Taylor POV;
Am nächsten Morgen war die Betthälfte neben mir natürlich leer - damit war sie aber nicht das Einzige. Mein Magen knurrte unbändig, sobald ich begann, mit meinen Augen gegen die morgendliche Helligkeit im Raum anzublinzeln. Harry und ich mussten vergessen haben, die Rollläden zu schließen. Gott, war das hell. Verschlafen richtete ich mich auf, wobei ich merkte, wie schwer sich mein Kopf anfühlte. Hatte ich am vorherigen Abend wirklich so viel getrunken? Um ehrlich zu sein - ich wusste es schlichtweg nicht mehr. Vielleicht hatte Harry mich wieder abgefüllt. Wo war er eigentlich?
Als ich mich, fest entschlossen dazu, mich auf die Suche nach ihm zu machen, aus dem Bett hieven wollte, fiel mein Blick auf den Nachttisch. Neben einer Lampe und einem gerahmten Bild von Harry und Gemma aus Kindheitstagen stand dort ein Tablett, das allerdings nicht dahin gehörte. Auf ihm befand sich ein großes Glas Wasser, neben dem eine verpackte Tablette und ein Zettel lagen. Etwas verwirrt beugte ich mich leicht nach vorne, um nach dem Papier zu greifen.
"Für den Fall, dass du den gleichen Kater hast, wie ich. H. x", stand in einer etwas krakeligen Abwandlung von Harrys Handschrift darauf, was mich unwillkürlich zum Lächeln brachte. Wenigstens war nicht nur ich in so einem miserablen Zustand. Sorgfältig faltete ich den kleinen Brief wieder und legte ihn zurück, um die Tablette und das Wasser zu vernichten. Ich fühlte mich direkt ein klein wenig besser, weswegen ich mich bald aus dem Bett zwang und in die Dusche schlurfte. Warum musste ich ausgerechnet dann so verkatert sein, wenn ich ein Wochenende lang umringt von Harrys Verwandtschaft war?
Als ich, frisch geduscht und meinen Kater überschminkt, aus dem Bad kam, lag Harry mit geschlossenen Augen auf dem Bett.
"Der Wein?", erkundigte ich mich leise und legte meinen Pyjama auf meine Matratze. Mich überkam unwillkürlich die Lust, mich einfach an ihn zu kuscheln, doch ich wusste genau, dass ich nicht mehr aufstand, wenn ich das tat. Also blieb ich etwas unschlüssig neben dem Bett stehen und verschränkte meine Arme vor der Brust.
"Mh-hm", machte er und fuhr sich einige Momente später mit der Hand übers Gesicht. "Scheiße, ich bin so im Arsch."
"Frag' mal mich", murmelte ich und streckte mich. "Warst du schon bei deiner Familie unten?"
"Ja, die sind alle hellwach", gab er zurück und setzte sich langsam auf. "Viel trinkfester als ich. Was verdammt gruselig ist."
"Das -", begann ich, wurde jedoch abrupt von einem viel zu lauten Klopfen unterbrochen.
"Harold? Taylor?", rief Anne durch die Tür. Ich war mir dabei nicht ganz sicher, ob sie wirklich so laut schrie oder ob es sich für mich nur so anhörte. "Seid ihr wach? Der Brunch ist fertig."
"Eine Sekunde", antwortete ich und warf Harry einen fragenden Blick zu. Mittlerweile glaubte ich so weit zu sein, mit anderen zu sprechen, doch ich konnte nicht einschätzen, wie es ihm ging. Wobei - da er eigentlich immer hungrig war und sonst auch nicht sonderlich viel mit den Leuten um ihn herum sprach, sollte dieser Morgen keinen großen Unterschied zu sonst bilden.
"Wir warten unten auf euch", informierte Anne uns, ehe ich Schritte von der Tür weg gehen hörte. Da Harry seine Augen wieder geschlossen hatte, nahm ich an, dass er noch ein paar Sekunden brauchte, um sich mit dem Gedanken eines Familien-Brunches anzufreunden. Während ich ihm diese Zeit gab, ging ich noch einmal ins Badezimmer und checkte mein Make Up und meine Haare. Man musste mir meinen Kater ja nicht unbedingt ansehen. Nur zur Vorsicht trug ich noch eine Schicht Abdeckstift unter meinen Augen auf und puderte noch ein weiteres Mal mein Gesicht ab, bevor ich meine welligen Haare durchkämmte.
"Wie kannst du so scheiße schön aussehen, obwohl du behauptest, den Kater des Todes zu haben?", fragte Harry in die Stille des Raumes herein, was mich etwas erschreckte. Als ich mich umdrehte, sah ich ihn an den Türrahmen gelehnt stehen, während er mich beobachtete.
"Schminke nennt sich das Zauber-Werkzeug", erklärte ich und zuckte mit den Schultern. "Wenn du willst, kann ich dich auch ein wenig abpudern."
Ich war mir nicht ganz sicher, ob ich mich nur täuschte, aber ich glaubte in diesem Moment ein schmales Lächeln über sein Gesicht blitzen zu sehen. Als ich meine Sachen wieder in der dafür bestimmten Tasche verstaut hatte, ging ich zu ihm hinüber und lehnte mich gegen ihn, damit er seine Arme, die er extra geöffnet hatte, um mich legen konnte.
"Das ist das erste Mal, dass nicht nur ich einen Kater habe", bemerkte ich und fuhr mit meinen Fingern seinen Rücken auf und ab. "Also, dass wir beide gleichzeitig einen haben."
"Dann heißt das, dass du einen schlechten Einfluss auf mein Trinkverhalten hast", raunte er, was mir ein Grinsen auf die Lippen zauberte. "Ich spüre dein Lachen förmlich, spar's dir."
Gerade extra löste ich mich von ihm, um ihn ansehen zu können. Er verdrehte zwar die Augen, konnte sich aber ein schmales Lächeln nicht verkneifen.
"Ich liebe dich", flüsterte ich und verstärkte meinen Griff um seinen Oberkörper.
"Und ich liebe dich", antwortete er leise. In dem Wissen, dass wir langsam wirklich los mussten, stellte ich mich für einen Moment auf Zehenspitzen und drückte ihm einen kurzen, sanften Kuss auf, ehe ich nach seiner Hand griff und ihn aus dem Zimmer zog.
Unten im Esszimmer wartete bereits die gesamte Mannschaft: Anne und Robin, Harrys Grandma, Gemma und Cole, die Tanten, Onkel und deren Kinder. Nur wir hatten noch gefehlt. Peinlich. Als wusste Harry, wie unangenehm mir die Situation war, legte er sanft eine Hand auf meinem unteren Rücken ab und schob mich unbeirrt zu den für uns vorgesehenen Sitzplätzen.
"Sorry für die Verspätung", murmelte ich, als wir an Anne vorbeikamen, die nur lächelte.
"Wir dachten uns schon, dass es euch beiden heute schwerer fällt, aus dem Bett zu kommen", antwortete Annes Mutter laut, sodass ein Grinsen durch die Runde ging. Auch wenn dieser Witz auf meine Kosten war, konnte ich mir nicht helfen - ich mochte diese Frau und ihre trockene Art einfach.
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all you had to do was stay
Fanfiction"Es war nie leicht, und auch, wenn es so schwer war, war es das immer wert." Nachdem Harry Taylor betrogen hat, geht für sie eine Welt unter. Sie vergräbt sich in Selbstmitleid und Einsamkeit, bis ihre Freunde sie schließlich dazu bringen, zurück in...
