Nachdem mich mein Wecker am nächsten Morgen unbarmherzig aus dem Schlaf gerissen hatte, wälzte ich mich noch eine kurze Weile lang müde im Bett herum, bis ich durch ein lautes Klopfen vollständig in die Realität zurückgeholt wurde. Seufzend erhob ich mich schließlich, da die Person, die wohl zu mir wollte, nicht aufhören konnte, an meiner Tür so ein Lärmkonzert zu veranstalten. Mit meiner Decke über den Schultern öffnete ich schließlich gähnend, um Steve und zwei Bodyguards gegenüber zu stehen.
"Das hier ist kein Urlaub, Taylor", begann Steve und riss mir die Decke im Vorbeigehen aus den Händen. "Wir sind geschäftlich hier. Du hast Termine. Und du kannst es dir nicht leisten, zu denen zu spät zu kommen."
"Ich habe doch nur fünf Minuten geruht", entgegnete ich. Ich verstand gar nicht, worum er schon wieder so einen Wirbel machte.
"Fünf-", wiederholte er und hielt mir sein Handy entgegen, dessen Sperrbildschirmhintergrund ein Bild von Abby und Andy war. Was mir aber viel mehr ins Auge sprang, war die Uhrzeit. "Du hast eine Stunde verschlafen! Unser Termin ist in dreißig Minuten, wie stellst du dir das vor?"
"Was? Oh Gott. Nimm mich nicht hoch, eine Stunde?", brachte ich schockiert hervor und sah mich panisch in meinem Zimmer um, in der Hoffnung, etwas zum Anziehen zu finden.
"Schau zu, dass du fertig wirst. Ich fahre keine Sekunde später, als vereinbart", kommandierte er und schob mich ins Badezimmer, während ich vom Fußboden eine Jeans und einen Pullover aufhob. "Die Uhr tickt."
"Jaja, lass' gut sein", murmelte ich und schloss die Tür hinter mir, um, immer noch ein wenig verschlafen, ins Duschbecken zu steigen.
Leider konnte ich es mir wirklich nicht leisten, meine Dusche so lange auszudehnen, wie ich es sonst üblicherweise tat. Ich glaubte Steve aufs Wort, wenn er sagte, dass er pünktlich aufbrach. Das hieß auf Deutsch, dass er sehr gut auch ohne mich fahren, den Termin persönlich absagen und mir damit eine Lektion fürs Leben erteilen konnte. Immerhin hatte ich mich, mir sehr bewusst über die Schwierigkeiten die er mit sich brachte, für diesen Beruf entschieden und wenn ich es nicht hin bekam, musste ich eben mit der Enttäuschung und der schlechten Presse leben. Also wusch ich mich in einer neuen Bestzeit, trocknete mich ab, schlüpfte in meine Klamotten und föhnte meine Haare so schnell, wie möglich.
"Sag' mir bitte, dass Abby im Auto wartet!", rief ich, wohl wissend, dass Steve gerade auf dem Sofa saß und sich irgendwelche Nachrichten durchlas.
"Nicht wirklich", gab er laut zurück. "Aber Mrs. Teasdale sitzt neben mir."
"Lou?", hakte ich verwundert nach und kramte panisch in meiner Make-Up-Tasche, um meinen Abdeckstift herauszuholen. Sie kannte meine Narbe, im Gegensatz zu Abby, noch nicht ungeschminkt. Das war nicht gut, das war ganz und gar nicht gut.
"Bist du fertig mit Duschen, Tay?", hörte ich ihre Stimme durch die Tür dringen. "Ich bin zwar gut, aber so gut, dass ich dich in zwei Minuten fertig bringe, auch nicht."
"Gleich, ich muss nur noch-", setzte ich zu einer Antwort an, während ich grob mit dem Stift über meine Wange fuhr.
"Wir fahren in zehn Minuten", warf Steve ein, weswegen ich nur noch panischer wurde und aggressiv die Creme auf meiner Haut verteilte. Das, was ich da betrieb, war wahrlich kein Meisterwerk. "Komm jetzt, Taylor!"
"Jaha", rief ich, während ich noch einen Klacks Make-Up und Puder auf meine Wange auftrug. Zwar nicht ganz überzeugt von meiner Arbeit, aber immerhin zufrieden damit, ein wenig Schadensbegrenzung betrieben zu haben, stolperte ich zurück ins Zimmer, wo Lou in der Zwischenzeit ein halbes Studio aufgebaut hatte. "Hey, Lou."
"Hey, setz dich", gab sie zurück und drückte mich auf einen Stuhl, um mir sofort mit einigen Pinseln und Cremes im Gesicht herumzubürsten, während sich eine weitere Person um meine Haare kümmerte. "Das hinter dir ist Lottie, Louis' Schwester. Sie macht gerade ein Praktikum bei mir, vertrau ihr."
"Okay", murmelte ich, während ich ihren skeptischen Blick betrachtete, als sie zu meiner demolierten Wange kam. Gott sei dank sagte sie aber nichts weiter dazu und konzentrierte sich darauf, mich ausgehfertig zu machen. Tatsächlich bewies sich wieder einmal, was für ein riesiges Talent Lou war, denn nach weiteren fünf Minuten stand ich fertig geschminkt und frisiert in meinem Zimmer. Auch Lottie hatte ganze Arbeit geleistet, denn meine hochgesteckten Haare saßen ordentlich und fest, was ich feststellte, als ich panisch bemerkte, dass ich Harrys Kette nicht finden konnte. Wo hatte ich sie nur hin getan? "Sieht jemand meine Papierflugzeugkette?"
"Du hast sie um", bemerkte Lou und griff mir ungeniert unter den Pullover, um die Kette über den hellbraunen Stoff zu legen. "Alles ist gut, du siehst wunderbar aus."
"Und wir sind sogar pünktlich, wenn du sofort in diesen Flur gehst", mischte sich Steve ein und öffnete die Hotelzimmertür, während ich mir umständlich meinen Mantel überzog und mich flüchtig von den beiden Stylistinnen, die mein Leben gerettet hatten, verabschiedete.
"Bezahl ihnen dafür die doppelte Summe", verlangte ich von Steve, der augenblicklich sein Handy hervorzog und eine Notiz anlegte.
"Der Kaffee hier ist übrigens für dich", murmelte er abwesend und hielt mir einen Becher in Deluxegröße entgegen, den er wohl während meiner hektischen Aufbrezelprozedur besorgt hatte. Es war unfassbar, wie glücklich mich ein einfaches Getränk machen konnte, aber als sich nach ein paar Schlücken dieses wohlig warme Gefühl in meinem Bauch breit machte, glaubte ich, dass das das bis dahin beste war, was mir an diesem Tag passieren konnte.
"Danke", gab ich schon ein Stück ruhiger zurück, während wir mit dem Aufzug in die Lobby fuhren. Steve beachtete mich nicht wirklich, sondern konzentrierte sich dauernd auf sein Handy, während ich mich meinem Kaffee widmete. Ich hatte ehrlich gesagt ein wenig Angst vor dem Aufraster, der sicherlich noch auf mich wartete. Steve mochte es ganz und gar nicht, wenn Termine nicht eingehalten wurden oder er sich darum kümmern musste, dass ich fertig wurde. Hoffentlich wurde er wenigstens durch die Tatsache milde gestimmt, dass ich schließlich doch noch zeitig dran war.
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all you had to do was stay
Fanfiction"Es war nie leicht, und auch, wenn es so schwer war, war es das immer wert." Nachdem Harry Taylor betrogen hat, geht für sie eine Welt unter. Sie vergräbt sich in Selbstmitleid und Einsamkeit, bis ihre Freunde sie schließlich dazu bringen, zurück in...
