"Guten Morgen, Baby.
Ich musste kurzfristig weg, bin spätestens am Mittag zurück. H. xx"
Harrys kleiner, gelber Notizzettel lag auf dem Ofen, wo ich ihn schließlich auch fand, nachdem ich wieder einmal die Wohnung nach ihm abgesucht hatte. Schlief ich tatsächlich immer so unfassbar lange oder hielt er es nicht aus, neben mir im Bett zu liegen? Sein Verhalten kam mir von Tag zu Tag suspekter vor, vor allem in Anbetracht dessen, dass er mich doch so dringend zurück haben wollte. Wieso ließ er mich, wo er doch so froh war, mich zurück erobert zu haben, so oft links liegen?
"Du hast den Zettel ja gefunden." Harrys Stimme riss mich aus meinen, noch etwas schlaftrunkenen, Gedanken und ließ mich sofort herumfahren. Wie immer, trug er eine normale schwarze Skinny Jeans und einen grauen Pullover, seine dunklen Locken hingen ihm wirr ins Gesicht. Er sah nicht aufgestylt und trotzdem unheimlich gut aus, wie gewöhnlich, ganz ungewöhnlich war jedoch das Mädchen, was ihm in die Küche folgte.
"Was ist denn hier los?", erkundigte ich mich verwirrt und zog den Saum seines Hoodies, den ich trug, nach unten, da er in Gegenwart einer Person, die nicht Harry war, doch etwas freizügig wirkte. Das junge Mädchen vor mir hatte lange, braune Haare, eine süße Stupsnase und viel zu viel schwarzen Lidschatten über ihren kleinen Augen. Nur zu Recht beäugte sie mich kritisch, während ich verzweifelt versuchte, den Hoodie noch ein Stück weiter nach unten zu ziehen.
"Das ist meine Cousine", gab er schulterzuckend zurück und drückte mir einen flüchtigen Kuss auf, ehe er ein Glas mit Leitungswasser füllte und daraus einen großen Schluck nahm. "Sie bleibt den Tag über hier."
"Ich habe übrigens auch einen Namen", meldete sich das Mädchen und lehnte sich gegen den Türrahmen zu ihrer Rechten. Sie trug eine hellblaue Jeans, welche mehrfach gelöchert war, und dazu ein figurbetonendes schwarzes Sweatshirt, was ihr unglaublich gut stand. "Selma, falls es jemanden interessiert."
"Ich heiße Taylor", antwortete ich freundlich und verlagerte mein Gewicht, ehe ich mit kurzen Schritten, immer darauf bedacht, so viel wie möglich mit dem Hoodie abzudecken, auf die Tür zuging, denn ich spürte in diesem Moment das dringende Bedürfnis, mehr Stoff an meinem Körper zu tragen. "Und ich gehe mich mal schnell umziehen."
Ich lächelte Selma noch einmal kurz zu und verschwand dann im Schlafzimmer, wo ich erst einmal meine Gedanken kurz sammeln musste. Nicht, dass ich etwas gegen Selmas Anwesenheit hatte - wirklich nicht - aber hätte Harry nicht wenigstens vorher Bescheid sagen können, dass er sie her brachte? Wieso musste er immer handeln, ohne mich an seinen Vorhaben teil haben zu lassen?
Nachdem ich mich aus meinen Schlafsachen geschält und frische Unterwäsche anhatte, kramte ich planlos in meinem Koffer nach etwas, das sowohl bequem als auch schick war. Wenn es nach Harrys Planung laufen würde, und das würde es natürlich, konnte ich mich, wie ich an diesem Morgen feststellen musste, auf überhaupt nichts verlassen.
"Ist alles okay?" Harry musste dringend damit aufhören, sich dauernd anzuschleichen und mir so regelmäßig den Schrecken meines Lebens einzujagen. Augenblicklich stand ich wieder auf meinen Füßen und betrachtete ihn geschockt, bis ich mich gefangen hatte und die Arme vor der Brust verkreuzte.
"Ich weiß nicht, sag du's mir doch", gab ich zurück und deutete auf die Tür hinter ihm. "Oder hast das genauso vergessen, wie mir zu sagen, dass du jemanden mit nach Hause bringst?"
"Sie ist meine Cousine", erwiderte er ruhig und machte einen Schritt auf mich zu. "Und ich hatte vergessen, dir zu sagen, dass ich sie heute babysitten muss. Für mich war es selbst eine verdammte Überraschung, als meine Tante mich aus dem Bett geklingelt hat."
"Hm", machte ich, die Augen verdrehend, und wandte mich wieder meinen Klamotten zu.
"Ich fürchte nicht, dass wir diese Unterhaltung anständig führen können, solange du beinahe nichts trägst", bemerkte er grinsend und ließ sich hinter mir auf dem Bett nieder. Ich merkte buchstäblich, wie seine Blicke an meinem Körper auf und ab wanderten, was mich in diesem Moment nur noch wütender machte. Eigentlich war ich gar nicht wütend, aber es fühlte sich so an, als wäre dieser Punkt bald erreicht.
"Gut, dann geh' raus", zischte ich und wühlte in meinem Koffer. "Unterhaltung beendet."
"Dich pisst gar nicht das mit Selma an", bemerkte er. Als ich hörte, dass seine Füße zurück auf dem Boden waren, dachte ich für einen kurzen Moment, er würde sich mir wirklich fügen und gehen, doch dann schoben sich zu meinen beiden Seiten seine Beine in mein Blickfeld, während er seine Arme um meine Taille schloss und mich an sich zog. "Was ist los?"
"Nichts", murmelte ich, wobei ich mich zusammenreißen musste, um mich nicht gegen ihn zu lehnen und ihn wieder gewinnen zu lassen. Er wusste, was er für eine Wirkung auf mich und meinen Körper haben konnte, und das durfte ich ihm nicht schon wieder zeigen. "Ich wünschte nur, du würdest mich ab und zu in deine Pläne einweihen."
"Tut mir leid, Baby", flüsterte er und platzierte einen Kuss in meiner Halsbeuge, weswegen ich unwillkürlich meine Augen schloss. Mein Herz begann augenblicklich schneller zu schlagen, und beinahe hätte ich vergessen, wie aufgebracht ich eigentlich war. Harry entschuldigte sich nie, bei niemandem, und das war es vermutlich auch, was mich schließlich wieder besänftigte. Außerdem wollte ich es auch nicht zu weit treiben und ihn unnötig provozieren, immerhin hatte er sich so gut gehalten. Seit meinem Geburtstag hatte er sich keinen Ausraster mehr geleistet, genauso, wie er keinen Alkohol mehr getrunken hatte. Nicht einmal am vorherigen Abend, und darauf war ich stolz.
"Schon gut", gab ich zurück und lehnte mich - endlich - gegen ihn. Sein Griff wurde sofort etwas fester, bis ich nach einer seiner Hände griff und begann, mit seinen Fingern zu spielen. Seine Entschuldigung bedeutete mir wirklich viel, und deswegen schob ich meinen Ärger schließlich komplett zur Seite. "Erzählst du mir wenigstens, was du heute vorhast?"
"Nichts", antwortete er schulterzuckend, weswegen ich mich mit zusammengezogenen Augenbrauen zu ihm wandte.
"Wir können nicht nichts unternehmen, wenn wir einen Gast haben", entgegnete ich. "Ich lasse mir etwas einfallen."
"Glaub mir, du willst heute nicht vor die Tür." Harry versuchte weiter, mich umzustimmen, was ich ihm auch nicht verübeln konnte. Trotzdem hasste ich es, gesagt zu bekommen, was ich tun sollte.
"Lass das mal meine Sorge sein", erwiderte ich und stand, obwohl er mich noch einen Moment bei sich halten wollte, auf und schnappte mir ein schwarzes Kleid mit dünnen weißen Streifen, welches zwar eng anliegen würde, aber durch den etwas dickeren Stoff und die langen Ärmel auch im Winter getragen werden konnte. Außerdem nahm ich noch eine schwarze Wollstrumpfhose aus dem Koffer, ehe ich mich daran machte, mich anzuziehen.
"Du machst mich fertig", seufzte Harry und beobachtete mich bei meinem Tun, während er sich auf die Unterlippe biss. Anstatt etwas darauf zu sagen, zog ich mich fertig an und schenkte ihm ein freches Grinsen. Ich wusste genau, dass er es nur schwer in meiner Nähe aushielt, wenn ich halb nackt war, es aber noch schlimmer für ihn war, mir dabei zuzusehen, wenn ich mich wieder anzog. Auch das musste man ihm anrechnen; er wartete für seine Verhältnisse schon lange auf mich, und machte auch keine Anstalten, mich zu irgendetwas zu drängen oder zu überreden.
"Dafür bin ich da", flüsterte ich und beugte mich zu ihm, da er noch immer auf dem Boden saß, und gab ihm einen kurzen Kuss. "Schau nach deiner Cousine. Ich schminke mich und dann unternehmen wir was."
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all you had to do was stay
Fanfiction"Es war nie leicht, und auch, wenn es so schwer war, war es das immer wert." Nachdem Harry Taylor betrogen hat, geht für sie eine Welt unter. Sie vergräbt sich in Selbstmitleid und Einsamkeit, bis ihre Freunde sie schließlich dazu bringen, zurück in...
