenen Nacht vor mir auf. Der wütende und dann leere Harry, wie bedacht er auf meinen Schutz gewesen war und wie er ohne mit der Wimper zu zucken Adam verletzt hatte. Adam- ein offener, charmanter und zuvorkommender junger Mann der für all das nichts konnte und dann Hals über Kopf in das große Schlamassel stolperte; das Schlamassel welches es nur wegen mir gab. Da meine Gedanken irgendwann begannen sich zu überschlagen, wuchs in mir auch das Bedürfnis mich noch einmal bei Adam zu entschuldigen. Nachdem ich mich geduscht und fertig gemacht hatte wählte ich also voller Gewissensbisse die Nummer, die er mir bereits am Anfang der Awardshow gegeben hatte und hoffte, dass er mich nicht bereits hasste. Glücklicherweise hob er direkt nach dem zweiten Klingeln ab und meldete sich mit seinem Namen.
"Hallo Adam.", erwiderte ich und lächelte leicht. "Hier ist Taylor. Ich wollte mich für den vergangenen Abend entschuldigen."
"Oh aber da ist doch keinerlei Entschuldigung notwendig.", antwortete er ruhig. "Ich fand sogar, dass es ein außergewöhnlich schöner Abend war. Immerhin hatte ich das Vergnügen, dich kennenzulernen."
"Aber dank mir hast du jetzt eine Schürfwunde am Kopf.", murmelte ich schuldbewusst und stellte mich vor eines der großen Fenster.
"Das stimmt nicht.", entgegnete er entschlossen. "Die habe ich, weil ein Irrer auf mich losgegangen ist."
"Er ist nicht irre..", widersprach ich sofort und ohne auch nur darüber nachzudenken. Ich konnte mir selbst nicht erklären wieso ich Harry selbst in diesem Fall verteidigte, immerhin war Adams Meinung über ihn mehr als verständlich. Aber ich wusste wie Harry eigentlich war; zumindest hatte ich das bis gestern gedacht. "Und gestoßen hat er dich weil du mich verteidigt hast."
"Verzeih, aber ich kann dir schon wieder nicht zustimmen.", bemerkte der Schotte, wobei ich förmlich hörte wie er grinste. "Er hat mich gestoßen weil er gemerkt hat, dass ich nicht nachgeben würde und du ihm eben dies, verständlicherweise, bestätigt hast. Er hat nicht bekommen was er wollte und musste seinem Ärger Raum schaffen. Du hast keinerlei Schuld an der kleinen Verletzung."
"Fühlt sich aber trotzdem so an.", murmelte ich leise und biss mir auf die Lippe. "Tuts noch sehr weh?"
"Nein, ich spüre kaum mehr etwas.", versicherte er, woraufhin es mir schon um Einiges besser ging. "Ehrlich, das ist alles nicht so schlimm wie du denkst."
"Kann ich irgendwas für dich tun?", erkundigte ich mich leise.
"Wenn du mich schon so fragst.", antwortete er fröhlich. "Sofern du Lust dazu hast, kannst du mir die Ehre erweisen, mich heute zum Essen zu begleiten."
Seine Aussage brachte mich unwillkürlich zum Grinsen und, um ehrlich zu sein, schmeichelte sie mir auch. Trotz Allem was am vorherigen Abend passiert war wollte er noch Zeit mit mir verbringen und war dazu noch unheimlich verständnisvoll, was meine Situation anging.
"Ich würde mich freuen mit dir zu essen.", willigte ich lächelnd ein und vereinbarte dann mit ihm die Uhrzeit, zu der er mich abholen wollte.
Kurz darauf musste Adam jedoch bereits auflegen, da er noch irgendetwas erledigen musste bevor er zu mir kam. Unheimlich erleichtert und voller Vorfreude steckte ich mein Handy in die Tasche meines Hoodies und setzte mich dann an meinen Laptop, um nach einer E-Mail meines Managers zu sehen. In der, pünktlich um acht Uhr eingegangenen, Nachricht teilte er mir mit, dass ich erst am folgenden Tag zur Mittagszeit abreisen müsste und der einzige Geschäftstermin in der Zwischenzeit ein Interview mit einem Radiosender am nächsten Morgen war. Die restliche Zeit stand mir frei zur Verfügung, jedoch warnte er mich davor, Harry zu treffen- wegen der Schlagzeilen bezüglich des letzten Abends wollte er mit mir sprechen, sobald ich wieder zu Hause war. Sofort kam in mir wieder eine Unruhe über die Medien und die Geschehnisse mit Harry und Adam und dessen Ruf auf. Ich hoffte wirklich, dass, die vermutlich schlechten, Zeitungsberichte sein Image nicht bedreckten- immerhin stand er noch am Anfang seiner Karriere, ganz im Gegensatz zu Harry oder mir. Seufzend schloss ich schließlich meinen Laptop wieder und legte mich zurück auf mein Bett, schloss kurz die Augen und atmete tief durch. Ich durfte mich nicht aus der Bahn werfen lassen, zumindest das schuldete ich Adam. Er hatte sich ein Essen mit mir gewünscht und ich hatte zugesagt, ich musste mich zusammenreißen statt mich selbst fertigzumachen. Da es ohnehin langsam Zeit wurde mich zu richten, ging ich ins Bad und begann mich stärker zu schminken, wobei ich wieder einmal bemerkte wie gut die Ärtze ihre Arbeit gemacht hatten. Mittlerweile brauchte ich nur noch ein wenig mehr Make Up für die Stelle, wo die Narbe sein sollte, als für den Rest meines Gesichts und konnte sie trotzdem ziemlich gut abdecken. Als ich mit dem hellen Lidschatten und meinem Lidstrich einigermaßen zufrieden war, wählte ich ausnahmsweise keinen roten, sondern einen dunklen Roséton für meine Lippen aus und drehte dann mit einem Lockenstab einige Locken in mein Haar. Da Adam noch gesagt hatte ich sollte mich ruhig ein wenig schicker kleiden, zog ich ein schwarzes, mit Ornamenten verziertes, Kleid an und holte mir dann noch eine Strickjacke zum Überziehen. Leider war ich nicht so gut wie Lou darin, die ganzen Narben auf den Armen und Beinen abzudecken, und da ich auch nicht riskieren wollte, dass Adam oder ein Reporter sie sah, versteckte ich sie lieber. Nicht dass ich mich für sie schämte, aber ich hatte keine Lust immer und immer wieder die Erinnerungen an das schmerzhafte Ereignis zurück zu holen. Mit meinem Aussehen dann zufrienden wartete dann auf ihn und tippte ein wenig auf meinem Handy herum. Kurz darauf klopfte bereits jemand an meine Hotelzimmertür und, wie sich dann herausstellte, war er es bereits.
"Guten Tag Taylor.", begrüßte er mich lächelnd und musterte mich dann versucht unauffällig. "Du siehst wunderschön aus."
"Danke.", antwortete ich und blieb mit meinem Blick an seinem Anzug hängen. Er stand ihm wirklich ausgezeichnet und hob sein wunderschönes Gesicht nur noch mehr hervor. "Kann ich nur zurückgeben."
Meine Worte ließen ein unheimlich charmantes, aber auch verlegenes, Lächeln auf seinen Lippen erscheinen. Ich mochte es, wenn er lächelte- dann zeigte er nicht nur seine Grübchen und seine makellosen Zähne, sondern auch eine Seite seiner Selbst die ich zwar noch nicht deuten konnte, aber mochte.
"Wollen wir dann aufbrechen?", erkundigte er sich und bot mir einen seiner Arme zum Einhaken an. Etwas verwundert, aber dennoch freudig über die nette Geste ging ich darauf ein nachdem ich mir einen schwarzen Trenchcoat übergeworfen hatte und verließ dann mit Adam das Hotel. Vor der Tür wartete bereits eine große, schwarze Limousine auf uns, die uns zum Boulevard de la Croisette brachte. Auch wenn ich nicht viel über diese Stadt oder französische Vokabeln wusste, war mir klar, dass das Essen hier nicht billig sein konnte. Als ich aber versuchte Adam darauf anzusprechen, winkte er nur ab und meinte, er würde all das schon arrangieren. Davon noch nicht ganz überzeugt und mit großen Augen stieg ich dann schließlich aus- Palmen und Lichterketten zierten die große Straße vor dem nicht minder luxuriös aussehenden Restaurant in welches Adam mich elegant zog. Ich kam gar nicht mehr aus dem Staunen heraus, denn das "La Palme d'Or" war ein echter Blickfang. Es war modern eingerichtet und an den, vorwiegend mit dunklem Holz hinterlegten, Wänden hingen schwarz-weiß Bilder von berühmten Filmstars wie James Dean und neben den goldenen Platzdeckchen und teurem Silberbesteck zierte jeden Tisch eine andere Holzfigur. Ich war mir sicher, dass ich irgendwann stehen geblieben wäre um mir alles genauer anzusehen, wäre ich nicht wieder bei Adam eingehakt gewesen und von ihm weitergezogen worden. Während wir an einem der großen, runden Tische Platz nahmen schenkte uns einer der Kellner bereits Wasser ein und sah dann erst zu mir, gefolgt von meinem Begleiter.
"Wissen die Herrschaften bereits was sie zu essen wünschen oder möchten sie einen Blick in die Karte werfen?", erkundigte er sich geschwollen. "Ich war mir nicht über die Anwesenheit einer Begleitung bewusst, Mr. Wiles. Verzeihen sie mir daher diese unverschämten Unannehmlichkeiten."
"Wir nehmen Pelagus, bitte.", gab Adam völlig selbstverständlich zurück und lächelte leicht. Ein wenig verwirrt darüber, dass er anscheinend genau wusste was auf der Karte stand aber dennoch dankbar dafür, dass ich mir die ganzen, vermutlich genauso klingenden, Menüs nicht durchlesen musste sah ich zu ihm. Auf seinen Lippen zeichnete sich ein wundervolles Grinsen ab, als er meinen Blick bemerkte und sich ein wenig zu mir lehnte.
"Pegalus ist ein Menü für zwei Personen mit Steinbutt, Polenta und Mangold.", erklärte er. "Der Name ist lateinisch für 'das offene Meer' und die Zusammenstellung faszinierend. Du wirst es mögen."
"Okay.", murmelte ich und nickte verstehend mit dem Kopf. "Und was genau sind Polenta und Mangold?"
"Polenta ist eine Art Maisbrei und Mangold ist eine Gemüsepflanze.", antwortete er grinsend.
"Klingt durchaus.. vorzüglich.", erwiderte ich und setzte mich ein wenig aufrechter hin. Ich hatte das Gefühl viel zu ungebildet, unanständig und ungehobelt für einen Ort wie diesen zu sein.
"Hey.", flüsterte Adam und griff nach meiner Hand. "Du brauchst dich nicht verstellen. Das hier ist nur ein Restaurant und du bist nur mit mir hier. Ich bin der Gleiche wie vergangene Nacht. Keine Angst."
"Danke.", murmelte ich und atmete tief durch. "Weißt du, ich bin es nur nicht gewohnt derartig verwöhnt zu werden und noch dazu von jemandem, der kaum etwas über mich weiß."
"Auch wenn ich kaum etwas über dich weiß, kenne ich dich doch ein wenig.", entgegnete er. "Und ich bin der Meinung, dass jeder Mann, der dich nicht verwöhnt hat, nicht wusste was er an dir hatte. Du hast es verdient umgarnt zu werden."
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all you had to do was stay
Fanfiction"Es war nie leicht, und auch, wenn es so schwer war, war es das immer wert." Nachdem Harry Taylor betrogen hat, geht für sie eine Welt unter. Sie vergräbt sich in Selbstmitleid und Einsamkeit, bis ihre Freunde sie schließlich dazu bringen, zurück in...
