Harry;
So schnell wie Grandma und Mum sich Tay unter die Krallen gerissen hatten bekam ich sie nicht wieder. Selbst nach dem Kochen, während des Essens und auch danach konnte ich höchstens kurze Blicke mit ihr tauschen, ehe entweder sie oder ich wieder abgelenkt oder irgendwie eingespannt wurden. Das nervte mich tierisch. Ich wollte wenigstens kurz mit ihr reden oder ihre Hand halten, sie kurz bei mir haben um feststellen zu können, ob sie gut mit allem klar kam. Auch wenn sie sich dessen nicht bewusst war, ich hatte schon lange verstanden, dass sie sich ab und zu hinter einer Fassade versteckte, um entweder sich selbst oder andere zu schützen. Vielleicht hatte sie gar nicht so viel Spaß, wie ihr Lachen verdeutlichen sollte, und vielleicht fürchtete sie immernoch nicht gut anzukommen oder noch schlimmer, vielleicht hatte Grandma etwas Falsches gesagt.
Verdammt beschissen wurde die Situation, als Mum Gemma, mich und Robin zu irgendeinem Fototermin aufscheuchte - um "mal wieder ein paar Familienporträts" schießen zu lassen. Mein erster Gedanke war es natürlich, Tay mitzunehmen - selbst wenn sie nur zuschaute, hauptsache sie war in meiner Nähe. Allerdings hatte Grandma andere Pläne; sie weigerte sich wie eh und je, mitzukommen und bestand darauf, die Dekorationen oder so einen Scheiß zu kontrollieren oder aufzuhängen. Und da sie anscheinend Tay als ihre neue beste Freundin ansah, musste sie natürlich bei ihr bleiben und ihr helfen und konnte nicht mit uns kommen. Tay hatte wohl bei dieser Entscheidung nicht viel Spielraum, da sie grundsätzlich viel zu sozial ausgelegt war. Somit war sie zusätzlich noch den ganzen Nachmittag von mir abgeschirmt, was bis in den Abend anhalten sollte, denn als wir von diesem verdammten Fotoshooting heimkehrten, waren Tay, Grandma und meine Tante bereits weg. Eine Nachricht von Tay verriet mir, dass sie schon zum Festsaal aufgebrochen waren und noch irgendwelchen Stuss vorbereiteten.
"Na wenn das so ist, dann sollten wir uns vielleicht auch fertig machen und ihnen folgen, ehe der Rest der Gesellschaft eintrifft", antwortete Mum, als ich ihr davon erzählte, und schickte mich auf mein Zimmer, damit ich mich umziehen konnte. Gott, kotzte mich diese ganze Sache an. Ich wollte doch nur zu Tay und wissen, wie sie sich fühlte. Hoffentlich überforderte Grandma sie nicht mit ihrem Alt-Weiber-Klatsch und, noch wichtiger, machte keine bescheuerten Bemerkungen. Manchmal konnte sie sehr direkt sein. Sehr, sehr direkt und ehrlich bezüglich ihrer Meinung, die deutlich auf beschissenen alten Werten und Überzeugungen aufbaute. Ich wusste nicht, inwiefern Tay sich von sowas einschüchtern ließ. Schließlich war sie eigentlich total stark und all der Mist, aber so unsicher wie vor diesem Wochenende hatte ich sie noch nie erlebt.
"Harold." Die Stimme meiner Mutter riss mich schlagartig aus meinen Gedanken. Da ich meinen Blick zur Tür lenkte, sah ich meine Mutter mit verschränkten Armen gegen den Rahmen gelehnt. Sie trug ein rotes Kleid und wirkte sehr schick. "Ich dachte eigentlich, dass ich als Letzte fertig bin. Jetzt stehe ich vollkommen aufgebrezelt hier und dein Sakko sitzt immer noch nicht richtig."
"Kann ich nicht doch einfach ein scheiß Shirt tragen?", fragte ich, ohne groß darüber nachzudenken, und werkelte weiter an meinen Manschetten herum.
"Hör auf so viel zu fluchen, du weißt, dass ich das nicht mag", schimpfte sie und stellte sich vor mich, um mir mit den Knöpfen zu helfen. Schon nach einigen Handgriffen ihrerseits saß mein scheiß Anzug perfekt, weswegen sie mich zum Spiegel drehte, damit wir beide uns sahen.
"Dein Smoking steht dir wirklich gut", bemerkte sie und lächelte unser Spiegelbild an. "Wann bist du nur erwachsen geworden?"
"Mum, bitte", seufzte ich und verdrehte die Augen. "Mach daraus keine Nummer. Bin nur ich und ein sch- ein normaler Smoking."
"Nein, ich meine es ernst. Mit all der Reiserei und deiner Arbeit habe ich kaum mitbekommen, dass du schon so erwachsen geworden bist. Du bist 19, um Himmels Willen."
"So ist das Leben, schätze ich", gab ich zurück und fuhr mir durch die Haare. Sie lächelte und nickte nur wissend als Antwort und drückte meine Schultern noch einmal kurz, ehe sie ihr Kleid glatt strich und und einen Schritt zurück ging.
"Anne, kommt ihr? Wir müssen langsam", rief Robin von unten und unterbrach so diese komische und doch vertraute Unterhaltung.
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all you had to do was stay
Fanfiction"Es war nie leicht, und auch, wenn es so schwer war, war es das immer wert." Nachdem Harry Taylor betrogen hat, geht für sie eine Welt unter. Sie vergräbt sich in Selbstmitleid und Einsamkeit, bis ihre Freunde sie schließlich dazu bringen, zurück in...
