"Man sollte meinen, dass ich nach all dieser scheiß Reiserei so langsam daran gewohnt wäre", seufzte Harry, während wir an der Gepäckausgabe nach meiner Tasche Ausschau hielten. "Dieses dauernde Fliegen geht mir schon irgendwie auf den Sack."
"Das ist eben der Preis den wir dafür zahlen, unseren Traum leben zu können", gab ich zurück und schlang meine Arme um meinen Oberkörper. Ich hatte das unglaubliche Bedürfnis, mich einfach an ihn zu lehnen, doch ich wollte ihn nicht mit der Situation überfordern. Wir waren alles andere als allein, um uns waren Leute aus seinem und meinem Team, geschweige denn die ganzen anderen Passagiere aus dem Flugzeug.
"Nervt trotzdem", murmelte er und hob meinen Koffer vom Band, als er an uns vorbei fuhr. Als ich versuchte, meine Tasche an mich zu nehmen, damit Harry nicht alles tragen musste, stellte er sich mir nur grinsend in den Weg, sodass ich gegen seine Schulter krachte. "Du weißt doch, dass ich für dich alles trage. Gewöhn dich endlich daran."
"Niemals", flüsterte ich lächelnd und startete noch einen Versuch, doch an mein Gepäck zu kommen, aber es war hoffnungslos. Ehe ich mich versah, hatte er seine Reisetasche bereits auf dem Rücken und meinen Koffer in der einen Hand. Mit der anderen griff er nach meiner und zog mich so zum Ausgang. Durch das Gespräch mit seiner Großmutter begann ich, Gesten wie diese viel mehr zu schätzen. Wenn ihre Theorie auch nur ansatzweise stimmte, musste ich das fast schon. Es fiel ihm offensichtlich schwer, diese ganze Sache mit uns in der Öffentlichkeit, und ich musste auch bedenken, dass eben die Aufmerksamkeit aller Welt schon einmal zu einem Schlussstrich zwischen uns beigetragen hatte. Und all das kam nur zu dem, was er in seinem Leben schon mitgemacht hatte, dazu.
Am Ausgang warteten bereits Steve und Paul, unsere beiden Manager. Auch wenn Steve es vermutlich niemals zugeben würde, merkte ich, dass er sich mittlerweile ziemlich gut mit Paul verstand. Jedes Mal, wenn sich meine Wege mit denen von One Direction kreuzten, unterhielten sich die beiden und lachten viel zusammen. Und das, obwohl Paul für den großen, bösen Harry Styles zuständig war.
"Ihr seid spät dran", merkte Steve an, während er sein fröhliches Freizeit-Gesicht ablegte und wieder ganz zu meinem grimmigen Manager wurde.
"Das nächste Mal sage ich dem Piloten, er solle doch bitte schneller fliegen", antwortete ich sarkastisch und nahm einen Umschlag von ihm entgegen, während Paul Harry in ein Gespräch verwickelte.
"Ha-ha", entgegnete er trocken und richtete seine Anzugweste. So schick zog er sich erst an, seit er mit Abby war. Ein weiterer ihrer positiven Einflüsse auf ihn. "Wir haben heute einiges vor. Du hast in einer halben Stunde eine Einzel-Tanz-Probe und danach Gesangstraining."
"Ich dachte, heute habe ich frei", murmelte ich verwundert, weswegen Steve den Kopf schüttelte. Er versuchte Harry nur durch Gesten mitzuteilen, dass er ihm meinen Koffer übergeben sollte, doch der stellte sich dumm. Schließlich sagte Steve ihm, was er wollte, weshalb Harry ihm grinsend meinen Koffer reichte. Er liebte es, Steve zu ärgern.
"Du hättest heute frei gehabt", erklärte Steve und drängte mich in Richtung Ausgang. "Aber durch das freie Wochenende müssen wir nachholen, was du verpasst hast. Und das geht nun einmal nur heute, da morgen und übermorgen ziemlich voll sind. Du hast dafür aber heute Abend frei, um dich auszuruhen."
"Na gut", seufzte ich und wandte mich noch einmal kurz um, um Harry zuzuwinken. "Dann an die Arbeit."
Direkt vom Flughafen zur Arbeit zu fahren war ein wenig ermüdend, aber alles in allem in Ordnung. Mittlerweile fand ich wieder richtig Spaß an meinem Tanztraining und meinen Gesangsübungen; es war fast schon so, wie früher. Als ich diese ganze Routine noch mit glitzernden Augen aufgesogen hatte, weil die Tatsache, dass ich das tun durfte, bedeutete, dass ich meinen Traum leben durfte.
Nichts desto Trotz war ich ziemlich müde, als ich schließlich am frühen Abend zum Hotel kam. Laut Steve hatte alles mit den Zimmern geklappt, was bedeutete, dass ich mir eines mit Harry teilte. Ausgestattet mit allerlei Mahnungen, Anweisungen und Ratschlägen von Steve machte ich mich auf den Weg in das oberste Stockwerk des Hotelkomplexes und suchte nach der Zimmernummer, die mir zugeteilt wurde. Als ich aufschloss, eröffnete sich vor mir ein großer, weitläufiger Raum. Was mir sofort in die Augen stach, war die komplett verglaste Fensterfront auf der gegenüberliegenden Seite. Dahinter breitete sich eine wunderschöne Aussicht auf Florenz aus. Im Zimmer selbst stand ein großes King-Size-Bett vor einer hellblauen Tapete mit Stuck, dem gegenüber ein kleines Sofa und ein dazugehöriger Tisch. Außerdem fand sich neben mir ein großer Kleiderschrank aus hellem Holz und eine Tür, die wahrscheinlich zum Badezimmer führte, aus dem Harry gerade kam.
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all you had to do was stay
Fanfic"Es war nie leicht, und auch, wenn es so schwer war, war es das immer wert." Nachdem Harry Taylor betrogen hat, geht für sie eine Welt unter. Sie vergräbt sich in Selbstmitleid und Einsamkeit, bis ihre Freunde sie schließlich dazu bringen, zurück in...
